Fragebogen: 12 Fragen an Carla Federico
Carla Federico im Mai 2010
Was ist Ihre liebste Romanfigur und was verkörpert sie für Sie?
Carla Federico: In meinem Roman „Im Land der Feuerblume“ ist Juliane Eiderstett, genannt Jule, meine Lieblingsfigur – eine ungemein schroffe und selbstbewusste, freiheitsliebende und emanzipierte Frau. Mit ihr wollte ich meiner Urgroßmutter ein Denkmal setzen, die sich trotz ärmlicher Lebensbedingungen und vieler Widrigkeiten ein gewisses Maß an Selbstbestimmung und –verwirklichung erkämpft hat. Aufgrund der Schonungslosigkeit, mit der sie anderen Menschen ihre Fehler und Schwächen vorhält, ist Jule nicht immer sympathisch – aber dennoch ein starker Charakter. Und mit ihrer nüchternen, schnodderigen Art setzt sie einen oft wohltuenden, weil amüsanten Kontrapunkt zur Melodramatik und Tragik der Liebesgeschichte.
Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus? Womit verbringen Sie gerne Ihre Zeit?
Carla Federico: Ein perfekter Tag ist für mich einer, an dem mich möglichst wenig Termine „fremdbestimmen“, an dem ich also nicht durchs Leben hetze, sondern genügend Muße zum Schreiben, Denken, Lesen etc. finde.
Wie würden Sie sich mit drei Worten beschreiben?
Carla Federico: Individualistisch, neugierig, facettenreich.
Was würden Sie in der Welt verändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Carla Federico: Ich würde weltweit echte Gleichberechtigung von Frauen durchsetzen und zwar was sämtliche Aspekte des Lebens und der Gesellschaft betrifft.
Ihr schlimmster Albtraum?
Carla Federico: Dass das, was ich schreibe, keiner mehr lesen will.
Was macht den Reiz beim Schreiben aus? Was möchten Sie Ihren Lesern mitgeben?
Carla Federico: Ich erzähle wahnsinnig gerne Geschichten – spannende, ereignisreiche und berührende Geschichten. Ich möchte meinen Leser packen, ihn unterhalten und ihn ein wenig in eine andere Welt entführen. Wenn es mir darüber hinaus gelingt, den Blick aufs Leben, auf den Menschen und auf diverse Wertigkeiten etwas zu verschieben – dann habe ich mein Ziel vollends erreicht.
Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Buch beginnen und dafür recherchieren?
Carla Federico: Ich gehe stets mit mehreren Romanstoffen gleichzeitig „schwanger“, denke mir also ständig Geschichten aus: beim Zähneputzen, beim Warten auf die S-Bahn, beim Einkaufen usw. Und irgendwann ist solch ein Stoff dann so weit gediehen, dass ich mich entscheide, einen Roman daraus zu machen. Dann beginne ich mit der Recherche, was zum einen bedeutet, viele Bücher zu wälzen und manche Tage in der Bibliothek zu verbringen, zum anderen aber auch, Originalschauplätze zu besuchen und mich von dortigen Gegebenheiten, dem „Genius loci“ inspirieren zu lassen. Mehr und mehr entsteht in dieser Zeit auch der Plot – und sobald die Recherchen abgeschlossen sind und die Struktur steht, beginn ich mit dem Schreiben.
Was tun Sie bei einer Schreibblockade? Oder kennen Sie dieses Problem gar nicht?
Carla Federico: Es gibt Tage, da es nicht ganz so rund läuft, da ich länger für einen Textabschnitt brauche als sonst. Und es gibt natürlich kniffelige Szenen, mit denen ich regelrecht zu kämpfen habe. Aber eine totale Schreibblockade hatte ich noch nie; dieses Problem ist mir – Gott sei Dank - fremd.
Worüber können Sie sich so richtig freuen?
Carla Federico: Über das positive Feedback eines Lesers, bei dem ich das Gefühl habe, er hat die Geschichte ähnlich erlebt/erfühlt wie ich. Und – so banal es klingen mag - über jeden neuen Verlagsvertrag.
Welcher Autor hat Sie maßgeblich beeinflusst?
Carla Federico: Ich habe nicht das eine große literarische Vorbild, deswegen lässt sich diese Frage schwer beantworten. Es gab viele Bücher, die mich inspiriert und emotional sehr aufgewühlt haben, und natürlich ebenso viele, von denen ich lernen konnte (z.B. was Charakterführung, Dramaturgie etc. anbelangt) Aber was mein eigenes Schreiben anbelangt, habe ich immer versucht, meinen eigenen, individuellen Weg zu gehen.
Sind historische Romane geeignet Bildung zu vermitteln? Haben Autoren hier eine besondere Verantwortung?
Carla Federico: Neben dem Hauptzweck, den Leser zu unterhalten und zu fesseln, haben historische Romane für mich auch die Funktion, Informationen über eine vergangene Epoche zu vermitteln (sei es bezüglich des Alltagslebens oder der politischen „Eckdaten“). Es geht also durchaus auch darum, den Leser zu bilden. Mit diesem Anspruch darf man es m.E. aber nicht übertreiben. Trotz allem ehrlichen Interesse erwartet sich der Leser – zurecht – einen Roman, keine Habilitation.
Ein möglichst authentischer Blick auf eine vergangene Zeit dient m.E. auch dem Zweck, unser eigenes Leben und unsere Gesellschaft ein wenig zu relativieren, die Dinge unseres Alltags nicht so absolut setzen, unseren Horizont also zu erweitern. Der Blick auf den oft archaisch anmutenden Überlebenskampf, den Menschen früherer Epochen zu führen hatten, sollte uns Mitglieder einer Wohlstandsgesellschaft, in der uns das „tägliche Brot“ relativ sorglos in den Schoß fällt, dankbar und demütig machen – und zugleich anspornen, unsere Ressourcen und Stärken nicht brach liegen zu lassen.
Welche historische Person würden Sie gerne einmal persönlich treffen?
Carla Federico: Anstelle von historischen Persönlichkeiten würde ich lieber den einen oder anderen meiner Vorfahren treffen, die ich nie kennen lernen konnte.
Noch wichtiger als berühmten Personen der Geschichte zu begegnen wäre mir überdies, bei zentralen Ereignissen der Weltgeschichte dabei sein könnte, um zu erfahren, wie es sich nun wirklich abgespielt hat. Generell würde ich für Recherchezwecke gerne eine Zeitmaschine nutzen, um einige Stunden am Ort und in der Zeit meines Romangeschehens verbringen zu können.
Carla Federico im Mai 2010
« Zurück | Seite 1 | Weiter »
Bücher von Carla Federico
Carla Federico
Im Land der Feuerblume
EUR (D)
9,99