Das Buch
AUTOR(EN) Mende Nazer Damian Lewis VERLAG Knaur TB ORIGINALTITELSklavin SEITENZAHL 368 AUSSTATTUNG Taschenbuch TB PREIS EUR (D) 9,99 ISBN3-426-62541-5 ISBN 978-3-426-62541-5 ERSCHEINUNGSTERMIN 01.01.2004 GENRE Biographien & Memoirs
Dieses Buch ist lieferbar.- INHALT
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Sklavin
Gefangen Geflohen Verfolgt„Als Kind hatte ich nicht einen Tag ohne Liebe und Zuwendung erlebt. Doch dann, nach all den Jahren, hatte Salma mich komplett zerstört, jedes Gefühl für mein eigenes Selbst. Ich glaubte, dass ich ihre Sklavin war und sie meine Herrin. Ich glaubte an ihre absolute Kontrolle über mich. Ich glaubte, sie hätte die Macht über Leben und Tod.“
Man nannte sie „yebit“ - das arabische Wort für jemand, der es nicht wert ist, einen Namen zu tragen. Sie schlief eingesperrt in einem Verschlag, sie arbeitete Tag und Nacht, sie wurde geschlagen und bekam keinen Pfennig Lohn. Und das Schlimmste: Sie durfte nicht einen Schritt nach draußen tun... Dies ist die Geschichte der jungen Nubafrau Mende Nazer, die nicht etwa vor 200 Jahren spielt, sondern heute, im 21. Jahrhundert. Mendes Geschichte ist durchaus kein Einzelfall. Und sie endet nicht im tiefen Afrika, sondern bei unseren Nachbarn in Europa: Denn am Tiefpunkt einer jahrelangen erniedrigenden Sklavenexistenz in Khartoum wird Mende nach England verschickt - als Sklavin der sudanesischen Botschafterfamilie in London...
“Mit ihrer Geschichte hat Mende die Qualen all unserer afrikanischen Schwestern sichtbar gemacht und ihnen dringend notwendige Aufmerksamkeit verschafft. Und bei allem, was Mende durchgemacht hat, sind ihre Kraft und ihre Schönheit ungebrochen.“ Waris Dirie
Rezensionen
Süddeutsche Zeitung vom 19./20.10.2002 | 21.10.2002
Sklavin zweier Herren
Welchen gespenstischen Charakter die europäische Asylgesetzgebung angenommen hat, kann man in diesen Tagen in London beobachten. Und zwar in einer Weise, die vermuten lässt, dass dies nur die Spitze eines Eisbergs ist. Denn die Legitimität des juristischen Verfahrens funktioniert solange reibungslos, wie die den Paragrafen Unterworfenen zu keiner eigenen Stimme finden: also meistens. Diesmal ist es anders, denn es ist ein Schicksal mit Stimme, ein Schicksal, das Schrift geworden ist - und nur deswegen herausdringt aus der Black-Box der Justiz-Behörden. Eben hat die britische Regierung den Asylantrag von Mende Nazer abgelehnt. Die heute 22-Jährige hatte zusammen mit dem britischen Journalisten Damien Lewis ihre Lebensgeschichte publiziert: „Sklavin“, die auf deutsch bei Schneekluth erschienen ist. Darin erzählt sie, wie sie als zwölfjähriges Mädchen vom Volk der Nuba in den Wirren des Bürgerkriegs im Sudan von Menschenhändlern verschleppt und als Sklavin an eine reiche arabische Familie im Norden des Landes verkauft wurde, wo sie acht Jahre im Sklavendienst gehalten wurde. Dass Sklaverei weiterhin zu unserer Wirklichkeit gehört, ist das eine. Die bittere Pointe von Nazers Geschichte aber spielt in Europa. Denn nach acht Jahren Dienst wurde sie von ihrer „Herrin“ weiter gereicht nach London, wo sie im Hause eines hochrangigen sudanesischen Diplomaten ebenfalls Sklavendienste zu versehen hatte. Diesmal unterstützt von Waschmaschine und