Fragebogen: 12 Fragen an Wolf Serno
Wolf Serno im Januar 2008
Was ist Ihre liebste Romanfigur und was verkörpert sie für Sie?
Wolf Serno: Da halte ich es mit Georg Christoph Lichtenberg: Es ist Robinson Crusoe. Er machte in einer ausweglos erscheinenden Situation das Beste aus seinem Leben und wurde am Ende für seine Standhaftigkeit und Ausdauer belohnt: Er konnte nach England zurückkehren.
Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus? Womit verbringen Sie gerne Ihre Zeit?
Wolf Serno: Das ist für mich ein Sommertag in unserem dänischen Ferienhaus. Ich schwimme, lese, schreibe, tanke Sonne und mache mit meiner Frau und den Hunden lange Strandspaziergänge. Abends wird gemeinsam gekocht. Lieblingsgerichte: Fisch jeglicher Art und Lammkeule im Thymianbett.
Wie würden Sie sich mit drei Worten beschreiben?
Wolf Serno: Ich bin nett.
Was würden Sie in der Welt verändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Wolf Serno: Ich würde das fünfte Gebot durchsetzen.
Ihr schlimmster Albtraum?
Wolf Serno: Auf dem Oktoberfest drei Maß getrunken zu haben und kein freies Klo zu finden. Aber im Ernst: Mir fällt da neben den üblichen Antworten (Klimakatastrophe, Dritter Weltkrieg, Pandemien etc.) nichts Gescheites ein. Ansonsten träume ich recht gut.
Was macht den Reiz beim Schreiben aus? Was möchten Sie Ihren Lesern mitgeben?
Wolf Serno: Ich kann mich noch heute wie ein Schneekönig freuen: über jede gelungene Formulierung, jeden gelungenen Dialog und jede gelungene Figur. Am spannendsten ist für mich, wenn eine Figur im Laufe des Schreibens ein Eigenleben entwickelt, das den geplanten Handlungsstrang durchbricht. Dann frage ich mich: Darf die das, oder darf die das nicht? Und spiele ein bisschen lieber Gott und entscheide zugunsten des Unterhaltungswerts. Apropos: Der Unterhaltungswert ist für mich das wichtigste an einem Buch, denn ohne ihn ist der beste Stoff nur zähe Kost. Darüber hinaus sollen meine Leser immer auch etwas erfahren, das sie so noch nicht gewusst haben.
Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Buch beginnen und dafür recherchieren?
Wolf Serno: Es fängt an mit einer Idee. Plötzlich ist sie da und sitzt in meinem Hinterkopf. Vielleicht vergesse ich sie nach ein paar Tagen, dann taugt sie nichts. Bleibt sie aber, kommen wie von selbst weitere Ideen hinzu und verdichten sich zu einer groben Handlung. Die schreibe ich auf. Und spätestens jetzt beginne ich zu recherchieren, wobei ich meine Informationen von überall her beziehe: Literatur, Lexika, Atlanten, Internet, Magazine, Zeitungen, Dokumentationen, Reisen, Museumsbesuche, Expertengespräche … Meistens beginne ich schon zu schreiben, bevor diese Arbeit abgeschlossen ist. Weil es mir einfach zu stark in den Fingern kribbelt.
Was tun Sie bei einer Schreibblockade? Oder kennen Sie dieses Problem gar nicht?
Wolf Serno: Zum Glück kenne ich dieses Problem nicht. (Altes Training als Werbetexter.)
Worüber können Sie sich so richtig freuen?
Wolf Serno: Es ist eine leise Freude. Sie stellt sich ein am Wochenende bei klassischer Musik und einem Glas Rotwein – zusammen mit meiner Frau und unseren drei Möpsen. Wenn dann noch der HSV oder St. Pauli gewinnt, kann die Freude etwas lauter werden.
Welcher Autor hat Sie maßgeblich beeinflusst?
Wolf Serno: James A. Michener, Hans Hellmut Kirst, Ken Follett.
Sind historische Romane geeignet Bildung zu vermitteln? Haben Autoren hier eine besondere Verantwortung?
Wolf Serno: Gute historische Romane vermitteln immer Bildung. Nicht zuletzt durch Inhalt und Stil. Der Autor hat dabei eine große Verantwortung.
Welche historische Person würden Sie gerne einmal persönlich treffen?
Wolf Serno: Auf See: James Cook. An Land: Friedrich den Großen.
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