Francesco Borromini
1599 - 1667
Francesco Borromini, geboren 1599 als Francesco Castelli in Bissone am Luganer See, revolutionierte und prägte mit seinem individuellen barocken Stil die Architektur seiner Zeit. Er befreit er die die ausgewogene Symmetrie der Renaissance aus ihrer Korsage und erfindet die „bewegte“ Architektur, die scheinbar alle statischen Probleme überwindet.
Vom „kleinen“ Steinmetz arbeitet sich Borromini mit Fleiß und Ehrgeiz zu einem der gefragtesten Architekten Roms hoch. Immer in verbissener Konkurrenz zu seinem Rivalen Gian Lorenzo Bernini, dessen erster Assistent er einst gewesen war. Im Gegensatz zu Bernini, der als Lebemann und Genussmensch geschildert wird, erscheint Borromini eher als verschlossener und humorloser Perfektionist.
Borromimi agiert und arbeitet als Autodidakt, immer seinem großen Vorbild Michelangelo nacheifernd. Auch die Antike inspiriert den Künstler, jedoch will er nicht einfach nacheifern, sondern Neues schaffen. Sein ehrgeiziges Credo „Wer anderen folgt, wird ihnen niemals voranschreiten“ zeigt dies deutlich.
Nachdem er seine ersten Lehrjahre als Steinmetz in Mailand verbracht hatte, zog Borromini 1614 weiter nach Rom, wo er zunächst unter seinem Onkel Carlo Maderno als Steinmetz im Petersdom arbeitete. Seine ersten Arbeiten sind die Cherubine an den großen Portalen von St. Peter. Nach Madernos Tod übernimmt Bernini die Bauleitung am Petersdom. Der Anteil Borrominis an der Gestaltung dessen ersten Auftrages, des bronzenen Baldachins über dem Altar, ist erheblich. Hier ergeben sich jedoch auch die ersten Streitigkeiten zwischen den beiden Architekten und späteren Erzfeinden. Da er sich von Bernini betrogen fühlt, kündigt Borromini sein Arbeitsverhältnis im Jahr 1633.
Zwei Sonnen am Architektur-Himmel der Ewigen Stadt
In den Folgejahren arbeitet Borromini selbständig als Architekt. Als Berninis Gönner, Papst Urban VIII. 1644 stirbt, verbessert sich Borrominis Auftragslage. Der neue Papst, Innozenz X. Pamphili ist ihm zugetan, und so kann Borromini seinen Rivalen Bernini aus der Position des führenden römischen Architekten verdrängen. Neben dem Bau des Palazzo Pamphili ist die Restauration der Lateranbasilika, der zweitgrößten Kirche Roms sicher sein wichtigstes päpstliches Projekt. Seine Arbeiten verschaffen Borromini Ruhm und Ehre, sogar der spanische König beauftragte ihn mit der Planung zur Vergrößerung seines Palastes.
1655 stirbt jedoch Papst Innozenz und die Arbeiten werden zunächst unter der Leitung seines Neffen Camillo Pamphili weitergeführt. Es kommt zu Unstimmigkeiten und Borromini wird noch vor Fertigstellung der Kirche entlassen.
Während Berninis Stern wieder am römischen Himmel erstrahlt, bekommt Borromini nur noch spärlich Aufträge. So widmete er sich verstärkt der Weiterführung und Vollendung bereits begonnener Aufträge.
Doch sein empfindlicher Stolz und sein Ego sind unrettbar verletzt. Borromini leidet zunehmend unter Depressionen und stürzt sich schließlich 1667 in sein eigenes Schwert. Francesco Borromini liegt in der Kirche San Giovanni dei Fiorentini im Grab seines Onkels Carlo Maderno begraben.
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