Das Buch
AUTOR(EN) Friedrich Ani VERLAG Knaur TB SEITENZAHL 560 AUSSTATTUNG Taschenbuch TB PREIS EUR (D) 9,95 ISBN3-426-62054-5 ISBN 978-3-426-62054-0 ERSCHEINUNGSTERMIN 01.01.2002 GENRE Krimi & Thriller
Dieses Buch ist lieferbar.- INHALT
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German Angst
Christoph Arano, vor über 30 Jahren als Kind aus Nigeria nach Deutschland gekommen und Mitinhaber einer kleinen Installationsfirma, kommt mit seiner Tochter Lucy nicht mehr klar: Seit dem Tod ihrer Mutter wird das Strafregister der Vierzehnjährigen ständig länger. Da entführt eine rechtsradikale Gruppe die deutsche Verlobte Aranos, Natalia Horn, um die sofortige Abschiebung von Vater und Tochter zu erzwingen.
Die Diskussion um die erpresste Ausreise spaltet Polizei, Justiz und Öffentlichkeit in zwei Lager, ein Medienrummel ohnegleichen mobilisiert die Bevölkerung. Auf der Strecke bleiben Anstand, Vernunft und Menschenwürde, und Natalias Suche nach der absoluten Liebe nimmt ein jähes Ende.
Was jeden Tag passiert oder passieren kann, zeigt Friedrich Ani in seinem spannenden Thriller - ein ungeschminktes Bild unserer Gegenwart, eine aufschlussreiche Darstellung der dubiosen Angst vor dem Fremden, eine hervorragend recherchierte, unter die Haut gehende Geschichte mit einprägsamen Charakteren und einem atmosphärischen Sog, dem man sich nicht entziehen kann.
"Ein hochaktueller Krimi, der das Gefühl der Stunde trifft."
Der Spiegel
Rezensionen
German Angst
»Friedrich Anis Thriller ist vor allem wegen seiner hohen Glaubwürdigkeit so aufrüttelnd. Hier geht es nicht um Diamanten von adeligen Geldwäschern oder verlorene U-Boote, hier geht es um die persönliche Freiheit und den demokratischen Anstand jedes Einzelnen. Weil die Zeitgeschichte eben Realität ist, kann sie durchaus bedrückend und aufwühlend sein.«
Buchkultur
Die Welt vom 30.08.2000 | 30.08.00
Der Fall "Mehmet" als Vorbild oder: Runter von den Bäumen
Friedrich Ani über "German Angst"
Von Thomas Grasberger
Friedrich Ani brauchte nicht zu warten, bis auch der PEN seine Mitglieder aufrief, gegen den Rechtsextremismus im Land die Stimme zu erheben. Der 41-jährige Münchner Drehbuch- und Romanautor arbeitete schon länger an diesem deutschen Skandal. Und er hat eine dezidierte Meinung zu dem, was seit Jahren die Republik heimsucht, aber eigentlich erst in den vergangenen Wochen zum gesellschaftlichen Thema geworden ist - Ausländerhass und Pogrome des rechtsradikalen Mobs.
In diesen Tagen erscheint Anis neuer Roman "German Angst" bei Droemer (488 Seiten, 44 Mark). Erzählt wird darin die Geschichte einer Liebe in Zeiten des alltäglichen bundesrepublikanischen Kleinkriegs gegen das Fremde, eines Krieges, der keineswegs nur an der Glatzenfront geführt wird.
Christoph Arano ist eine der Romanfiguren: ein nigerianischer Flüchtling, der vor Jahren nach Deutschland kam und nach dem Tod seiner Frau mit der heranwachsenden Tochter Lucy nicht mehr fertig wird. Sie schlägt sich, greift Mitschüler an, wird immer wieder straffällig. An ihrem 14. Geburtstag wird sie verhaftet und damit zum Spielball von Meinungsmache, Medienhysterie und populistischem Politikerkalkül. Lucy soll abgeschoben werden, und ihr Vater - fordern manche - soll gleich mitgehen. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, entführt eine rechtsradikale Gruppe Aranos deutsche Verlobte.
Zu seinem Krimi inspiriert wurde der im oberbayerischen Kochel geborene Sohn eines Syrers und einer Schlesierin durch den realen Fall Mehmet, der sich kürzlich in dem wegen seiner "Liberalitas" so oft gelobten Bayern abspielte: Ein Schwererziehbarer, dem keiner mehr Herr zu werden schien, bis man an ihm ein politisches Exempel statuierte und ihn kurzerhand in die Türkei auswies.
Für Friedrich Ani ein Mosaikstein im deutschen Gesamtbild der vergangenen zehn Jahre. Ein Bild, das den Titel "Xenophobie" tragen könnte. Oder eben "German Angst". Doch woher rührt sie, diese deutsche Angst? Ani wirkt erregt, wenn er die Antwort gibt: "Manchmal glaube ich, das ist genetisch bei uns Deutschen. Obrigkeitshörig und konservativ, reflexartig immer auf Seiten der politischen Rechten. Wir haben den Nazismus nie aufgearbeitet, weder in Ost noch in West. Aber im Westen haben wenigstens die Amerikaner die grundlegenden demokratischen Regeln eingeführt."
Ani kritisiert aber auch den aus dubiosen Quellen finanzierten "Ausländerwahlkampf der hessischen CDU" und das "Umfallen des Sozialdemokraten Schily bei der Asylpolitik". Er könnte viele Beispiele hinzufügen. Das alles sind für den Schriftsteller politische Botschaften, die ein Klima schaffen, in dem am Ende Gewalt gedeiht. "Denn Gewalt fängt in der Sprache an. Die letzten Wahlkämpfe waren allesamt von einer unterschwelligen rassistischen Tonart geprägt."
Es ist alles andere als Optimismus, was den Autor Friedrich Ani derzeit umtreibt. Dennoch sieht er einen kleinen Nutzen im Appell an die Zivilcourage: "Die kann nie schaden. Es wird Zeit, dass wir Deutschen irgendwann von den Bäumen heruntersteigen und den aufrechten Gang üben."
30.08.2000 DIE WELT