Tulpenfieber und mörderische Habgier
Eine Blume löste den ersten Börsencrash der Geschichte aus und hinterließ viele Jahre später eine mörderische Spur durch die verwinkelten Gassen Amsterdams. Jeremias Katoen ermittelt wieder. Der Fall erweist sich als schier unlösbar. Erst als Katoen sich von scheinbar unumstößlich ehrbaren Grundsätzen und Überzeugungen löst, kommt er den Machenschaften eines Geheimbundes auf die Spur und somit der Tulpe des Bösen.Die erste Tulpenzwiebel erreichte Europa im Jahre 1562. Eher zufällig, denn sie war eingeklemmt zwischen Tuchballen auf einem Handelsschiff, das voll beladen aus dem Osmanischen Reich kommend die Niederlande ansteuerte. Der Händler tat, was man mit Zwiebeln gemeinhin tat, er aß sie. Trotz des recht bitteren Geschmacks und des nicht unerheblich hohen Gehalts an toxischen Stoffen, die unter anderem starke Übelkeit hervorrufen, beschloss er, sie in seinen Gemüsegarten einzupflanzen, um im folgenden Jahr reich zu ernten. Daraus jedoch wurde nichts, denn im Frühjahr sah er sich an einer farbenfrohen Blumenpracht gegenüber.
Die Tulpe kam dem Geist der damaligen Zeit entgegen, vor allem dadurch, dass sie das gesteigerte Interesse an Raritäten befriedigte. Häufig wurde sie mit exotischen Insekten und Muscheln auf Gemälden dargestellt, um ihre Seltenheit und Extravaganz zu betonen.
Jede Tulpe wurde wie ein Juwel behandelt und nur unter Aufsicht ausgestellt.
Fürsten und reiche Händler packte das "Tulpenfieber", jeder wollte die ausgefallenste Sorte als Statussymbol besitzen.
Bereits im 17. Jahrhundert gab der Markgraf Ludwig-Wilhelm von Baden-Durlach, der Türkenlouis (1677-1707), pro Gartensaison für Tulpen 1.000 Gulden aus. Dies entsprach dem 50-fachen des Jahreslohnes einer Amme oder einer Waschfrau!
Eine der begehrtesten Sorten der Zeit war „Semper Augustus“. 1624 hatte eine der nur zwölf in Europa vorhandenen Zwiebeln einen Wert von 1.200 Gulden.
Im Jahr darauf musste man bereits das Doppelte bezahlen.
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Der Tulpenwahn stürzte Tausende von Händlern in den finanziellen Ruin. Doch auch nach dem großen Crash von 1637, gab es weiterhin Fanatiker, die ihr Leben für eine Zwiebel gegeben hätten. Der Handel tauchte ab in den Untergrund, und die letzten „infizierten“ Anhänger schworen sich zu Geheimbünden zusammen, um weiterhin die kostbarsten Zwiebeln ihr Eigentum nennen zu können.
So auch „Die Tulpe des Bösen“.
Als sich eines Abends ein ehrenwertes Mitglied des Verbundes „Verehrer der Tulpe“, Bankier de Kooning, auf den Heimweg macht, wird er im Nebel der düsteren Gassen von einer verhüllten Frau um Schutz gebeten – und brutal niedergestochen. Er ist nicht das erste Opfer. Schon eine Woche zuvor wurde ein Mitglied dieser Gruppe tot aufgefunden. Ebenfalls ermordet. Und wie bei dem ersten Opfer, findet Inspektor Jeremias Katoen auch in der leblosen Hand des Bankiers ein außergewöhnliches Blütenblatt: Tiefschwarz mit blutroten Tupfen.
»Als der Amtsrichter sich neben den Leichnam kniete, tat Katoen es ihm nach und sah zu, wie van der Zyl vorsichtig die geballte Rechte des Ermordeten öffnete. Darin lag etwas Flaches, Längliches, und erst bei genauerem Hinsehen erkannte Katoen, dass es sich um ein Blütenblatt handelte. (…) „Das Blatt ist tiefschwarz und diese tropfenförmigen roten Flecken erinnern an Blutstropfen.“«
Während seiner Ermittlungen stößt Jeremias Katoen auf eine rätselhafte Welt. Fanatische Tulpenliebhaber und ebenso fanatische Tulpenhasser bringen ihn auf die Spur einer extrem raren und über die Maßen gefährlichen Gattung, der Tulipa. Ein dämonisches Gewächs von schillernder Farbe, das eine furchtbare Macht auf seinen Betrachter ausübt.
Jeremias Katoen erfährt von einem verschollenen Manuskript, das ihn auf die Spur der „Bluttulpe“ bringt. Dem Manuskript liegt eine Karte bei, die den Seeweg zur Tulpenküste weist, an der die begehrten, aber vor allem tödlichen Tulpen von Sultan Süleyman unter strenger Bewachung trotz ihrer letalen Wirkung gezüchtet wurden. Denn auch der Sultan konnte sich dem Bann ihrer Schönheit nicht entziehen.
Nun scheint die Tulpe des Bösen in die falschen Hände geraten zu sein. Und wären da nicht das kleine, ihm blind ergebene „Schlangenkind“ Felix und die junge, der Fechtkunst kundige Anna, Jeremias Katoens Leben hinge bald am seidenen Faden. Denn seine Ermittlungen bringen hohe Herrschaften in ärgste Bedrängnis. So wird Jeremias Katoen schließlich selbst Opfer einer Verschwörung und findet sich von Gift betäubt in einem von Unrat und Urin stinkendem Verließ wieder ...
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