Hebammen und ihre Geschichte in historischen Romanen
Weise Frauen, die Müttern bei der Geburt beistanden, hat es schon vor 40.000 Jahren gegeben. Sie halfen den Gebärenden mit magisch-rituellen Handlungen, aber auch mit Kräutertees, Aderlässen oder einfach besonders geschickten Händen.Die Frage, wo denn eigentlich das Leben herkommt, hat die Menschen schon sehr früh fasziniert und beschäftigt. Und so steht eine Beschreibung der Hebammenarbeit bereits im Alten Testament im 2. Buch Mose (Mose, 2. Buch, 1, Vers 15-17). Die frühen Hebammen wussten vieles über den Körper der Frauen und halfen nicht nur bei der Geburt, sondern auch sonst bei Krankheiten und Schwierigkeiten.
Den ersten Schritt in die hohe Domäne der Medizin konnten Frauen dann im frühen Mittelalter wagen. Die Medizinische Akademie am Golf von Salerno, die vom 9. Jahrhundert bis ins hohe Mittelalter bestand, bildete auch Frauen zu Ärztinnen aus, die sich in der Frauenheilkunde besonders hervortaten. Das Werk der Ärztin Trotula im 11. Jahrhundert kann man als einen Meilenstein in der Frauenheilkunde bezeichnen. Sie studierte an dieser Universität und schrieb in einer Art Jahrbuch einen breiten gynäkologischen und geburtshilflichen Erfahrungsschatz nieder, angereichert mit kosmetischem Wissen. Dieser Frau hat Ina Marie Cassens mit dem Roman Die Heilerin von Salerno ein schriftliches Denkmal gesetzt. Sie beschreibt fesselnd das abenteuerliche Leben einer der ersten Medizinerinnen – oder zumindest, wie deren Leben gewesen sein könnte.
In dieser Zeit wurde in Deutschland zwar noch keine Frau zum Studium der Medizin zugelassen, aber im Deutschen setzte sich der Begriff Hebamme durch. Er war die Berufsbezeichnung für einen ersten anerkannten medizinischen Arbeitsbereich für Frauen.
Die Geburtshilfe auf schriftlichem Fundament
Die ersten eigentlichen Lehrbücher der Geburtshilfe erschienen dann im 16. Jahrhundert. Geschrieben wurden sie zwar meist von Ärzten, die sich aber von Hebammen alles Wissen schildern ließen, denn die Ärzte hatten kaum eigene Entbindungserfahrung. Zeitgleich wurden in den größeren Städten dann auch die ersten Hebammenordnungen erlassen, die die Tätigkeiten von Hebammen in den Städten regelten.
Ein Jahrhundert später versuchte man dann zunehmend, die Geburtshilfe in die Hände von Männern zu legen. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts gab es Geburtshilfe-Kurse für angehende Ärzte und in den Geburtsabteilungen der städtischen Hospitäler stand immer ein Arzt den Abteilungen vor. Die Geburtshilfe entwickelte sich zu einem eigenen Universitätsfach. Man versuchte, den Geburtsverlauf besser zu verstehen und damit für Komplikationen besser gewappnet zu sein – kein Wunder in einer Zeit, in der die Bevölkerung schlecht ernährt war, viele Infektionen und Rachitis die Gesundheit stark einschränkten und man mit vielen Erkrankungen und Missbildungen der Gebärmutter und der Geburtswege rechnen musste.
Eine bahnbrechende Erfindung war die der Geburtszange Anfang des 17. Jahrhunderts. Man entwickelte weitere Gerätschaften, um das Becken messen, das Baby zu wenden oder aber auch um ein totes Kind aus dem Mutterleib entfernen zu können.
Kompetenzstreit über Jahrhunderte – Hebammen und Ärzte im Konflikt
Die Ärzte überließen diese Geräte nur ungern den Hebammen. Ein grundlegender Konflikt hat hier begonnen: die Frage der Zuständigkeit bei Geburten und über die Rollenverteilung zwischen Ärzten und Hebammen. Immer wieder war es eine Streitfrage, wessen Hilfe besser ist: die der Hebammen oder die der Ärzte.
Trotz bestehender Zuständigkeitskonflikte bemühte man sich um eine verbesserte Ausbildung der Hebammen sowie eine staatliche Legitimation, sodass eine Hebamme im 17. Jahrhundert eine Lehrzeit bei einer Wehenmutter von 3-4 Jahren absolvieren musste, die mit einer amtlichen Prüfung abgeschlossen wurde. Die Befugnisse der Hebammen waren ebenfalls deutlich verbessert worden. Sie mussten nicht nur die Geburt mit der Vor- und Nachphase sicher leiten, sondern auch gegebenenfalls Kaiserschnitte vornehmen oder auch die Nottaufe vollziehen.
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