Fragebogen: 12 Fragen an Ursula Niehaus
Ursula Niehaus im Dezember 2008
Was ist Ihre liebste Romanfigur und was verkörpert sie für Sie?
Ursula Niehaus: Eugenie Desiree Clary – Die Tochter eines Seidenhändlers aus Marseille, die später die Geliebte von Napoleon und Königin von Schweden wurde. Erst als ich im vergangenen Sommer ganz überraschend in Stockholm vor ihrem Grabmal stand, fiel mir auf, dass das Buch „Desiree“ von Annemarie Selinko die erste historische Lebensgeschichte einer Frau war, die ich gelesen habe. Als Teenager hat mich diese Mischung aus Historie und Liebesgeschichte in ihren Bann gezogen, und nie hätte ich gedacht, dass ich knapp dreißig Jahre später selbst Bücher dieser Art schreibe. Ein seltsamer Zufall, dass auch Desiree mit Seide zu tun hatte – wenn auch nur indirekt.
Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus? Womit verbringen Sie gerne Ihre Zeit?
Ursula Niehaus: Morgens um 6:00 Uhr aufstehen, schreiben, bis 14:00 Uhr schon so viele Seiten geschafft zu haben, dass ich mit gutem Gewissen die Arbeit für den Tag beenden kann, ein Hundespaziergang durch die Weinberge oder am Rhein entlang bei traumhaften Wetter. Dann ein paar Stunden ungestört malen. Und wenn es noch besser kommen darf, kommt mein Mann an dem Tag früh nach Hause, wir kochen und essen zusammen oder treffen Freunde.
Wie würden Sie sich mit drei Worten beschreiben?
Ursula Niehaus: Lebensfroh, optimistisch, gutmütig
Was würden Sie in der Welt verändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Ursula Niehaus: Oh weh! Es liegt so Einiges im Argen! Vielleicht die Schlüsselpositionen der Welt mit verantwortungsbewussten und mitfühlenden Menschen besetzen – dann käme der Rest von selbst. Der Fisch stinkt nämlich immer vom Kopf, heißt es im Norden.
Ihr schlimmster Albtraum?
Ursula Niehaus: Dass mein Mann von einer Geschäftsreise nicht mehr heimkehrt, und die Fluggesellschaft sagt, es war technisches Versagen...
Was macht den Reiz beim Schreiben aus? Was möchten Sie Ihren Lesern mitgeben?
Ursula Niehaus: Dass ich in meinen Büchern vergangene Zeiten und Lebensweisen wieder zum Lesen erwecken darf. Ich möchte den Lesern vermitteln, dass Geschichte eine faszinierende Sache ist. Vieles in unserem heutigen Leben lässt sich nur erklären und verstehen, wenn man betrachtet, wie die Welt früher war und wo wir herkommen. Leider haben viele Menschen dem Geschichtsunterricht in der Schule nichts abgewinnen können und daher nie Zugang zur Geschichte gefunden. Ich glaube, dass man mit gut recherchierter und zugleich spannender Unterhaltung diese Kluft überwinden und Menschen für geschichtliche Themen begeistern kann.
Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Buch beginnen und dafür recherchieren?
Ursula Niehaus: Ich sammle alles Material, was über meine Heldin zu finden ist, über den Ort, an dem sie gelebt und gewirkt hat, ihre Familie, ihren Beruf - bei der Seidenweberin das Seidenhandwerk und die Zunft. Die Stadtarchive sind so unfassbare Fundgruben, meist finden sich viel mehr Informationen, als man überhaupt im Buch verwerten kann. So beispielsweise für die Seidenweberin. Nach dem Zeitpunkt, an dem das Buch endet, geschehen unglaubliche Dinge im Seidamt der Stadt Köln – Stoff genug, für einen weiteren Seidenweberin-Roman…
Die Recherche ist ein Teil meiner Arbeit, den ich besonders gerne mag, da ich ein neugieriger Mensch bin, und erst, wenn ich das Gefühl habe, genug über meine Heldin zu wissen, gehe ich daran, die Geschichte im Detail zu entwickeln.
Was tun Sie bei einer Schreibblockade? Oder kennen Sie dieses Problem gar nicht?
Ursula Niehaus: Erst schleiche ich einige Zeit missvergnügt und mit zunehmend schlechtem Gewissen um meinen Schreibtisch herum. Doch irgendwann gelingt es mir dann, mich dazu zu zwingen an die Arbeit zu gehen. Ich sage mir, dass ich ja schlimmstenfalls alles wieder löschen kann, was mir nicht gefällt. De facto habe ich dann meist nur die erste halbe Seite wieder löschen oder umschreiben müssen. Alles Weitere wurde dann flüssiger und von da an läuft es wieder.
Worüber können Sie sich so richtig freuen?
Ursula Niehaus: Wenn ein neues Buch von mir erscheint, wie jetzt das Heiligenspiel. Dann könnte ich wildfremden Menschen auf der Straße um den Hals fallen.
Welcher Autor hat Sie maßgeblich beeinflusst?
Ursula Niehaus: Schwer zu sagen. Ich habe Bücher von so vielen Autoren gelesen – als Teenager auch oft wahllos. Viele Historische Romane, auch mal ein Comic, wenig Krimis und Fantasy, fast keine Thriller. Ich bin sicher, es waren auch Groschenromane und Geisterjäger John Sinclair darunter, dann Wirtschaftsliteratur während des Studiums. Ich bin sicher, jedes einzelne von ihnen – gut oder schlecht – hat seine Spuren hinterlassen, sei es in Nachahmung oder in Abschreckung.
Sind historische Romane geeignet Bildung zu vermitteln? Haben Autoren hier eine besondere Verantwortung?
Ursula Niehaus: Ja! Ich glaube, die meisten Leser neigen dazu, historischen Romanen weit größeren Glauben zu schenken als anderen Romanen oder Krimis und gar nicht so wenige Menschen denken „da lerne ich wenigstens noch etwas dabei…“. Es ist eine gewisse Legitimierung, seine Zeit mit dem Lesen zu verbringen. Deshalb ist es in meinen Augen so wichtig, dass historische Romane sauber recherchiert sind. Ich halte es für verwerflich, dem Leser etwas „vorzulügen“, nur um besonders dramatische Effekte zu erzielen. Auch die Unsitte, eine schlichte Liebesgeschichte vor historische Kulisse zu stellen und dann als historischen Roman zu titulieren, finde ich mehr als fraglich.
Welche historische Person würden Sie gerne einmal persönlich treffen?
Ursula Niehaus: Jakob Fugger. Er führte zu seiner Zeit ein Wirtschaftsimperium, das an Macht und Umfang vergleichbar war mit einem Unternehmen, das entstehen würde, wenn man in heutiger Zeit die 100 größten Konzerne Deutschlands zusammenfassen würde – unvorstellbar! Dazu die Macht, die Weltpolitik zu beeinflussen …
Bücher von Ursula Niehaus
Ursula Niehaus
Die Seidenweberin
EUR (D)
6,00
Ursula Niehaus
Das Heiligenspiel
EUR (D)
9,99
Ursula Niehaus
Das Heiligenspiel
EUR (D)
9,99
Ursula Niehaus
Die Tochter der Seidenweberin
EUR (D)
14,99
Ursula Niehaus
Die Tochter der Seidenweberin
EUR (D)
16,99