Staubsauger, aber genauso eingesperrt in eine, wenn auch luxuriöse, Villa, bis ihr schließlich - mit Hilfe ihres späteren Co-Autors Damien Lewis - die Flucht gelang und sie einen Asylantrag stellte. Dieser nun wurde von den britischen Behörden abgelehnt. Sie sei - heißt es in der Begründung - eine illegale Einwanderin. Das ist immerhin insofern richtig, als Sklaverei in England illegal ist. Weiter aber heißt es: „Der Minister glaubt nicht, dass die Art, wie Sie angeblich während ihres Aufenthalts behandelt wurden, den Tatbestand der Verfolgung erfüllt, wie er von der UNO-Flüchtlingskommission beschrieben wird.“ Die Vizesprecherin des Oberhauses, Baronin Caroline Cox, hat jetzt gegen die Entscheidung scharf protestiert. Auf jeden Fall gibt es also inzwischen genug Publicity, damit die sudanesischen Behörden ihre entlaufene Sklavin am Heimatflughafen nicht lange warten lassen werden. ijo
Die Welt vom 10. Januar 2003 | 10.01.0003
Die Sklavin ist frei In ihrer Heimat wurde eine 22-jährige Sudanesin misshandelt, erst in England konnte sie ihren Peinigern entkommen. Doch die Behörden wollten sie ausweisen - dann schrieb sie einen Bestseller über ihr Leben von Thomas Kielinger
An welchem Tag genau sie geboren wurde, weiß sie selbst nicht, denn in dem Dorf im Südsudan, dem Mende Nazer, die junge Nuba-Frau, entstammt, gibt es keine offiziellen Geburtsregister. Dort geht man bei allen in einem Jahr Geborenen vom 1. Januar als Pauschalgeburtstag aus. Es muss aber das Jahr 1980 gewesen sein, oder 1979, denn 1992 werden Nazer und ihr Dorf von sudanesischen Milizionären überfallen, sie selbst, zusammen mit anderen Jugendlichen, entführt, vergewaltigt, geschlagen und schließlich als Zwölfjährige nach Khartum in die Sklaverei eines Privathaushaltes verkauft. Acht Jahre und unnennbare Erniedrigungen später kommt die ihrer Freiheit Beraubte nach England, ins Haus des damaligen Geschäftsträgers der sudanesischen Botschaft, Abdel Al Koronky, im nordwestlichen Londoner Stadtteil Willesden. Sie kann aber wenig später ihrem Ausgehverbot entfliehen und beantragt am 11. September 2000 bei den britischen Behörden Asyl. So weit das Skelett einer Geschichte, die sich zunächst nicht sehr viel von Tausenden von ähnlichen Schicksalen unterscheidet, Geschichten von Flüchtlingen, Verschleppten, dem Strandgut des globalen Dorfes. Aber der Fall der Mende Nazer wird bald prominentes Profil entwickeln, kommt der in Göttingen beheimateten Gesellschaft für bedrohte Völker vor Augen und von da einer immer größeren internationalen Öffentlichkeit. Denn das britische Innenministerium weigerte sich zunächst, den Antrag von Miss Nazer stattzugeben, woraufhin die genannte Gesellschaft ihren Fall sofort vor Innenminister Schily brachte, ihn zur Aufnahme der Verfolgten in Deutschland drängend. Noch bis Mitte Oktober 2002 drohte ihr die Abschiebung in den Sudan, mit neuer Drangsal als sicherem Los. Inzwischen nämlich hatte das talentierte Mädchen aus dem Stamme der Nuba ihre Lebensgeschichte veröffentlicht, erst nur auf Deutsch, im Schneekluth-Verlag („Sklavin“). Das stiftete sofort eine schlagzeilenheischende Debatte um Verfolgung und Sklaverei unter dem islamfundamentalistischen Regime in Khartum. Unmöglich, dass die wachsamen