Interview mit Sabine Ebert über „Die Spur der Hebamme“
Sie leben in Freiberg und haben nun mit Die Spur der Hebamme bereits den zweiten Mittelalterroman über Ihre Wahlheimat geschrieben. Was hat Sie an diesem Thema besonders fasziniert?Sabine Ebert: Der Stoff selbst: wie viel Mut die Siedler aufbringen mussten, um ins Ungewisse aufzubrechen in der Hoffnung auf ein besseres Leben, und welche gewaltige Dynamik mit den ersten Silbefunden einsetzte; wie binnen weniger Jahre aus einem abgelegenen Weiler eine Stadt und aus Knechten Bürger wurden. Ein überaus spannender Prozess.
Wie umfassend war Ihre Recherche zu dem Roman? Gibt es für die Figuren und Schauplätze reale Vorbilder?
Sabine Ebert: Ich habe die Geschichte so erzählt, wie sie sich - nach allem, was wir wissen - zugetragen haben könnte. Jedes Fitzelchen über Freibergs frühe Jahre ist eingearbeitet, bis hin zur Topografie des Standortes der ersten Christiansdorfer Gehöfte. Die historischen Persönlichkeiten sind tatsächlich auf jenen Hoftagen und Zusammenkünften gewesen, bei denen sie bei mir auftreten, und haben dort die beschriebenen Themen abgehandelt. Bei der Formung ihrer Charaktere habe ich mich an das gehalten, was wir über sie wissen. Wo ich mir gelegentlich eine dichterische Freiheit herausgenommen habe - zum Beispiel die Vorverlegung von Konrads Tod im Turnier um ein Jahr oder das erfundene Verhältnis zwischen Hedwig und Dietrich von Landsberg - kläre ich den Leser im Nachwort darüber auf.
Warum haben Sie gerade die Figur einer Hebamme als Protagonistin gewählt?
Sabine Ebert: Ich wollte diese Geschichte unbedingt aus der Perspektive der kleinen Leute erzählen. Doch ein Siedler oder Bergmann wären nach der Ankunft aus dem Dorf nicht mehr herausgekommen. Meine Hebamme kann ich - weil sie gut ist in ihrem Beruf - auch zum Meißner Markgrafen und mit ihm an den Hof Barbarossas schicken. Das verleiht der Geschichte eine ganz andere Dimension, bindet die großen Umwälzungen im Kaiserreich jener Zeit mit ein.
Ihre Romane spielen im Mittelalter. Warum fasziniert Sie diese Epoche besonders?
Sabine Ebert: Es war nicht die Epoche, sondern der Stoff, der Ausschlag gab, dieses Thema zu wählen. Hätten sich die Siedlerzüge und der Beginn des Silberbergbaus im Erzgebirge in einem anderen Jahrhundert zugetragen, würden meine Romane zu jener Zeit spielen.
Historische Romane haben in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?
Sabine Ebert: Schwierig, darauf eine einzige Antwort zu finden. Sicher gab es ein paar tolle Bücher als "Wegbahner". Doch das allein reicht nicht als Erklärung. Wir haben das letztens unter Kollegen im Autorenkreis Historischer Roman "Quo Vadis" wieder diskutiert. Vielleicht sind die Deutschen fast zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall bereit, sich mit mehr Interesse stärker wieder ihrer eigenen Herkunft und Geschichte zuzuwenden?
Bücher von Sabine Ebert
Sabine Ebert
Die Entscheidung der Hebamme
EUR (D)
10,99
Sabine Ebert
Die Spur der Hebamme
EUR (D)
10,99
Sabine Ebert
Das Geheimnis der Hebamme
EUR (D)
10,99
Sabine Ebert
Der Fluch der Hebamme
EUR (D)
9,99