Die Quotenqueen
Sie ist eine der bekanntesten Bestseller- und Drehbuch-Autorinnen Deutschlands: Annemarie Schoenle. Ihre Spezialität sind gepfefferte Dialoge, Figuren mit hohem Identifikationsfaktor und außergewöhnlich gut recherchierte Geschichten. „Ich habe meinen Figuren gegenüber Takt, und die Recherche ist der Respekt, den ich den Lesern entgegen bringe“, sagt die Münchnerin. Mit ihrem jüngsten Roman, der Tragikomödie „Familie ist was Wunderbares“, findet die Autorin zurück zu ihren Wurzeln: dem Familienroman. Hier dreht sich alles um eine ganz normal wahnsinnige Familie im Rheinland.Christine Bonhof ist Mitte 50 und Buchhändlerin in einem kleinen Ort vor den Toren Kölns. Beruflich ist die attraktive und impulsive Unternehmerin ordentlich eingespannt, und privat reibt sie sich für ihre Familie auf. Man könnte auch sagen: Sie tobt ihren Helferkomplex aus. An ihrem Rockzipfel hängen:
a) Anja, ihre Tochter nebst Freund und Enkelchen,
b) Papa, ihr pflegebedürftiger, 80-jähriger Vater,
c) Ulrich, ihr wieder verheirateter, anhänglicher Ex-Mann und
d) Toni, ihr Lebensgefährte, der Bürgermeister bleiben will.
Alle zählen auf Christines Unterstützung, und sie tut, was sie kann. In ihrem stressigen Dasein bleibt nicht mehr viel Spielraum für neue Probleme, doch es kommt immer dicker: Die Kette Hieronymus will Christines Buchhandlung platt machen. Das Ende ihrer Selbständigkeit wäre eigentlich eine praktische Lösung – so denkt zumindest ihre wunderbare Familie. So könnte sie sich schließlich ganztags um die Mischpoke kümmern.
Warmherzig, verständnisvoll, stets ein offenes Ohr für die Anderen: Christine ist die „Mutter der Kompanie“
Während Christine überlegt, ob sie Paul Hieronymus' Angebot annehmen und als Filialleiterin in seinem Büchersupermarkt einsteigen soll, drängen sich wieder einmal die Themen ihrer familiären „Trabanten“ in den Vordergrund. Jeder macht auf seine Weise Druck:
a) Anja will nach der Babypause beruflich wieder einstiegen und wünscht sich von Mama intensive Betreuung für ihren Spross Leonie.
b) Papa bräuchte auch jemanden, der sich um ihn kümmert. Der starrköpfige Herr hat aber keine Lust aufs Pflegeheim – und auf seine Sippe schon gar nicht.
d) Toni will Christine unbedingt heiraten.
Christine ist weder scharf auf eine neue Ehe noch auf ein Kleinkind, und daheim herum zu hocken ist auch nicht ihr Ding. Ganz im Gegensatz zu Sabine, Ulrichs junger Frau: Sie zieht es vor, nur für Haushalt, Kind und Mann da zu sein. Als wäre nicht schon alles vertrackt genug, kommt plötzlich ein Anruf von ihrem früheren Ehemann:
c) Ulrich ist völlig aufgelöst: Seine Sabine liegt nach einem Autounfall schwer verletzt in einer Klinik.
Von allen Seiten unkt es: Kein Job dieser Welt ist es wert, seine Lieben zu vernachlässigen. Familie ist was Wunderbares!
Christine eilt ins Krankenhaus und wartet mit Ulrich, der den kleinen Jonas dabei hat, auf den ärztlichen Bescheid. Und der ist grauenhaft: Sabine ist ihren Verletzungen erlegen. Christine nimmt sich Urlaub, steht ihrem hilflosen Ex-Mann in den nächsten Tagen bei und organisiert sogar die Beerdigung. Ulrich versinkt in tiefe Depressionen. Was soll nun aus ihm und Jonas werden? Alle Menschen um Christine herum wissen auf einmal ganz genau, was gut für sie wäre. Doch dann geraten die Verhältnisse vollends durcheinander, und Christine explodiert, zumal es Trouble bei den Bücherhaien gibt ...
Die Verfilmungen von Annemarie Schoenles Drehbüchern sind Quotenhits. All ihre Romane wurden verfilmt. Weil es in ihren Geschichten menschelt, und weil sie nebenan spielen könnten. Weil sie von feinsinnigem Humor, Situationskomik und Sprachwitz durchwoben sind, und weil man mit ihren Figuren lacht und leidet. Das gilt in ganz besonderem Maße für ihren jüngsten Streich: „Familie ist was Wunderbares“. Der Roman wurde 2007 vom ZDF verfilmt.
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