Interview mit Iny Lorentz zu "Die Tochter der Wanderhure"
Iny Lorentz ist das Pseudonym für ein Münchner Autorenehepaar, das seit dem Erscheinen seines ersten historischen Romans Die Kastratin Jahr für Jahr seine Leser mit weiteren historischen Romanen begeistert. Im Oktober 2008 ist der neue Band Die Tochter der Wanderhure erschienen.Nach Die Wanderhure und Das Vermächtnis der Wanderhure ist Die Tochter der Wanderhure nun der dritte Band aus dieser Reihe. Ist Ihnen das Schreiben leichter gefallen, weil Sie mit den Personen vertrauter waren? Oder mit was haben Sie besonders gekämpft?
Iny Lorentz: Sie haben bei ihrer Aufzählung Die Kastellanin vergessen, die zeitlich zwischen Die Wanderhure und Das Vermächtnis der Wanderhure gehört. Die Tochter der Wanderhure ist damit der vierte Roman, in dem Marie eine Rolle spielt.
Das Schreiben dieses Romans ist uns sicher nicht leichter gefallen als bei den anderen, eher im Gegenteil. Eben weil wir die wichtigsten Personen kannten, mussten wir darauf achten, dass sie sich so verhalten, wie die LeserInnen es von ihnen erwarten. Auch stellte der Roman selbst hohe Ansprüche an uns, da er seinen eigenen Charakter besitzen und keine bloße Kopie eines der vorhergehenden Romane mit Marie werden sollte.
Sie haben in den letzten Jahren einen ungeheueren Erfolg mit Ihren Büchern und viele, viele Lesungen gehalten. Wie ist die Resonanz Ihrer Leser, gibt es besonders beliebte Bücher, welche Dinge liegen Ihren Lesern besonders am Herzen?
Iny Lorentz: Die Resonanz bei den Lesungen ist sehr erfreulich. Die Fragerunde nach der eigentlichen Lesung dauert oft länger als diese selbst und die Veranstalter blicken da manchmal schon demonstrativ auf die Uhr, um anzuzeigen, dass sie gerne Schluss machen würden. Eines kommt aber sehr deutlich zum Ausdruck. Unsere LeserInnen wünschen sich, dass die Romane gut ausgehen. Ein Iny-Lorentz-Roman ohne Happy End würde die meisten verschrecken. Was die Beliebtheit der Bücher betrifft, so freut es uns, dass diese weit gestreut ist. Natürlich lieben viele die Romane um die Wanderhure Marie, doch die Goldhändlerin Lea, die Kastratin Giulia, die Tatarin Shirin, die Löwin Caterina, die Pilgerin Tilla und die Feuerbraut Irmela haben ebenfalls ihre Fans.
Wie empfinden Sie selbst die Lesungen und die Öffentlichkeit, nachdem Sie ja lange Jahre einfach aus Lust am Schreiben für sich geschrieben haben?
Iny Lorentz: Es war für uns sehr beflügelnd, die positiven Reaktionen der LeserInnen mitzubekommen. Damit wussten wir, dass wir mit unseren Romanen deren Geschmack getroffen haben. So waren bei einer Lesung Großmutter, Mutter und Tochter, alles Iny-Lorentz-Fans, anwesend. Wir erhalten sehr viel Zuspruch, und manchmal auch die Aussage, dass Sachen, wie wir sie in unseren Romanen beschreiben, teilweise heute noch passieren.
Und wie sehr hat die grandiose Leserschar Ihr Schreiben verändert? Wie gehen Sie mit dem Erfolgsdruck um?
Iny Lorentz: Wir hoffen nicht, dass sich unser Schreiben verändert hat. Eine der schlimmsten Sünden, die ein Autor machen kann, ist, den LeserInnen Romane vorzulegen, mit denen diese sich nicht mehr identifizieren können. Aus diesem Grund planen wir jeden neuen Roman sehr sorgfältig und achten darauf, dass da, wo Iny Lorentz drauf steht, auch Iny Lorentz drin ist. Der Erfolgsdruck ist natürlich in gewisser Weise da. Schließlich wollen wir jeden Roman ebenso gut schreiben wie die vorhergegangenen. Wir nehmen hier aber ein wenig die Luft heraus, indem wir zwischendurch noch Romane in anderen Genres schreiben und damit auch die Gedanken von dieser Belastung frei machen.
Gibt es ein Buch in Ihrem Gesamtwerk, das eine ganz besondere Bedeutung für Sie hat, und wenn ja, warum?
Iny Lorentz: Hier würden wir in erster Linie Die Kastratin nennen, weil es der erste Roman von uns ist, den Knaur angekauft hat, und dann immer den, den wir gerade schreiben. Doch im Grunde mögen wir alle unsere Romane gleich gern.
Die vielen spannenden Frauen als Hauptfiguren – gab es bei Ihnen in der Umgebung, in der Familie Frauen, die Sie geprägt haben und die vielleicht auch in Ihre Romanheldinnen eingeflossen sind?
Iny Lorentz: Da wäre zum einen Inys Großmutter, bei der sie aufgewachsen ist und die ihr auch die Liebe zu Büchern vererbt hat, und zum andern Elmars Mutter, die nach dem Tod ihres Mannes den Bauernhof allein geführt hat. Eine weitere, interessante Frau, die zumindest Elmar geprägt hat, war Catalina de Erauso, die im beginnenden 17. Jahrhundert mehrere Jahrzehnte lang als Mann verkleidet aufgetreten ist. Elmar hat sehr früh den 1955 erschienenen Roman
Sie haben in einem früheren Interview den Grafen von Monte Cristo als ein besonderes Symbol dafür erwähnt, dass man in seinem Leben niemals aufgeben und immer wieder neu anfangen soll. Auch ihre beiden Lebensläufe sind geprägt von Neuanfängen – können Sie etwas darüber erzählen, welche Bedeutungen die Neuanfänge in ihrem Leben hatten?
Iny Lorentz: Wir standen beide mehrmals vor dem Abgrund und mussten unser Leben vollkommen neu ordnen. Jedes Mal, wenn wir glaubten, es ginge nicht weiter, wuchs der Wille, einen neuen Schritt zu wagen, und mochte er im Augenblick auch noch so schmerzhaft erscheinen. So etwas hinterlässt natürlich Spuren. Allerdings hat sich unser Leben bei allen Umbrüchen in unserem Leben zum positiven hin entwickelt. Und das ist es wahrscheinlich auch, was wir unseren LeserInnen mitteilen wollen. Man darf im Leben niemals aufgeben, sondern muss immer einen neuen Anfang suchen.
Lesetipp
Iny Lorentz
Die Wanderhure
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Die Kastellanin
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Die Goldhändlerin
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Die Tatarin
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Die Kastellanin
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Das Vermächtnis der Wanderhure
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