Das Buch
AUTOR(EN) Anne Hertz VERLAG Knaur TB SEITENZAHL 336 AUSSTATTUNG Taschenbuch TB PREIS EUR (D) 8,99 ISBN3-426-62976-3 ISBN 978-3-426-62976-5 ERSCHEINUNGSTERMIN 01.01.2006
Dieses Buch ist lieferbar.- INHALT
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- REZENSIONEN
- LESERSTIMMEN
Glückskekse
Frage: Was ist ein beschissener Tag? Wenn dein Freund mit dir Schluss macht. Nächste Frage: Und was ist ein noch beschissener Tag? Wenn er es völlig unerwartet tut, total aus dem Off. Letzte Frage: Und was ist das Allerbeschissenste? Wenn er sich dafür ausgerechnet deinen 35. Geburtstag aussucht.
Ich mache Scherze, glauben jetzt vielleicht einige. So was gibt’s
doch gar nicht, dass jemand an seinem eigenen Geburtstag abserviert
wird. Doch. Gibt es. Aber keine Sorge – solche Dinge passieren
nur mir. Nur in meinem Leben kommt so etwas vor. Und in
drittklassigen Heftchenromanen natürlich. Also kann sich jetzt
jeder beruhigt zurücklehnen und die kleinen, wohligen Schauer
genießen, die einem den Rücken runterjagen, wenn man von
anderen Horrorstorys zu hören bekommt, die einen selbst glücklicherweise
nicht betreffen.
So sitze ich also zu Hause, frisch verlassen, frisch geburtstagt,
frisch in die Kategorie der Spätgebärenden beziehungsweise der
Wenn-überhaupt-noch-Gebärenden aufgestiegen. Und ich heule.
Ich finde, ich habe ein Recht dazu. Ich darf jetzt ruhigen Gewissens
eine Woche lang mit ungewaschenen Haaren durch die
Gegend laufen, darf mich betrinken, dazu Musik hören und vor
mich hinweinen. Und damit fange ich jetzt sofort an. Mit einem
energischen Fußtritt bringe ich meine überalterte Stereoanlage
ans Laufen.
The stupid jerk that I’m obsessed with. Der Song von Maggie
Estep läuft zwei Stunden lang in der Endlosschleife. So wie mein
Leben. Das hängt offensichtlich auch in einer Endlosschleife. In
einer Endlosschleife von unglücklichen Liebesgeschichten. Die
letzte hat sich, wie bereits erwähnt, gerade mit einem nicht zu
überhörenden The End von mir verabschiedet. Markus hieß er.
Hipper Artdirector in einer noch viel hipperen Werbeagentur.
Schöngeist, sensibler Zyniker, belesen und bewandert und gern
ein bisschen an der Welt verzweifelnd – also genau die ideale Projektionsfläche
für ein romantisches Mädchen wie mich. Vier Monate
lang waren wir Mr. und Mrs. Unglaublich-Happy. Dann drei
Wochen lang nicht mehr ganz so happy. Und heute Morgen mutierte
Markus zu »Es liegt nicht an dir, aber ich glaube, ich empfinde
nicht so viel für dich wie du für mich« und ich zu »Aber du
hast doch gesagt, du liebst mich«.
Was soll’s? Langsam aber sicher bekomme ich Übung im Verlassenwerden.
Oder wie Robbie Williams sagt: Before I fall in
love, I’m preparing to leave her. Nur, dass ich auf der anderen,
deutlich unschöneren Seite des Songs stehe.
Und dann auch noch mein Geburtstag. Eigentlich nichts Besonderes.
Die Zeiten, in denen man sich darauf freute und ganz aufgeregt
war, sind seit schätzungsweise zwanzig Jahren vorbei.
Markus sah das ähnlich. »Weißt du, ich will kein Heuchler sein
und nur, weil du heute Geburtstag hast, mit meiner Entscheidung
bis morgen warten. Es wäre nicht richtig, dir etwas vorzumachen.
« Wie edelmütig! Wie aufrecht! Mir kommen vor Rührung
die Tränen. Nein, stimmt gar nicht. Mir kommen die Tränen,
weil ich allein und verlassen und traurig bin. Vor mir eine Flasche
Wein, in meinem Herzen eine große klaffende Wunde. Klingt
pathetisch, ich weiß. Aber wenn man nicht mal mehr pathetisch
sein darf, wenn man am eigenen Geburtstag abgeschossen wird,
weiß ich es auch nicht.
Dabei fällt mir ein, dass ich ein pikantes Detail ja noch gar nicht
erwähnt habe: Nämlich die Art und Weise, wie Markus sich von
dannen gemacht hat. Denn nicht nur, dass er sich für seinen Abgang
einen ganz besonderen Tag ausgesucht hat. Nein, weit
gefehlt, er hat dem Anlass entsprechend auch noch einen ganz besonderen
Moment abgepasst. Nämlich den, in dem er quasi noch
in mir steckte. Ja, genau so war es! Nach unserem morgendlichen
Quickie (die lange Nummer haben wir schon seit etwa zwei Monaten
nicht mehr gemacht) ließ er sich von mir runter zur Seite
rollen, angelte nach den Kippen auf dem Nachttisch, steckte sich
eine an und ließ den Rauch anschließend laut seufzend aus seinem
Mund entweichen. Ich wollte daraufhin wissen, was los ist –
und der Rest ist ja bekannt. Wirklich filmreif, das Ganze. Vögelt
mich erst durch und stellt dann fest, dass er irgendwie nicht so
viel für mich empfindet wie ich für ihn. Vom Geschlechtsakt mal
abgesehen, da hatte ich schon das Gefühl, dass mit dem Empfindungsvermögen
meines Freundes – Verzeihung, Ex-Freundes –
noch alles in bester Ordnung ist. Jedenfalls, was bestimmte Regionen
seines Körpers betrifft. Aber ich bin schon zu alt, um nicht
zu wissen, dass das Eine mit dem Anderen leider rein gar nichts
zu tun hat.
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