Interview mit Corina Bomann zu "Das Krähenweib"
zu ihrem Roman "Das Krähenweib"
Frau Bomann, erzählen Sie unseren Leserinnen und Lesern doch bitte ein wenig über sich. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen und wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Corina Bomann: Zum Schreiben bin ich schon recht früh gekommen. Wenn mir als Kind langweilig war, habe ich mir immer Geschichten ausgedacht und das bis ins Erwachsenenalter beibehalten. Nachdem ich mit acht Jahren meine erste Kurzgeschichte geschrieben hatte, wagte ich mich mit 14 an meinen ersten Roman (der noch unveröffentlicht in meiner Schublade liegt und auch dort bleiben wird). Dabei leckte ich Blut und der Wunsch, die Geschichten in meinem Kopf aufzuschreiben, war geweckt.
Mein Arbeitsalltag sieht so aus, dass ich zwischen 8 und 9 Uhr morgens an den Schreibtisch gehe und erst spät am Abend Feierabend mache. Zwischendurch sind Behördengänge zu erledigen (dafür muss ich ca. 20 km fahren) oder Mails zu beantworten, manchmal sind Änderungen an der Homepage oder am Blog nötig und natürlich pflege ich auch meinen Facebook- und Twitter-Account. Und natürlich lese ich in meiner Arbeitszeit auch, wenn ich beim Recherchieren bin – oder Fahnenkorrekturen anstehen.
Haben Sie bestimmte Rituale, die Sie beim Schreiben einhalten, zum Beispiel eine bestimmte Schreibzeit oder eine festgelegte Seitenzahl pro Tag?
Corina Bomann: Ich versuche meist, an einem Tag etwa 20000 Anschläge zu schaffen, das sind so ca. 12-15 Seiten. Manchmal gelingt mir das gut, manchmal wird es weniger und wenn mich ein Thema richtig gepackt hat, können es auch locker mal 50000 Anschläge werden. Rituale habe ich eigentlich nicht, außer das tägliche frühmorgendliche Mailabrufen. Sonst lasse ich mich von jedem Tag neu überraschen.
Neben historischen Romanen für Erwachsene schreiben Sie auch Jugendromane. Was reizt Sie an diesem Genre? Gibt es etwas, was all Ihre Romane verbindet?
Corina Bomann: Die Liebe zur Historie ist das, was meine Jugendromane und meine Erwachsenenbücher miteinander verbindet. Ich habe bislang neben den Romanen bei Knaur auch zwei historische Jugendromane veröffentlicht. Ich finde, dass auch Jugendliche an Geschichte herangeführt werden sollten. Das geht am besten über spannende Geschichten, die ihnen den Anstoß geben, sich weiter mit einem Thema zu beschäftigen.
Ihr erster historischer Roman für Erwachsene Die Spionin spielt im England des 16. Jahrhunderts während der Regierungszeit Elisabeth I. Das Krähenweib führt die Leser und Leserinnen nach Berlin und Dresden zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Was hat Sie an dieser Epoche besonders fasziniert?
Corina Bomann: Am faszinierendsten am beginnenden 18. Jahrhundert ist, dass die Menschheit allmählich aus den letzten Schatten des Mittelalters tritt und der Neuzeit zustrebt. Mit Annalena Habrecht und Johann Friedrich Böttger treffen zwei vollkommen gegensätzliche Weltsichten aufeinander. Annalena verkörpert als Henkerstochter das ausgehende Mittelalter, Böttger die Neuzeit mit ihrem Forscherdrang. Das machte für mich die Geschichte so reizvoll. Im 18. Jahrhundert machen die Menschen sehr große Fortschritte was Wissenschaft und Philosophie angeht und deshalb ist es spannend, eine Geschichte dort anzusiedeln.
Im „Krähenweib“ spielt der Alchemist Johann Friedrich Böttger, der Erfinder des europäischen Porzellans, eine wichtige Rolle. Ihm zur Seite stellen Sie eine starke Frauengestalt, die Henkerstochter Annalena Habrecht. So steht nicht der Kampf um die Erfindung des europäischen Porzellans im Mittelpunkt des Romans, sondern vielmehr die Figur der Annalena und ihre geheime Liebe zu Böttger. Wie entstand diese Idee?
Corina Bomann: Diese Idee entstand durch meine Beschäftigung mit alten Akten aus meiner Heimat. Die Henkersfamilie Habrecht ist aufgrund eines Kindesmordprozesses sehr gut dokumentiert, denn eine der Töchter wurde angeklagt. Ursprünglich wollte ich ihre Geschichte erzählen, doch der Lektor wünschte sich etwas Glanzvolleres. Also wandte ich mich den anderen Töchtern Habrechts zu und schuf aus zweien von ihnen Annalena. Bei der Frage, wem sie auf ihrer Flucht begegnen könnte, stieß ich darauf, dass Johann Friedrichs Böttger in meinem Handlungsjahr 1701 gerade sein Goldexperiment durchführt. Da wusste ich plötzlich, dass Annalena Böttger kennenlernen muss. Die beiden verliebten sich, die Geschichte nahm ihren Lauf und schon hatte ich meinen Roman. Mir gefiel die Idee, Böttger eine Geliebte zu geben, die mit seiner zweiten Liebe, der Alchemie, konkurriert.
Über den Alchemisten Johann Böttger gibt es bereits etliche Bücher. Welche Quellen haben Sie verarbeitet? Wie sah Ihre Recherche aus?
Corina Bomann: Ich wollte nicht schon wieder direkt auf das oft beschriebene Porzellanherstellen Böttgers eingehen, sondern die Anfangsjahre als Alchemist und Flüchtling beschreiben, eben jene Zeit, in der Böttger noch die Möglichkeit hatte, sich zu verlieben und ein halbwegs normales Leben zu führen, was nach seiner Einkerkerung nicht mehr der Fall war.
Eine der besten Quellen, die ich hatte, war eine Biografie über Böttger, die sehr ausführlich war und sehr gute Ansätze geliefert hat. Außerdem habe ich mir Akten besorgt und einige Teile der Handlung auch „erlaufen“, das heißt, ich war vor Ort und hatte auch kompetente Helfer.
Sie beschreiben Johann Böttger letztlich als gescheiterten Mann, der sich vom Goldmachen Ruhm und Ehre erhoffte und dafür aber seine große Liebe opferte.
Corina Bomann: Wahrscheinlich ist es ihm wirklich so ergangen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er so gar nichts mit Frauen zu tun hatte, und gewiss ist es möglich, dass er aufgrund seiner Leidenschaft zur Alchemie eine Liebe verloren bzw. geopfert hat. Böttger gehört für mich zu den unglücklichen Gestalten der Geschichte. Sein eigentliches Ziel hat er nie erreicht und die Erfindung des Porzellans hat ihn letztlich nicht wirklich frei gemacht. Außerdem war sein früher Tod mit 37 Jahren auf seine Forschung bzw. die chemischen Substanzen, deren Gefährlichkeit niemand kannte, zurückzuführen.
Bücher von Corina Bomann
Corina Bomann
Die Spionin
EUR (D)
8,95