Bernardino Drovetti
1776 - 1852
Bernardino Drovetti, heute vor allem bekannt als Kunstsammler und ägyptischer Prokonsul in Napoleons Diensten wurde 1776 in Barbarina, Italien als zweiter Sohn des Juristen Francesco Drovetti und seiner Frau Anna Vacca geboren. So ist es kein Wunder, dass er nach seiner Ausbildung am Collegio delle Provincie in Turin Jura studierte.
Drovettis Heimat Piemont-Sardinien war 1796 von Napoleon eingenommen worden und gehörte nun zu Frankreich. Nach seinem Studium trat Drovetti in die Armee ein, wo er schließlich bei den Piemonter Husaren, die in die französische Armee eingegliedert waren, als 1.Offizier diente. Bereits 1801, im Alter von nur 25 Jahren wurde Drovetti zum Kriegsminister und Stabschef der piemontesischen Division ernannt, kurze Zeit später zum Richter in Turin.
Im diplomatischen Dienst
1803 schickte ihn Napoleon als Kommissar für Auslandbeziehungen nach Ägypten, um gemeinsam mit seinem Vorgesetzten Matthieu de Lesseps die Lage zu beobachten. Bis zur französischen Eroberung 1798 hatte Ägypten unter der Vorherrschaft der Mamelukken gestanden, die sich nun nach Frankreichs Abzug 1799 mit den Osmanen um die Vorherrschaft stritten. Die Osmanen setzten Ali Pascha als Vizekönig ein. Drovetti galt als vorbildlicher und wohlmeinender Politiker mit strikten Prinzipien, der auch von seinen politischen Gegnern geschätzt wurde. Seine Bemühungen reichten vom Erziehungssystem über die Landwirtschaft bis hin zum Handel.
Reisender, Entdecker, Sammler und Schurke
Nachdem Drovetti seinen Posten 1815 abgegeben hatte, ging er seinen zweiten Passion nach: seine Sammlung ägyptischer Kunstschätze zu erweitern. Dem Entdecker und Sammler Drovetti wird kein besonders gutes Leumundszeugnis ausgestellt: Wenn es um Kunstschätze und Antiquitäten ging, war Drovetti jedes Mittel recht, um seine Gegner aus dem Feld zu räumen. Er stand unter dem Verdacht, nicht nur alle möglichen bürokratischen Hindernisse zu erfinden, sondern sogar die Kunstschätze der Rivalen zu zerstören. Zu seinen Rivalen zählte der berühmte Abenteurer und Entdecker Giovanni Belzoni
Einen Großteil der Ausgrabungen führte Drovetti in Theben durch, das zwischen ihm und Salt aufgeteilt war. Mit seinen Begleitern Jean Jaques Rifaud und dem französischen Mineralogen Frederic Cailliaud unternahm Drovetti ausgiebige Expeditionen bis ins nördliche Nubien und erforschte unter anderem den Tempel von Abu Simbel.
Drovettis Sammlung an Kunstschätzen, die sich aus gekauften und selbst gefundenen Stücken zusammensetzte war gewaltig. Obwohl sich der Italiener Drovetti Frankreich verpflichtet fühlte, verkaufte er seine Schätze an den Höchstbietenden. Ein Großteil seiner Sammlung ging schließlich an Piemont Sardinien und bildete den Grundstein für das Museum von Turin.
Bernardino Drovetti starb 1852 in Alexandria.
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