Giovanni Belzoni
1778 - 1823
Ingenieur, Akrobat, Entdecker, Tausendsassa
Bereits als Junge muss der „Große Belzoni“ eine Schau gewesen sein. Als 2 Meter-Hüne stach der Sohn eines Barbiers aus Padua aus jeder Menge heraus. Nachdem er mit 16 Jahren seine Heimatstadt verlassen hatte, schlug er sich 1796 nach Rom durch, um Hydraulik zu studieren. Die siegreichen Franzosen trieben den jungen Ingenieur, der sich vor dem drohenden Militärdienst drücken wollte, außer Landes. In den folgenden Jahren vertiefte er auf seinen Reisen durch verschiedene europäische Länder sein Wissen zur Hydraulik, bis es ihn 1803 schließlich nach London verschlug. Als Muskelmann machte er im Zirkus Furore. In London lernt er auch seine Frau Sarah Belzoni kennen, die ihn fortan auf seinen Abenteuern begleitet und unterstützt. Tatsächlich beginnt nun ein Vagabundenleben, begleitet von ihrem Diener James Curtain ziehen die Belzonis durch Europa. Mit seinen Kraftkunststücken macht sich Giovanni als der „Große Belzoni“ einem Namen.
In Malta lässt sich Belzoni schließlich vom Gesandten des ägyptischen Herrschers Mohammed Ali anheuern, der Fachleute zur Verbesserung der Landwirtschaft am Nil sucht. 1815 in Kairo angekommen, führt Belzoni dem Herrscher eine hydraulische Bewässerungsmaschine vor. Die Demonstration scheitert jedoch, manche Quellen berichten von Sabotage der um ihre Arbeitsplätze besorgten Einheimischen.
Der gefeierte Reisende
Auf der Suche nach einer Beschäftigung trifft Belzoni im britischen Konsulat durch Vermittlung des Schweizer Gelehrten Johann Ludwig Burckhardt auf Konsul Henry Salt. Der engagiert Belzoni, um den Kopf einer kolossalen Ramses Statue aus dem Nil auf ein Schiff nach London zu heben.
Nachdem Mohammed Ali nicht sonderlich an den ägyptischen Altertümern interessiert war, hatten skrupellose Plünderer und Grabräuber freie Bahn. Unter ihnen brach ein regelrechter Wettstreit los. Steine, Statuen, Obelisken, Papyrusrollen, Mumien und Grabschmuck wurden wahllos an den Meistbietenden verscherbelt und größtenteils nach Europa verschifft.
Belzoni, der sich zunächst bedenkenlos an diesem Geschäft beteiligte, begann schließlich die Kunstfertigkeit und Schönheit der Altertümer zu würdigen. In zahlreichen Berichten notierte und skizzierte alles, was er sah. Seine Vermutungen über die Entstehungsgeschichte der Kunstwerke und Bauten wurden zwar später zum Teil widerlegt, waren aber seiner Zeit, die weder Archäologie, noch Ägyptologie als Wissenschaft kannte, voraus.
Den 16. Oktober 1816 bezeichnet Giovanni Belzoni als den schönsten Tag seines Lebens. Im Tal der Könige war es ihm gelungen, den Eingang zu einem Königsgrab freizulegen. Insgesamt findet er sechs Königsgräber und sammelte eine große Anzahl von Kunstschätzen.
Bis September 1819 unternimmt Belzoni mit seinem Partner Henry Salt mehrfach Expeditionen zum Roten Meer und verschiedenen Oasen. Durch seinen technischen Sachverstand ist er längst unentbehrlich geworden. Geschickt umschifft der Unermüdliche alle bürokratischen Hindernisse, Intrigen und Fallstricke. Sogar einem Mordanschlag soll er entkommen sein.
Finanziell behält der Italiener den Überblick jedoch nicht und wird mehrfach von Henry Salt um Honorare betrogen.
Als der Belzoni 1820 nach London zurückkehrt ist er ein Star. Zeitungen hatten bereits von seinen Entdeckungen und Abenteuern berichtet. Die Veröffentlichung seiner Berichte und die Ausstellung der Fundstücke sind ein Riesenerfolg.
1822 bricht Belzoni, mittlerweile auch „Der große Reisende“ genannt, erneut nach Afrika auf. Seine Frau Sarah begleitet ihn bis Marokko, Giovanni zieht es weiter in Richtung Äquatorialafrika. In Benin erkrankt er jedoch an der Ruhr und stirbt am 3. Dezember 1823 im Alter von 45 Jahren.
Lange wurde der wagemutige Italiener von der Wissenschaft als trickreicher Amateur abgetan. Nicht zuletzt waren es aber seine zahlreichen Aufzeichnungen, Reisetagebücher, Skizzen und Gipsabdrücke, die zur Entzifferung der Hieroglyphen beigetragen haben.
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