Sensoren der sudanesischen Repression nicht aufnahmen, was in dieser Debatte alles hoch kam und was die Autorin selbst an erschütternden Einzelheiten in ihrem Buch vorzutragen hatte. Wie konnte Frau Nazer etwas anderes als Vergeltung erwarten für ihre Enthüllungen, sollte sie je wieder einen Fuß setzen auf sudanesischen Boden? Doch zu den Bürokraten des britischen Innenministeriums war die Kunde des im September in Deutschland veröffentlichten Buches bis Anfang Oktober noch nicht gedrungen, was einmal mehr ein Schlaglicht wirft auf die schwerfällige Kommunikation in der so genannten Europäischen Union. Dabei hatte der „Guardian“, herausragend unter den britischen Tageszeitungen, seit längerem auf die unsäglichen Lebensumstände der jungen Nuba-Frau hingewiesen. Die zweijährige Überprüfung ihres Asylantrags führte vielmehr am 17. Oktober zur Ablehnung. Mit Begründungen, deren haarsträubende Widersprüchlichkeit Stoff für Satiren hätten geben können, wäre der Fall nicht so aufwühlend traurig gewesen. „Der Innenminister“, so hieß es in dem offiziellen Schreiben, „weiß, dass im Süden des Sudan, vor allem in den Bürgerkriegsgebieten, weiterhin Menschen als Sklaven ergriffen und in nord- oder zentralsudanesische Territorien verschleppt werden. Als Folge militärischer Aggression haben vor allem die Nuba Tod und Krankheit erleiden müssen, Vertreibung und Hunger. „Aber Ihr Anspruch“, so wendete sich das Papier an die Antragstellerin, „basiert nicht auf Furcht vor Verfolgung auf Grund von Rasse, Religion, Nationalität, Mitgliedschaft einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe oder politischer Überzeugungen. Der Minister ist daher nicht überzeugt, dass das, was Ihnen angeblich im Sudan zugefügt wurde, dem Tatbestand der Verfolgung entspricht, oder dass die Behandlung, die Sie während Ihrer Zeit in Großbritannien erfuhren, Verfolgung darstellt wie vom UN-Flüchtlingswerk UNHCR beschrieben.“ In dem Einspruch, den Mende Nazer postwendend erhob, sprach sie erstmalig von ihrem Buch und der darin zur Sprache gebrachten Involvierung der sudanesischen Regierung bei ihrer eigenen Verschleppung sowie bei dem fortgesetzt betriebenen Sklavenhandel im Sudan selbst. „Sobald ich auf dem Flughafen Khartums gelandet wäre, würde die Regierung, die davon natürlich Kenntnis hätte, mich ergreifen und verschwinden lassen.“ Das Innenministerium horchte endlich auf. An der von Miss Nazer in ihrem Buch dargelegten Geschichte konnte man nicht mehr vorbeischauen. Ihre Anwälte lieferten weitere Einzelheiten nach: In den Jahren seiner Sklaverei in Khartum war das Mädchen wie eine schwarze Cinderella auf unmenschliche Weise ausgebeutet und malträtiert worden, routinemäßig geschlagen und von jedem Kontakt mit der Außenwelt ferngehalten. Die Papiere zu ihrer Einreise nach England hatte die sudanesische Botschaft in London sich erschwindelt, nachdem ein erster Visum-Antrag durch den Geschäftsträger abgelehnt worden war. Als Ersatztrick schob man daraufhin den Namen eines anderen Botschaftsangehörigen vor, der Mende Nazer angeblich als Au-pair-Mädchen bei sich einzustellen wünschte, mit einer Bezahlung von 200 Pfund im Monat. Die Beweislage zu Gunsten des Asylantrags jedenfalls wurde immer erdrückender. Und