David Roberts
1796 - 1864
Der Schotte David Roberts gilt auch heute noch als einer der berühmtesten Vedutenmaler (Landschaften) des 19. Jahrhunderts. 1796 in Stockbridge bei Edinburgh geboren, wuchs er in großer, aber mit Würde getragener Armut auf. Angeregt durch die bildhaften Landschaftsschilderungen seiner Mutter, zeigte sich sein künstlerisches Talent sehr früh und er begann jede verfügbare Oberfläche zu bemalen. Dies wurde dem Schustersohn bereits im Alter von 7 Jahren zur willkommenen Einkommensquelle. Als Autodidakt verfeinerte er ständig seine Technik, die er vermutlich bei seinem Lehrmeister Gale Beugo erlernte, einem Dekorateur, bei dem sieben Jahre in die Lehre ging.
Roberts malte buchstäblich alles, was ihm in die Finger geriet, so ist auch aus seiner Lehrzeit eine schöne Anekdote überliefert: Roberts, von seinem Meister mit einem Geldschein zu einem Lieferanten geschickt, vertrieb sich die lange Wartezeit vor dessen Geschäft mit der Anfertigung einer genauen Kopie des Scheines. Der Schrecken der Mutter war zunächst groß, als sie die perfekte Kopie am nächsten Tag bei seinen Sachen fand. Fürchtete sie doch, einen Dieb herangezogen zu haben.
Der aufstrebende Künstler
Nach seiner ersten festen Anstellung in Perth kehrte Roberts 1816 nach Edinburgh zurück, um sich als Assistent eines Bühnenbildners bei einem Wanderzirkus zu verdingen. Durch die Berührung mit dem Theater, schrieb er später in sein Tagebuch, konnte seine Phantasie über die Grenzen Schottlands hinaus in ferne Länder schweifen. Inspiriert durch eine „Ali Baba und die vierzig Räuber“ Aufführung, nahmen die fernen Türme Bagdads und die exotischen Geheimnisse des Orients in seiner Phantasie Gestalt an. Vielleicht reifte schon damals der Wunsch, eines Tages selbst diese fremde Welt zu erkunden.
Als Roberts, mittlerweile Bühnenmaler beim Theatre Royal in Edinburgh, 1820 die Schauspielerin Margaret McLachlan heiratete, war er bereits zu einer lokalen Berühmtheit geworden. Die Ehe scheiterte nach kurzer Zeit, zur 1821 geborenen Tochter Christine hatte der Maler jedoch zeitlebens ein inniges Verhältnis.
1824 wurde sein erstes Ölgemälde, eine Detailansicht der Abtei von Dryburgh, ausgestellt. Mit dem Gemälde „Das Innere der Kathedrale zu Rouen“ wurde David Roberts erstmals weiten Kreisen bekannt, sogar in der „Times“ erschien eine Würdigung. Mittlerweile Präsident der Stiftung „Society of British Artists“, fand Roberts in den Folgejahren trotz seiner Anstellung als Bühnenbildner und der wachsenden Zahl von Privataufträgen immer wieder Zeit für Reisen durch Europa. Die Skizzen, die er von diesen Reisen mitbrachte, erschienen zum Teil als Illustrationen zu Reisebüchern und dienten ihm später als Vorlage für seine Gemälde. Seine Reisen führten ihn auch immer wieder durch die heimischen Gefilde, wo seine ausgiebigen Besichtigungen wichtiger Baudenkmäler nicht nur einige seiner berühmtesten Zeichnungen inspirierten, sondern auch eine bemerkenswerte Reihe von Kupferstichen hervorbrachte.
1830 kündigte Roberts, ermutigt durch den Erfolg seiner Bilder, schließlich seine Anstellung und konzentrierte sich ganz auf das Studium der Malerei. Angeregt durch seinen Freund David Wilkie, ebenfalls bekannter Maler, unternahm Roberts 1832 eine ausgiebige Reise durch Spanien, die ihn in nahezu alle wichtigen Städte führte. Sein besonderes Interesse galt der maurischen Kunst und dem spanisch-gotischen Stil, der sich durch reiche florale Ornamentik auszeichnete.
Die Bilder dieser Reise verkauften sich, herausgegeben unter dem Titel „Picturesque Sketches of Spain“ so gut, dass sie David Roberts wohl zu einem finanziell unabhängigen Mann gemacht hätten, wäre er nicht von seinem Verleger betrogen worden. So musste er neben dem Verkaufserlös alle seine Ersparnisse zusammenkratzen, um endlich seinen Traum wahrmachen zu können.
Das Buch zum Thema
Tanja Kinkel
Säulen der Ewigkeit
EUR (D)
9,99