Fragebogen: 12 Fragen an Marie Cristen
Marie Cristen im Februar 2008
Was ist Ihre liebste Romanfigur und was verkörpert sie für Sie?
Marie Cristen: Francis Crawford von Lymond aus den Büchern von Dorothy Dunnett. Auch in diesem Fall habe ich es sehr bedauert, dass nicht alle Bücher dieser Serie ins Deutsche übersetzt wurden. Francis ist ein unerhört vielschichtiger Held mit wunderbaren Facetten und ungewöhnlichen Talenten, gleichzeitig aber sehr menschlich, humorvoll und rundherum gut gelungen. Ein Vorbild, an dem sich meine eigenen Helden messen lassen müssen.
Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus? Womit verbringen Sie gerne Ihre Zeit?
Marie Cristen: Schreiben, lesen, kochen, reisen, wandern, Rad fahren, relaxen, ins Theater gehen, Musik hören und mit guten Freunden zusammen sein. Ein perfekter Tag sollte die Möglichkeit bieten, mindestens drei dieser Dinge in aller Ruhe zu tun.
Wie würden Sie sich mit drei Worten beschreiben?
Marie Cristen: Phantasievoll – Neugierig - Ehrlich
Was würden Sie in der Welt verändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Marie Cristen: Ich würde Hunger, Kriege und Lügen abschaffen.
Ihr schlimmster Albtraum?
Marie Cristen: Krank sein und anderen zur Last fallen.
Was macht den Reiz beim Schreiben aus? Was möchten Sie Ihren Lesern mitgeben?
Marie Cristen: Schreiben bietet mir die unglaubliche Möglichkeit und das noch größere Vergnügen in andere Zeiten, andere Leben und andere Menschen abzutauchen. Ein Vergnügen, das ich mit meinen Lesern teilen möchte. Ich will nicht aufklären oder bilden, sondern unterhalten.
Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Buch beginnen und dafür recherchieren?
Marie Cristen: Es beginnt mit dem Ort, dann folgt die Zeit, danach die Person. Auf diesen drei Säulen kommt die Geschichte ins Laufen. So ist zum Beispiel der Impuls zu "Beginenfeuer", schon vor vielen Jahren von einem ersten Besuch in Brügge ausgelöst worden. An einem Novembertag, ohne Touristen, nur in Begleitung von meinem Mann und unserem Sohn, durch den menschenleeren Beginenhof in Brügge zu schlendern und die Stimmung aufzunehmen, hat schon damals zu dem Entschluss geführt: Darüber musst du mal schreiben!
Was tun Sie bei einer Schreibblockade? Oder kennen Sie dieses Problem gar nicht?
Marie Cristen: Ehe ich mein erstes Buch geschrieben habe, war ich Redakteurin bei Tageszeitungen, bei Jugendzeitschriften und Fan-Magazinen. Im Tagesgeschäft kann man sich keine Schreibblockaden leisten und wenn es wirklich mal nicht so gut läuft, dann muss man sich eben durchbeißen. Diese Disziplin ist mir geblieben. Aber es gibt natürlich Tage, an denen das Ergebnis nicht zufriedenstellend ist und schon vierundzwanzig Stunden später kräftig überarbeitet werden muss.
Worüber können Sie sich so richtig freuen?
Marie Cristen: Über unendlich viele Dinge: Einen Sonnentag, Blumen, ein gelungenes Essen, ein gutes Buch, einen überraschenden Telefonanruf, eine Neuigkeit… Von der Grundstimmung her bin ich positiv. Mein Glas ist immer halbvoll.
Welcher Autor hat Sie maßgeblich beeinflusst?
Marie Cristen: Es gibt viele Autoren, die ich persönlich schätze, aber ich versuche meinen eigenen Weg zu finden. Den (damals völlig utopischen) Wunsch, irgendwann historische Romane zu schreiben, hat mir allerdings mit 14 Jahren Anne Golon eingeimpft. Ihre Angélique-Bände – atemlos unter der Bettdecke gelesen – haben sich nahtlos mit meinem Geschichts-Interesse und meiner Vorliebe eigene Geschichten zu erzählen – getroffen.
Sind historische Romane geeignet Bildung zu vermitteln? Haben Autoren hier eine besondere Verantwortung?
Marie Cristen: Historische Romane wie ich sie schreibe, sind sicher keine Geschichtslehrbücher. Sie wollen unterhalten. Aber ich achte sehr bewusst darauf, dass alle historischen Fakten stimmen, dass keine Anachronismen vorkommen und vielleicht auch die eine oder andere Information im Rahmen der Handlung vermittelt wird, die für den Leser neu und überraschend ist.
Welche historische Person würden Sie gerne einmal persönlich treffen?
Marie Cristen: Madame Pompadour vielleicht, aber es fällt mir schwer eine bestimmte Person aus der Fülle interessanter Möglichkeiten herauszuheben.
Marie Cristen im Februar 2008
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