Fragebogen: 12 Fragen an Ulf Schiewe
Ulf Schiewe im Oktober 2009
Was ist Ihre liebste Romanfigur und was verkörpert sie für Sie?
Ulf Schiewe: Gute Romanfiguren dürfen keine stereotypen „Pappkameraden“ sein, sondern richtige Menschen aus Fleisch und Blut, auch mit Pickeln im Gesicht. Darüber hinaus mag ich Protagonisten, die aus lebensbedrohlichen Krisen über sich hinauswachsen und irgendwie aus dem Loch krabbeln. Die Fähigkeit, solche oft unerwarteten, inneren Energien zu entwickeln, fasziniert mich.
Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus? Womit verbringen Sie gerne Ihre Zeit?
Ulf Schiewe: Ach Gott, jetzt wollen Sie bestimmt hören, der perfekte Tag ist, wenn ich das perfekte Kapitel beendet habe. Also ich schreibe gern, das ist keine Frage. Aber ich mag auch Anderes. Bei strahlendem Wetter einen Skihang hinuntergleiten, das ist wunderbar. Oder morgens um fünf bei aufgehender Sonne und gutem Segelwind in See stechen, was gibt es Schöneres? Nur noch, wenn die ganze Familie am Tisch versammelt ist, gut isst, Geschichten erzählt und viel lacht.
Wie würden Sie sich mit drei Worten beschreiben?
Ulf Schiewe: Neugierig. Mutig, Neues zu beginnen. Manchmal ein Besserwisser (leider).
Was würden Sie in der Welt verändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Ulf Schiewe: Früher wollte ich vieles verändern. Heute bin ich da ruhiger geworden. Aber ich wäre für noch mehr Toleranz unter den Menschen und mehr Bemühen, den anderen zu verstehen. Das beginnt im Kleinen zu Hause, bei uns im eigenen Land und endet zwischen Kulturen. Zuhören ist eine gute Eigenschaft. Das kann jeder üben. Ich auch.
Ihr schlimmster Albtraum?
Ulf Schiewe: Kein Internet! Hört sich blöd an. Aber das wäre, als hätte man mir beide Arme abgeschlagen. Ich hab schon Schwierigkeiten, den Urlaub offline zu verbringen. Man ist inzwischen so daran gewöhnt. Ich arbeite seit vielen Jahren in meinem Beruf mit dem Internet. Alles würde zusammenbrechen. Der ganze Firmenverkehr. Sollen wir etwa wieder Briefe auf der Schreibmaschine tippen?
Was macht den Reiz beim Schreiben aus? Was möchten Sie Ihren Lesern mitgeben?
Ulf Schiewe: Ich liebe gut geschriebene Abenteuergeschichten. Und das Schöne beim Schreiben ist, ich kann sie ganz intensiv ausleben. Muss sie nur selbst erfinden. Das macht Spaß. Und noch schöner ist, dass ich daran den Leser teilhaben lassen kann. Ich möchte ihn in eine andere Welt versetzen, die er atemlos und intensiv erlebt, er soll meine Figuren zu seiner Familie machen können, wenn möglich etwas dazu lernen und wenn ich es richtig gemacht habe, etwas für sich selbst mitnehmen, einen Gedanken, eine Einsicht, eine Horizonterweiterung. Mehr kann man sich nicht wünschen.
Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Buch beginnen und dafür recherchieren?
Ulf Schiewe: Jetzt bin gerade in meinem nächsten Projekt. Man kann mit einem Thema anfangen, einer Situation, aber hier war zuerst die Figur da. Eine wirkliche historische Persönlichkeit. Natürlich aus einer Zeit und Umfeld, die ich schon gut kenne. Im Leben dieser Person habe ich eine Passage gefunden, die eine gute Geschichte abgibt. Plötzlich bin ich eines Nachts um drei aufgewacht und hatte die Grundzüge des Plots im Kopf. Aufgestanden und auf einer Seite zusammengefasst. Weitere Details recherchiert, auch über andere involvierte geschichtliche Figuren. So entstand eine Personenliste, inklusive fiktiver Charakteren, dabei jede Figur akribisch schriftlich ausgearbeitet. Zum Schluss den Plot verfeinert und dramaturgisch durchgeplant. Es kommen weitere, vertiefte Recherchen hinzu über Ort, Umfeld, benötigte Themen, wie Handel, Rechtsprechung, Falkenjagd und Pferdezucht, was auch immer nötig ist. Gute Vorbereitung ist wichtig für mich. Na, und dann kann es losgehen.
Was tun Sie bei einer Schreibblockade? Oder kennen Sie dieses Problem gar nicht?
Ulf Schiewe: Nicht wirklich. Ich lass mich manchmal ablenken, oder trödel rum. Und dann muss man sich motivieren. Wenn ich einmal dabei bin, dann läuft es. Wie sagte jemand? Das Schwerste beim Schreiben ist das Anfangen. Der Rest ist easy.
Worüber können Sie sich so richtig freuen?
Ulf Schiewe: Ich freue mich über ein aufrichtiges Lob. Wer nicht?
Welcher Autor hat Sie maßgeblich beeinflusst?
Ulf Schiewe: Keiner und viele! Ich will mich gar nicht so sehr von einem bestimmten Autor beeinflusse lassen, denn ich möchte meine eigene Art entwickeln und nicht verfälschen. Andererseits profitiert man in so vielen kleinen Dingen von vielen Autoren. Von Guten ebenso wie von Schlechten. Von Letzteren lernt man, wie man es nicht machen soll. Die sind sogar leichter zu analysieren. Bei den Guten muss man richtig scharf nachdenken, um ihnen auf die Schliche zu kommen.
Ich schreibe Unterhaltung. Gute Unterhaltung, so hoffe ich doch. Insofern schau ich schon auf Autoren, die Ähnliches tun. Viele gute Angelsachsen darunter. Die können wirklich Geschichten erzählen.
Sind historische Romane geeignet Bildung zu vermitteln? Haben Autoren hier eine besondere Verantwortung?
Ulf Schiewe: Natürlich haben sie das. Ein historischer Roman ist kein Geschichtsbuch, aber die Fakten müssen stimmen und man lernt etwas. Das verlangt auch der Leser. Hat man das Thema gut rübergebracht, so animiert es, mehr zu erfahren und sich vielleicht noch ein Sachbuch zuzulegen. So ist es mir selbst mit guten historischen Romanen ergangen. Die haben mich angeregt, mehr zu forschen und schlussendlich auch zu schreiben.
Welche historische Person würden Sie gerne einmal persönlich treffen?
Ulf Schiewe: Ach, viele, denke ich. Cicero. Sulla. Aristoteles. Eleonore von Aquitanien. Elisabeth I. Leonardo da Vinci. Rembrandt. Francis Drake. Die Liste nimmt kein Ende.
« Zurück | Seite 1 | Weiter »
Das Buch
Ulf Schiewe
Der Bastard von Tolosa
EUR (D)
22,95