so beschied das Ministerium des Mr. Blunkett am 11. November 2002, die Nuba-Frau könne, vorbehaltlich eines endgültigen Bescheids, einstweilen im Lande bleiben. Kleinlaut gab man zu, nicht gewusst zu haben, „dass Ms Nazer ein Buch geschrieben und ihr Schicksal zu Händen arabischer Sklavenhändler dokumentiert“ habe. Die Weiche stand jetzt auf Happy End. Dies kam am Dienstag dieser Woche: Dem Antrag auf Asyl für Mende Nazer wurde stattgegeben, endlich, nach zwei Jahren der Ungewissheit, einschließlich etlicher Fehden zwischen der Frau und britischen Medien, die sie, der sudanesischen Botschaft folgend, als „Lügnerin“ dargestellt hatten. Abdel Al Koronky hat sich inzwischen in den Sudan abgesetzt, allen peinlichen Nachforschungen aus dem Wege gehend. Die junge Frau aber, überglücklich, kann endlich, frei von Furcht vor Deportation, ihrem eigenen Leben nachgehen und sich ihren Herzenswunsch erfüllen - Krankenschwester zu werden. Der Skandal des Sklavenhandels im kriegsgeschüttelten Sudan aber geht weiter.
Bunte vom 10.10.02 | 10.10.0002
Eigentlich müsste die 22-jährige Nubierin an der Welt verzweifelt sein. Stattdessen strahlt sie Offenheit aus, als hätte sie bisher nur Glück gehabt im Leben. Doch als Mädchen wurde sie im Sudan entführt, musste sieben Jahre lang einer Familie zu Diensten sein: geschlagen, gedemütigt, sexuell belästigt - im Sudan, später in London. Im 21. Jahrhundert eine Autobiografie aus dem Mittelalter.
Leserstimmen
Nicci | 07.05.2009
Nicci„Hallo, nun habe ich endlich das "Folgebuch"erhalten!! Und bin so froh endlich weiterlesen zu dürfen! Noch nie, wirklich noch nie....und ich muss dazu sagen, ich bin eine Leseratte, habe ich so viel Tränen vergossen, wie bei Mende's Geschichte!!! Es waren Tränen der Freude, Tränen der Wut, Tränen der Verzweiflung, Tränen der Hoffnung und Tränen der Rührung!- Es waren wirklich sehr viele Tränen, wie man lesen kann......Da fragt man sich, wie viele vergoss Mende selbst? @Mende: Falls Du dies hier liest und es Dir übersetzen lassen kannst, wünschen mein Mann, meine Tochter und ich Dir und Deiner Familie alles Beste der Welt!!! Du hast es verdient!- Wer sonst, wenn nicht Du und nicht zu vergessen, all den anderen Kinder, die das gleiche Schicksal wie Du tragen müssen! Ich werde gleich noch weiter lesen......und ganz fest an Dich denken und Dich wie schon ein paar mal zuvor in meine Gebete mit einschließen! Alles Liebe Nicci und Familie”
hanin | 26.07.2008
oh mein gott„ich hab das buch grade zu ende gelesen und bin richtig krass geschockt!!! die frau tut mir soo krass leid und ich würd soo gerne wissen wie und ob sie ihre familie wiedergesehn hat. wär zu schön wenn die das im tv machen oder so....ach ja boah man krigt so ne wut auf die Frauen die sie bei sich eingesperrt hielten!! ich würd denen so gerne meine meinung sagen -.- einfach nur unmenschen diese sudaner....und das obwohl ich ein stolzes arabisches mädchen bin (aus palestina)”
Scholz | 06.12.2007
Spenden wohin ?„Dear Mende, I read both your books and was deeply touched. I would love to help your projekt NADAR financiall but couldn´t´find a web link . How can I support your projekt ? Do you have a web site? I couldnt find it either. Love to hear from You !!! Pamela Scholz”