„Der letzte Harem“: Die Geschichte hinter der Geschichte
von Peter Prange
Man schreibt das Jahr 1909. In Konstantinopel, jener sagenumwobenen Stadt, wo Asien und Europa miteinander verschmelzen, herrscht Sultan Abdülhamid II., „der Schatten Gottes“ auf Erden – das letzte Rätsel des Orients.
In seinem Palast begegnen sich zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Fatima, eine Kurdin, und Elisa, eine Armenierin. In der streng bewachten Welt des Harems träumen sie von ihrer Zukunft. Während die schöne Fatima alles daransetzt, zur Favoritin des Sultans aufzusteigen, sehnt die rebellische Elisa sich nach einem selbst bestimmten Leben, nach Liebe und Freiheit.
Plötzlich aber bricht ihre Welt zusammen. Sultan Abdülhamid II. wird ins Exil verbannt und sein Harem aufgelöst. Im Palast bleiben Hunderte Frauen schutzlos zurück, auch Fatima und Elisa.
Auf sich allein gestellt, müssen die beiden lernen, sich in einer fremden Wirklichkeit zu behaupten, in einer Welt, in der alle Gesetze außer Kraft gesetzt scheinen. Und während das ganze Land in Flammen aufgeht, droht ausgerechnet die Liebe zu zwei Männern den einzigen Halt zu zerstören, der den Frauen geblieben ist: ihre Freundschaft.
Folgende historisch verbürgten Ereignisse sind mit dem Schicksal von Elisa und Fatima in der Handlung des Romans verwoben:
1876: Abdülhamid II. besteigt nach der Entmachtung seines Bruders Murat V. mit 34 Jahren den Thron; zu seinen Beratern zählen Politiker und Wissenschaftler ebenso wie Magier und Astrologen; die erste osmanische Verfassung von Großwesir Midhat Pascha tritt in Kraft.
1884: Midhat Pascha wird auf Geheiß Abdülhamids im Exil ermordet, sein abgeschlagenes Haupt dem Sultan als Beweis zugeschickt.
1890: Gründung der armenischen Geheimorganisation Daschnakzutjun in Tiflis.
1891-92: Letzte aktenkundliche Rekrutierungen von Sklavinnen für den Harem des Sultans, trotz offiziellem Verbot der Sklaverei seit 1856; aufkeimende jungtürkische Agitation; zunehmende Aktivitäten armenischer Revoluzzer.
1894: Armenier-Aufstand gegen kurdische Zolleintreiber in Sasun; Türkisch als Pflichtfach in Schulen für Nichtmuslime; Eliminierung des Wortes „Armenien“ aus Zeitungen, Büchern und Schulbüchern; Gründung der „Osmanischen Gesellschaft für Einheit und Fortschritt“, aus der das „Komitee für Einheit und Fortschritt“ hervorgeht.
1895: Armenier-Aufstand von Zeytun; Armenier-Proteste in Konstantinopel; Bewaffnung von Kurden durch die Regierung; Armenier-Massaker in zahlreichen Provinzen; Frauenhandel in verwüsteten Dörfern und Städten; jungtürkische Proteste gegen Armenier-Pogrome.
1896: Besetzung der Osmanischen Bank in Konstantinopel durch armenische Terroristen.
1897: Bündnisbestrebungen zwischen armenischen und jungtürkischen Widerstandskämpfern.
1904: Attentat eines Offiziers auf Abdülhamid im Theater des Yildiz-Serails.
1905: Armenisches Attentat auf Abdülhamid beim Verlassen der Moschee.
1908: 23./24. Juli: Wiedereinsetzung der Verfassung; Entmachtung und Verurteilung des Hofastrologen; 17. Dezember: förmliche Abdankung Adülhamids als unumschränkter Autokrat.
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