Anna Laminit
um 1480 - 04.05.1518
Anna Laminit wurde um 1480 geboren und entstammte einer Augsburger Handwerkerfamilie. Ihre Mutter war wohl Barbara Laminit, eine unvermögende Frau, die außer Anna noch eine jüngere Tochter hatte, die um 1512 mit einem Sebastian Weiß verheiratet war. Sie wohnte in einem einstöckigen Haus, gegenüber Heilig-Kreuz, das einer Afra Kohler gehörte.
Über Annas Jugendzeit ist nicht viel bekannt. Als junges Mädchen mit etwa 15 oder 16 Jahren wurde sie „von Kubelns und anderer Bübereien wegen“ an den Pranger gestellt und mit Ruten aus der Stadt getrieben. Zu denjenigen, die ihre Gefälligkeiten als Kupplerin in Anspruch genommen hatten, gehörte auch Ulrich Rehlinger VI., den eine heimliche Leibschaft mit Ursula Gossenbrot verband, was den Heiratsplänen zuwiderlief, die Ursulas vermögender Vater Wilhelm Gossenbrot für seine Tochter hegte.
1497 kehrte Anna nach Augsburg zurück, möglicherweise begnadigt aufgrund von Fürbitten, vielleicht von Ulrich Rehlinger, der in dem Jahr Ursula Gossenbrot geehelicht hatte.
Eine Weile lebte sie als Seelschwester mit drei anderen Frauen im Seelhaus der Afra Hirn in der St. Annastraße, wobei unklar ist, wie es ihr gelang, Aufnahme in einem Haus für arme, ehrbare Frauenspersonen zu finden. Einzige Gegenleistung für freie Kost und Logis waren der Besuch der Gottesdienste, die für die Stifter gehalten wurden, die Pflege ihrer Grablegen und das Verteilen von Almosen in deren Namen.
Um diese Zeit wurde sie, vielleicht beeinflusst durch das Vorbild des Nikolaus von Flüe, zur Hungermärtyrerin. Angeblich nahm sie weder Speise noch Trank zu sich und ernährte sich einzig von der Hostie allsonntäglich in der heiligen Messe. So wurde sie bald als lebende Heilige verehrt. Ihr Ruf verbreitete sich rasch und selbst hochgestellte Persönlichkeiten wie Kaiser Maximilian I. und seine zweite Gattin Bianca Maria Sforza zählten zu ihren Bewunderern. Auch Martin Luther suchte sie im Jahr 1511 auf seiner Rückreise von Rom auf.
Annas Heiligkeit wurde zu einer einträglichen Sache, denn sie ließ sich Segen und Gebete reich belohnen und bald schon hatte sie ein Vermögen angehäuft, das sie durch Mittelsmänner gegen Zins verlieh. Im Jahr 1504 kaufte Barbara das Haus, in dem sie bis dahin zur Miete wohnte, und Anna verließ das Seelhaus, um zu ihrer Mutter zu ziehen.