Fragebogen: 12 Fragen an Kari Köster-Lösche
Kari Köster-Lösche im Juli 2007
Was ist Ihre liebste Romanfigur und was verkörpert sie für Sie?
Kari Köster-Lösche: (Ich nehme an, dass meine eigenen Romanfiguren gemeint sind.) Die Hakima. Sie steht für Wissbegier und Unerschrockenheit (Zivilcourage): beides Eigenschaften, die für den Fortschritt in der Welt, für die Zivilisierung notwendig waren und sind.
Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus? Womit verbringen Sie gerne Ihre Zeit?
Kari Köster-Lösche: Mit Schreiben. Nach Feierabend: Sofern ich mich auf der Hallig Langeness befinde, mit dem Bergen von Lesefunden aus dem Hochmittelalter im Watt; mit dem Katalogisieren und Zeichnen der Funde (incl. dem Weiterreichen der Ergebnisse an das archäologische Landesamt/Schleswig). Auf dem Festland im Garten.
Was würden Sie in der Welt verändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Kari Köster-Lösche: Die Politiker. Ich würde unverzüglich diejenigen aus dem Amt entfernen, die es an Uneigennützigkeit fehlen lassen (also fast alle).
Ihr schlimmster Albtraum?
Kari Köster-Lösche: Fehlende Freiheit des Denkens. Wir sind auf dem Weg dorthin.
Was macht den Reiz beim Schreiben aus? Was möchten Sie Ihren Lesern mitgeben?
Kari Köster-Lösche: Ich kann zwischen den Zeilen eines spannenden Buches Wissen vermitteln, das den meisten Menschen sonst unbekannt bliebe, was aber m.E. wichtig zu wissen ist.
Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Buch beginnen und dafür recherchieren?
Kari Köster-Lösche: Für ein neues Buch recherchiere ich schon jahrelang vor Schreibbeginn. Ein Beispiel: Wenn ich auf Malta für einen Roman über die Johanniter recherchiere (Mittelalter/frühe Neuzeit), erfasse ich bei der gleichen Reise auch Informationen über alles, was mit der Megalith-Kultur zu tun hat. Da ich in der gleichen Weise bei allen Recherchereisen vorgehe, habe ich auf der Basis meiner ausführlichen Reisetagebücher ein solides Fundament, um daraus irgendwann eine Buchidee zu entwickeln. Für die Umsetzung dieser Idee - um spezielle Fragen zu klären - reise ich dann wieder. Mein Mann assistiert – er fotografiert, ich zeichne. Mitunter übersetzt mein Mann Spezialliteratur für mich (z.B. Toledo im 12./13. Jhdt. aus dem Spanischen).
Was tun Sie bei einer Schreibblockade? Oder kennen Sie dieses Problem gar nicht?
Kari Köster-Lösche: Nein, Schreibblockaden kenne ich nicht. Ich arbeite mit der Disziplin einer Wissenschaftlerin (als Wissenschaftlerin habe ich mein Berufsleben begonnen).
Worüber können Sie sich so richtig freuen?
Kari Köster-Lösche: Im Buch: Über eine gelungene Passage (was nicht bedeutet, dass der Leser dies merkt). Über einen schönen Fund im Watt. Über eine gelungene Zeichnung/Aquarell.
Welcher Autor hat Sie maßgeblich beeinflusst?
Kari Köster-Lösche: Ich glaube, eine Beeinflussung sollte man sich als Autor – wenn möglich – nicht gestatten. Eine Art Vorbild für mich ist dennoch Gisbert Haefs.
Sind historische Romane geeignet Bildung zu vermitteln? Haben Autoren hier eine besondere Verantwortung?
Kari Köster-Lösche: Sofern der Leser offen ist für die Kenntnisse, die er einem Roman entnehmen kann, ist der Roman durchaus geeignet, Bildung zu vermitteln. Das Problem dürfte sein, dass der Leser zwischen guter und schlechter Lektüre unterscheiden muss, damit er nicht das Falsche lernt. Es ist viel Schrott auf dem Markt. Zu meiner Beruhigung sind sich viele Leser jedoch dessen bewusst.
Welche historische Person würden Sie gerne einmal persönlich treffen?
Kari Köster-Lösche: Snorri Sturluson (13. Jahrhundert), den Überlieferer isländischer Götter- und Heldenlieder sowie eines Skalden-Lehrbuchs.
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