Kelten und Germanen - Der historische und archäologische Hintergrund von „Die Druidin“
von Birgit Jaeckel
"Süddeutschland, um 120 vor Christus:
Die keltische Zivilisation ist an ihrem Höhepunkt: Gewaltige Befestigungsanlagen überziehen das Land. Die Macht liegt in den Händen von Druiden und einer kleinen herrschenden Schicht. Immer wieder kommt es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Stämmen, doch die größte Bedrohung erwächst im Norden: Hier rüsten germanische Stämme – Kimbern und Teutonen – für ihren Sturm über Europa."
In den Wirren dieser Zeit gerät Talia, eine junge Keltin, in einen Mahlstrom aus Intrigen und Verrat zwischen Druiden und keltischen Stammesfürsten. Ihre einzige Waffe ist die Gabe, Seelen zu sehen, doch diese Macht ist zweischneidig, denn sie bringt ihr die Furcht und Missgunst der Druiden ein. Verfolgt von einem machtgierigen Druiden flieht Talia nach Alte-Stadt zu ihrem Vater, den sie jedoch hasst und verabscheut wie keinen zweiten Menschen. Denn Caran hatte einst befohlen, sie töten zu lassen ...
Auf germanischem Boden herrschen Überbevölkerung und Landnot. Die Kimbern verlassen ihre angestammten Gebiete um 120 vor Christus und ziehen entlang der großen Flüsse nach Süden. Die Boier – ein keltischer Stamm im heutigen Böhmen – wehren die Flut aus dem Norden ab. Der antiken Überlieferung nach gelangen die Kimbern in den folgenden Jahren bis in den südosteuropäischen Raum. Im Jahre 113 vor Christus besiegen sie in der Schlacht von Noreia römische Truppen. Plünderungen begleiten die gewaltige Menschenmenge danach auf ihrem Weg nach Westen - nach Süddeutschland und in das Einflussgebiet der keltischen Vindeliker.
Die keltische Welt, die sich einst vom Atlantik bis Ungarn erstreckte, stellt sich heute als ein uneinheitlicher Komplex verschiedenster Stämme und Stammesverbände dar. Beherrscht wurden sie von Fürsten und Druiden – keltischen Gelehrten, die Priester, Ärzte, Philosophen, Astronomen und Rechtsprecher zugleich waren. Die Druiden kannten die Geheimnisse der Natur, der Sterne und der Seele. Der von antiken Autoren überlieferte Glaube an die Seelenwanderung bildete die Grundlage für Talias Gabe im Roman, Seelen sehen zu können.
Die Druidin ist mehr ein archäologischer Roman denn ein historischer. Schriftliche Quellen – römische und griechische – von der Zeit des Kimbernzuges existieren zwar, beschäftigen sich aber kaum mit dem deutschen Raum und den dort lebenden Stämmen der Kelten und Germanen. Selbst der Begriff „Germanen“, der in seinem heutigen Sinne auf Cäsar zurückgeht, wurde damals noch nicht verwendet, daher wird im Roman neutral vom „Nordvolk“ gesprochen. Die Kelten selbst hinterließen – obwohl auf dem Weg zur Hochkultur – leider keine schriftlichen Zeugnisse. Wollen wir etwas über das Leben der damaligen Menschen erfahren, sind wir deshalb zum größten Teil auf archäologische Quellen angewiesen – also auf das, was sich an materieller Kultur im Boden erhalten hat.
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