Al-Andalus und seine Menschen – mit einem kurzen Blick auf Kastilien
von Lea Korte
Nachdem die Mauren ab 711 die Westgoten von der Iberischen Halbinsel vertrieben hatten, gründeten sie dort ihr ebenso sagenumwobenes wie märchenhaftes „Al-Andalus“. In diesem Artikel möchte ich Sie gern mit den verschiedenen Bevölkerungsgruppen bekannt machen, die dieses „Al-Andalus“ bevölkerten.
Al-Andalus
Wer waren die Mauren?
Das Wort Mauren leitet sich von der römischen Provinz Mauretanien und dem Königreich Mauretanien ab - und ist nicht mit dem heutigen Staat Mauretanien zu verwechseln. Mauretanien war ein antikes Königreich der Berber im Nordwesten von Afrika: Es zog sich über den Nordwesten des heutigen Algeriens, berührte den Norden Marokkos und die „Plazas de Soberanía“, die heute zu Spanien gehören.
Maure kommt aus dem Griechischen „mauros“ oder „amauros“ und heißt so viel wie dunkel oder dunkelhäutig.
Der Begriff Maure fasst all jene nordafrikanischen Berberstämme zusammen, die im siebten Jahrhundert von den Arabern islamisiert wurden und ihre Kämpfe gegen die Westgoten, die damals auf der Iberischen Halbinsel regiert haben, unterstützten.
Aus diesen Mauren gingen so große Familien wie die Abencerragen hervor, die im achten Jahrhundert nach Spanien kamen und lange über das maurische Königreich Al-Andalus herrschten. Eines der bekanntesten Gebäude aus der Maurenzeit in Spanien ist die Alhambra in Granada.
Andere soziale Gruppen in Al-Andalus:
Die Mozaraber
Als Mozaraber wurden die Christen bezeichnet, die unter der muslimischen Herrschaft in Al-Andalus lebten, sich den arabischen Sitten unterordneten, ihre Lebensformen übernahmen, Arabisch lernten und auch sonst mit den Muslimen zusammenarbeiteten – aber an ihrem eigenen Glauben festhielten. Sie bildeten gerade am Anfang der Eroberung naturgemäß die größte Bevölkerungsgruppe. Die eigentliche Bedeutung des Wortes Mozaraber leitet sich von dem arabischen „musta’rib“ ab, was übersetzt so viel bedeutet wie: einer, der behauptet, ein Araber zu sein, es aber nicht ist. Außerdem wurden sie auch mit dem Begriff „ahl al-dhimma“ (Menschen unter Schutz) bezeichnet. Wie in meinem Artikel über die Geschichte der Juden in Spanien schon erwähnt(auch er findet sich hier), haben sich die Mauren gegenüber den Christen und den Juden in den eroberten Gebieten tolerant gezeigt. In der islamischen Rechtssprechung gibt es den Begriff „dhimmi“. Daraus leitet sich ab, dass diejenigen, die ihre heiligen Bücher bereits in der vorislamischen Zeit besessen haben (also vor 610 n. Chr.), wie die Christen mit dem Evangelium und die Juden mit der Tora, „Schriftbesitzer“ sind und nach ihrer Unterwerfung unter islamischem Schutz stehen.
Aber nun zurück zu den Mozarabern. Sie lebten in der Tat mit den Muslimen relativ einvernehmlich zusammen. Die Basis ihres Miteinanders waren gemeinsame Rechte und Pflichten, die zwar von der islamischen Herrschaft aufgestellt wurden, aber für beide Glaubensgemeinschaften bindend waren. Für die Christen bedeutete dies u.a., dass sie eine Sondersteuer zahlen mussten.
Bleibt noch zu ergänzen, dass die Zahl der konvertierten Christen während des 10. und 11. Jahrhunderts beständig anstieg, so dass es bis zum 14. Jahrhundert in Al-Andalus kaum noch Christen gab. Einer der Gründe für die Konversion war, dass es dort kaum noch christliche Kirchenoberhäupter gab, so dass sich die Christen zunehmend dem neuen Glauben zuwandten.
Die Muladíes
„Muladíes“ kommt von dem arabischen Wort „muwallad“ und bezeichnet einen Menschen mit Eltern „unterschiedlicher Herkunft“. Dieser Begriff wurde vor allem angewandt für die Nachkommen eines arabischen Vaters und einer nicht-arabischen Mutter, die in einem arabisch-islamischen Kulturkreis großgeworden sind, aber auch die „Conversos“, Menschen also, die zum islamischen Glauben übertraten, wurden so genannt.
Schon im achten und neunten Jahrhundert konvertierten viele Christen zum Islam, und im zehnten Jahrhundert nahm ihre Zahl noch zu, so dass sie am Ende dieses Jahrhundert die größte Bevölkerungsgruppe in Al-Andalus darstellten.
Ein Grund für die zahlreichen Konversionen (Glaubensübertritte) war der Mangel an Priestern. Außerdem gilt ein in einem muslimischen Staat geborenes Kind, das nicht ausdrücklich als christlich oder jüdisch ausgewiesen wird, nach muslimischem Recht automatisch als Muslime. Auch hierbei spielte der Mangel an Priestern eine Rolle, denn ohne Priester konnte ein Kind nicht in die christliche Glaubensgemeinschaft aufgenommen werden.
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Lea Korte
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