Johanna von Orléans
1412 - 1431
Im Alter von 13 Jahren hatte Jeanne, die Tochter einer bäuerlichen Familie in Lothringen, ihre ersten Visionen. Heilige erschienen ihr und beauftragten sie mit der Befreiung Frankreichs von den Engländern, um so dem französischen Dauphin (Karl VII.) zur Krönung zu verhelfen.
Nachdem sich die Erscheinungen wiederholten, brach Jeanne 1428 in Begleitung des Stadtkommandanten Robert de Baudricourt nach Chinon auf, wo sie von Karl nach anfänglichem Zögern empfangen wurde. Den Erzählungen nach überzeugte sie ihn mit Details aus ihren Visionen, so dass Karl ihr nach weiteren intensiven Befragungen durch Geistliche die Erlaubnis erteilte, sich in Männerkleidung mit einem kleinen Gefolge dem französischen Heer anzuschließen. Motiviert durch Jeannes Popularität und ihren Einfluss gelang dem Heer die Wiedereroberung der Stadt Orléans, die zur entscheidenden Wendung des Krieges gegen die Engländer führte.
Rasch verbreitete sich Jeannes Ruf als von Gott gesandte Kämpferin und Prophetin, überall wo sie hinkam wurde sie begeistert begrüßt. Nach dem glänzenden Sieg bei Patay kam es am 17.7.1429 zur Krönung Karls in der Kathedrale von Reims, an der Jeanne mit der Siegesfahne in der Hand teilnahm. In den folgenden Kämpfen hatte Jeanne weniger Erfolg, am 23.5.1430 geriet sie in die Gefangenschaft der Burgunder, die mit den Engländern verbündet waren. Sie wurde an die Engländer verkauft, die sie der Inquisition auslieferten. Unter der Anklage von insgesamt 70 schweren Sünden, darunter Hexerei, falsche Prophetie, Blasphemie und das Tragen von Männerkleidung, wurde sie im Dezember in Rouen vor Gericht gestellt. Trotz ihrer erstaunlichen rhetorischen Fähigkeiten ließ sie sich in den Befragungen in Widersprüche verwickeln. Angesichts der drohenden Todesstrafe und der Folter gestand Jeanne im Mai 1431, woraufhin sie exkommuniziert und als Zauberin und Ketzern zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Politisch war dieses Urteil für die Engländer unbefriedigend, wollten sie doch Karl VII. als Befürworter eine Ketzerin diskreditieren und so politisch entmachten. Bereits nach vier Tagen wurde Jeanne, die das erpresste Geständnis inzwischen widerrufen hatte, mit der Anschuldigung erneut Männerkleidung getragenen zu haben, erneut der Prozess wegen Rückfälligkeit gemacht. Sie wurde einem weltlichen Gericht ausgeliefert und am 30. Mai 1431 als notorisch rückfällige Ketzerin auf dem Marktplatz von Rouen verbrannt. Augenzeugen berichten, wie man nach ihren letzten Schreien „Jesus, Jesus“ ihre Seele in den Himmel aufsteigen sah.
Um einem Märtyrer- und Reliquiekult Vorschub zu leisten, verstreute man ihre Asche in der Seine.
Die Verurteilung Jeannes wurde 1456 kirchlich aufgehoben, sie selbst vollständig rehabilitiert. 1909 wurde „La Puchelle“ (die Jungfrau), wie sie sich selbst nannte, selig und 1920 von Benedikt XV. heilig gesprochen. Sie ist heute Frankreichs Nationalheilige.
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