Fragebogen: 12 Fragen an Peter Prange
Peter Prange im Juli 2007
Was ist Ihre liebste Romanfigur und was verkörpert sie für Sie?
Peter Prange: Um es paradox auszudrücken: Zu einer literarischen Figur, die mich wirklich fasziniert, gehören immer zwei. Was wäre Don Quijote ohne Sancho Pansa, Faust ohne Mephisto, Don Camillo ohne Peppone? Es sind immer solche Zwillingspaare, die eine Geschichte besonders spannend machen. Weil sie die elementaren Grundspannungen des Lebens selbst verkörpern, zwischen Gut und Böse, Liebe und Hass, Glück und Leid. Und weil wir diese Spannungen alle in uns selber austragen, werden wir nie müde, mehr davon zu erfahren.
Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus? Womit verbringen Sie gerne Ihre Zeit?
Peter Prange: Leben ist wie Schreiben. Hier wie da ist die Exposition entscheidend. Also beginnt ein perfekter Tag mit einem Helden – möglichst mit mir selbst als Protagonisten – und einem starken Wunsch oder Ziel. Und dann passiert etwas völlig Unvorhergesehenes, das alle Pläne über den Haufen wirft. Wie in einem guten Roman.
Wie würden Sie sich mit drei Worten beschreiben?
Peter Prange: Schüchtern UND größenwahnsinnig.
Was würden Sie in der Welt verändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Peter Prange: Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Missstände gibt es ja mehr als genug: Von Hunger, Krankheit und Krieg bis zu schlechtem Wetter, Telefonschleifen und abstürzenden Computern. Doch ob ich berufen bin, hier einzugreifen? Was dabei heraus kommt, wenn ein Normalsterblicher die Sache in die Hand nimmt, hat Jim Carrey ja in „Bruce allmächtig“ vorgeführt. Ich glaube, da lasse ich doch lieber den Chef weiter wursteln. Und beschränke mich darauf, bei meinen Romanfiguren lieber Gott zu spielen.
Ihr schlimmster Albtraum?
Peter Prange: Dass mir nichts mehr einfällt. Aber pssst – vielleicht hören irgendwelche bösen Teufel ja gerade mit.
Was macht den Reiz beim Schreiben aus? Was möchten Sie Ihren Lesern mitgeben?
Peter Prange: Schreiben ist der schönste Beruf, den es gibt. Während ich scheinbar harmlos am Schreibtisch sitze, erlebe ich dramatische Abenteuer und leidenschaftliche Liebesaffären. Und selbst wenn ich in Gedanken die schlimmsten Verbrechen begehe, wenn ich lüge und morde und stehle, macht mir niemand einen Vorwurf. Im Gegenteil: Je schlimmer, desto besser! Ja, man gibt mir sogar noch Geld dafür. Einziger Nachteil: Seit ich Romane schreibe, ist mein Blutdruck so sehr gestiegen, dass ich ihn behandeln muss. Daran will ich meine Leser teilhaben lassen. Wenn es mir gelingt, auch ihren Blutdruck in die Höhe zu treiben, wäre der Sinn der Übung erfüllt.
Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Buch beginnen und dafür recherchieren?
Peter Prange: Der erste Einfall ist immer ein Geschenk, eine Augenblickseingebung. Anfang und Ende der Geschichte, der entscheidende Konflikt, die wichtigsten Figuren – alles ist plötzlich da, in einer Sekunde. Doch dann ist Pfingsten vorbei, und die Arbeit beginnt: die Ausgestaltung der Idee, die Zuspitzung der Ereignisse, die Recherche in den Archiven und vor Ort. Dabei erweist es sich immer wieder als Glücksfall, dass ich in Tübingen lebe, der Stadt, wo der Weltgeist zu Hause ist. Eine Frage kann noch so abwegig sein – hier gibt es immer einen Spezialisten, der sie beantworten kann.
Was tun Sie bei einer Schreibblockade? Oder kennen Sie dieses Problem gar nicht?
Peter Prange: Ich weiß, was ich tun sollte: Loslassen. Aber das schaffe ich fast nie. Beispiel: Beim Schreiben am Harems-Roman klemmte es über einen Monat lang. Ich habe kaum noch gegessen, kaum noch geschlafen, war ein einziges Nervenbündel. Meine Frau wanderte stundenlang mit mir ums Haus, mein Agent kam extra aus Rom angereist – nichts half. Ich verbohrte mich nur immer tiefer in mein Scheitern. Nach sechs Wochen schmiss ich die Brocken hin, wollte von dem ganzen Roman nichts mehr wissen. Und siehe da: Plötzlich platzte der Knoten, und in einer kreativen Ejakulation sprudelten in wenigen Stunden all die Ideen aus mir hervor, nach denen ich vorher so lange vergeblich gesucht hatte. Von da an war die Arbeit das reinste Vergnügen.
Worüber können Sie sich so richtig freuen?
Peter Prange: Wenn mir etwas wirklich gelungen ist. Eine Szene beim Schreiben. Eine Sauce beim Kochen. Eine Lektion beim Reiten. Ein Gespräch mit meiner Tochter. Ein Gelage mit einem Freund. Und dann gibt es noch ein paar Glücksaugenblicke, über die in der Öffentlichkeit zu reden mir meine Erziehung verbietet.
Welcher Autor hat Sie maßgeblich beeinflusst?
Peter Prange: Der heilige Geist. Bei aller Kritik, die man gegen diesen Autor vorbringen kann, hat er doch das nach wie vor großartigste Drama geschrieben, das sich nur denken lässt: das Leben selbst, mit seinem wunderbaren Auf und Ab. Seine Dramaturgie ist und bleibt für mich das Maß aller Dinge.
Sind historische Romane geeignet Bildung zu vermitteln? Haben Autoren hier eine besondere Verantwortung?
Peter Prange: Natürlich können historische Romane Bildung vermitteln, und sie tun es in der Regel ja auch. Aber ist das ihre Hauptaufgabe? Wie jeder Roman ist auch ein historischer Roman vor allem ein Spiel – ein Spiel mit der Wirklichkeit. Dabei ist grundsätzlich alles erlaubt, was das Strafgesetzbuch nicht verbietet. Damit der Leser dieses Spiel aber nachvollziehen kann, füge ich meinen Romanen stets einen Anhang mit den wichtigsten Daten und Fakten hinzu, die in der jeweiligen Geschichte zur Sprache kommen. Damit kann sich jeder leicht ein Bild machen, wo die historische Wahrheit aufhört und die Dichtung anfängt.
Welche historische Person würden Sie gerne einmal persönlich treffen?
Peter Prange: Auch wenn es alles andere als ein Vergnügen wäre: Josef Goebbels. Um zu erfahren, ob ich der Faszination dieses Dämons genauso erlegen wäre wie fatalerweise so viele Millionen anderer Menschen. Und wenn ich dann noch einen Wunsch frei hätte: Marilyn Monroe, als sie noch Norma Jean
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