Die vergessene Schlacht um Mitteldeutschland. Oder: Darf man sich einem König widersetzen?
von Sabine Ebert
Warum schreiben Sie nicht erst die Hebammen-Geschichte zu Ende? Wir wollen mehr von Marthe und ihren Freunden lesen!, bekam ich in den letzten Monaten oft von Lesern zu hören, als sich herumsprach, dass nun erst einmal ein Roman mit einer anderen Geschichte von mir erscheinen wird, mein erstes Hardcover.
Doch ich möchte die Marthe-Fans beruhigen: Für Blut und Silber habe ich mir einen Stoff aus der deutschen Geschichte gewählt, über den noch wenig bekannt ist, aber dessen Dramatik und historische Tragweite mich bei den Recherchen und natürlich auch beim Schreiben in Atem gehalten haben. Und ich hoffe, dass es den Interessenten beim Lesen genau so gehen wird.
Diese Geschichte spielt reichlich einhundert Jahre nach Freibergs Stadtwerdung, und wieder ist die Silberstadt Ausgangspunkt dramatischer Entwicklungen. Doch die Ereignisse führen die Protagonisten unter anderem auch nach Altenburg, Leipzig, auf die Wartburg, nach Nürnberg und ins mittelalterliche Prag.
Es beginnt im Winter des Jahres 1296, als König Adolf von Nassau eine gewaltige Streitmacht gegen Freiberg führt, um die reiche Silberstadt in die Knie zu zwingen. Unter den Bürgern entbrennt ein heftiger Streit: Dürfen sie sich ihrem König widersetzen? Oder sollen sie die gewalttätigen Horden einlassen?
Zu denen, die den Verteidigern Freibergs helfen, gehört auch Änne, eine Nachfahrin von Marthe und Christian, die jedoch ein ganz anderes Leben führt als einst Marthe. Entsetzt muss sie miterleben, wie Freiberg blutig erobert wird – durch Verrat. Unter großen Opfern schaffen es die Verteidiger Freibergs, die Burg der Stadt als letzte Bastion zu halten. Doch nach einundzwanzig Tagen bleibt den Verteidigern nur, sich der Übermacht zu ergeben.
Damit nicht noch mehr Menschen sterben, verzichtet der Meißner Markgraf Friedrich von Wettin auf Besitz und Titel und geht ins Exil. Doch schon beginnt eine Verschwörung der deutschen Fürsten, um Adolf von Nassau zu stürzen und Albrecht von Habsburg auf den Thron zu bringen.
In einer großen Schlacht bei Lucka nahe Leipzig im Mai 1307 entscheidet sich nicht nur das Schicksal Freibergs und des Hauses Wettin, sondern auch, ob das künftige Deutschland eine Zentralgewalt wird oder Partikularstaat bleibt.
Fast der gesamte Verlauf der Handlung folgt - soweit sie heute bekannt sind - den tatsächlichen Eeignissen. Überlieferungen aus alten Chroniken dazu lassen manches heute Straßenzug für Straßenzug nachvollziehen. Es wird viel gekämpft in diesem Buch, aber natürlich wird auch geliebt. Doch es sind schwere Zeiten für Liebende ...
Die Zusammenhänge um das geplante riesige Königsland in Mitteldeutschland, um das es eigentlich geht, sind kaum bekannt, obwohl dies ein Wendepunkt für das künftige Deutschland hätte sein können.
Die Recherchen für Blut und Silber waren deshalb besonders aufwendig und kompliziert. Es war wie ein riesiges Geschichtspuzzle. Liegen zum heutigen Sachsen für die Zeit um 1200 kaum Quellen vor, so sieht das einhundert Jahre später ganz anders aus. Doch die Überlieferungen sind lückenhaft und nicht selten widersprüchlich.
Die ausführlichste Abhandlung dazu stammt aus dem Jahr 1870. Umfassende jüngere Arbeiten zum Thema gibt es nur wenige, abgesehen von einem vierzigseitigen Aufsatz von Dr. André Thieme vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde der Universität Dresden, der mir in vielen Fragen sachkundiger Berater war.
Das Buch zum Thema
Sabine Ebert
Blut und Silber
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