„Das Wandern ist des Müllers Lust“
Vom alten Handwerk und den Zünften
Nicht nur der wandernde Müller, auch die klappernde Mühle kommt heute fast nur noch im Lied vor. Was früher Realität war, die Mühle und der dazugehörige Müller, bekommt man heute eher im Freilichtmuseum zu sehen. „Arm wie ein Schneider“ und „Seines Glückes Schmied“ zu sein oder der Glaube, dass der Schornsteinfeger Glück bringen würde – viele Sprichwörter, Rituale und Lieder spiegeln die Geschichte des Handwerks. Und auch wenn der alte Handwerksberuf heute viel stärker in den Hintergrund getreten ist als vor gut 100 Jahren, so hatte er über lange Strecken hinweg einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft besessen und war von einer genau durchdachten Organisation geprägt: den Zünften.
Für diese Zünfte gab es im Mittelalter und bis in die frühe Neuzeit hinein keinen einheitlichen Begriff. Regional unterschiedlich bezeichnete man die Zusammenschlüsse der Handwerker als Gilde, Innung, Gaffel oder Zunft. Heute trennt die Wissenschaft zwischen den Handwerkern, deren Zusammenschluss als Zunft bezeichnet wird, und den Kaufleuten, deren Zusammenschlüsse Gilde heißen. Aber ob Zunft oder Gilde, gemeinhin trafen sich in diesen Organisationen nur Männer.
Frauen hatten zwar noch im Spätmittelalter in einigen Städten eigene Zünfte oder waren Mitglieder, aber das blieb die Ausnahme. Die Goldspinner, die Seidenweber und Seidenmacher waren solche Zünfte, zu denen auch Frauen zählten. Typisch für die Arbeit von Frauen war aber eher die Mitarbeit in den kleinen Meisterbetrieben. Ohne die Mithilfe von Frauen dürfte die Arbeit in diesen Kleinbetrieben gar nicht zu schaffen gewesen sein. Allerdings, so sehr auch Frauen mitarbeiteten und vermutlich in den Arbeitsalltag und -ablauf einbezogen waren – starb der Meister, muss dessen Frau innerhalb eines bis zwei Jahren wieder heiraten, sonst verlor sie die Werkstatt. Sie war laut Zunftordnung nicht berechtigt, selber den Betrieb fortzuführen.
Der Handwerksberuf früher – eine kurze Charakteristik
Was aber ist das eigentlich, das alte Handwerk? Seine wesentlichen Kennzeichen sind vor allem die kleinbetriebliche Produktion, also die Arbeit in kleinen, dezentralen Betrieben. In der Regel hatte der Meister seinen Betrieb alleine unter sich. Bis ins 18. und 19. Jahrhundert hinein kamen nur zwei bis drei Gesellen dazu. Diese Größe und damit auch die Produktivität der Betriebe regelten die Zünfte. Darüber hinaus stand der arbeitende Mensch im Mittelpunkt – seine Handfertigkeit machte die Besonderheit eines Betriebes aus. Die benutzten Werkzeuge und Maschinen waren nur zur Unterstützung der Handarbeit gedacht. In diesen kleinen handwerklichen Betrieben war die Arbeitsteilung gering und eher führte eine starke Arbeitseinteilung zur Ausfächerung neuer Berufssparten. Von diesen Spezialisierungen war vor allem das 14. und 15. Jahrhundert war geprägt.
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