Sarah Belzoni
1783 - 1870
Sarah Belzoni, die Frau des berühmten Entdeckers und Abenteurers Giovanni Belzoni, gehört zu den historischen Frauengestalten, die nur über die Aktivitäten ihrer Ehemänner wahrgenommen werden. Weithin bekannt ist die Geschichte Giovanni Belzonis, des Ingenieurs und Artisten, der gemeinsam mit seiner Frau Sarah 1815 in den Orient reiste. Umfangreiche Publikationen Belzonis berichten von seinen archäologischen Entdeckungen und Abenteuern. Aber wer war die Frau an seiner Seite?
Über ihre Herkunft kann nur spekuliert werden, es wird vermutet, dass sie Engländerin war, da sie in ihren Aufzeichnungen ihren „englischen Magen“ erwähnt. Auch ihr Familienname ist unbekannt. Aus Giovannis Notizen wissen, wir, dass sie sich in London kennenlernten und dort 1803 heirateten. Danach zogen die Frischvermählten mit einem Wanderzirkus, in dem Giovanni als Artist arbeitete, durch Europa.
1815 brachen Giovanni und Sarah, begleitet von ihrem Diener James Curtain nach Ägypten auf, wo Giovanni zunächst als Ingenieur Arbeit fand und später mit seinem Partner Henry Salt Expeditionen und Ausgrabungen unternahm.
Sarah begleitete ihren Mann meist als Mamelucken Junge verkleidet, hin und wieder unternahm sie in dieser Verkleidung wohl auch Exkursionen auf eigene Faust. Ein Großteil der Zeit verbrachte sie jedoch in ihrer Wohnung in Kairo oder verschiedenen Lagern, während ihr Mann auf Schatzsuche ging. Als Giovanni einen Tempeleingang in Abu Simbel entdeckt, notiert sie in ihr Tagebuch: „Wäre ich dort gewesen, ich hätte eigenhändig geholfen, den Sand zu entfernen, so weit es meine Kraft erlaubt hätte, und ich hätte genauso viel Verdienst beansprucht.“ Diese Frustration ist in Zusammenhang mit der Tatsache zu verstehen, dass andere (männliche) Europäer die Erlaubnis bekommen hatten, ihren Mann bei seiner Ausgrabung zu begleiten.
Über Sarah Belzonis Persönlichkeit wissen wir wenig. Charles Dickens, ein Freund der Belzonis, beschrieb Sarah einmal als eine schöne, grazile junge Frau. Giovanni erwähnt seine Frau in seinen Aufzeichnungen kaum. Ihre eigenen Notizen, beispielsweise über ihre Methoden, wie sie sich die Zeit in einem Haus in Rosetta mit Eidechsen vertrieb, lassen auf einen charmant kindlichen Charakter schließen, der wohl eine attraktive Eigenschaft der jungen Frau war. Detailliert und spielerisch beschreibt sie die Eigenschaften der kleinen Tiere und auch die phantasievollen Methoden, mit denen sie die kleinen Echsen schließlich einfängt.
Die einzige Quelle, die die Aufmerksamkeit der Historiker weckte, ist ein von ihr geschriebenes Kapitel in den Aufzeichnungen ihres Mannes mit dem Titel „Frauen in Ägypten, Nubien und Syrien“.
Interessiert an den Sitten und Gebräuchen des exotischen Morgenlandes, pflegte Sarah Belzoni intensive Kontakte zu einheimischen Frauen. Mit einem minimalen arabischen Wortschatz verschaffte sie sich Zugang zum Privatleben der einheimischen Frauen, die ihrerseits ebenso interessiert an der Fremden waren.
Ein wichtiger Teil ihrer Aufzeichnungen beschäftigt sich mit ihrem Besuch im Heiligen Land, das sie 1818 bereiste und in Jerusalem an der Heiligen Woche teilnahm. Anschließend unternahm sie, begleitet von einem Führer, eine Reise auf Eselsrücken an den Jordan, das Tal von Jericho und Bethlehem. In ihrer männlichen Verkleidung hatte sie sogar Gelegenheit, den Tempelberg zu besteigen, konnte jedoch nur einen Blick auf die Felskuppe werfen.
1820 kehrten die Belzonis schließlich nach England zurück und Giovanni feierte mit einer Ausstellung seiner Fundstücke und Aufzeichnungen in London Riesenerfolge. Nach Giovannis Tod 1823 während einer Exkursion durch Benin in Afrika versuchte Sarah mit weiteren Ausstellungen an diesen Erfolg anzuknüpfen. Der blieb jedoch aus und Sarah stand ohne Einkommen nun völlig mittellos da. Freunde reichten eine Renten-Petition beim englischen Parlament ein, die sich auf die Verdienste Giovanni Belzonis berief, aber erst 1851 wurde Sarah eine Rente in Höhe von Tausend Pfund im Jahr bewilligt. Ihre letzen Lebensjahre verbrachte Sarah, die ihrem Mann um fast 50 Jahre überlebte, in Brüssel und auf den Kanalinseln. Im Alter von 87 Jahren starb sie schließlich in Jersey.
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