Bauernkriege
Bereits im 14. und 15. Jahrhundert hatte es in Deutschland vereinzelte regionale Bauernrevolten, wie die „Bundschuh“-Bewegung am Oberrhein gegeben. Im Kampf um das „alte Recht“ forderten die Bauern, auf deren Arbeitskraft das ständische Feudalsystem ruhte, die Milderung der Abgabelasten, Aufhebung der Leibeigenschaft und die Wiederherstellung althergebrachter Nutzungsrechte. Da dies an den Grundfesten der bestehenden Gesellschaftsordnung rüttelte, sahen Adel und Klerus, die hiervon profitierten, keine Veranlassung zu Veränderungen.In Anlehnung an die Reformation tauchte ab 1524 auch die Berufung auf „göttliches Recht“ in den Forderungen der Bauern auf. Mit den Worten des Evangeliums strebten sie jetzt nach Veränderung der Herrschafts- und Besitzverhältnisse.
Immer mehr Bauernschaften in Süden des Reiches fanden sich zu einer gemeinsamen Aufstandsbewegung zusammen. Die regionalen Aufstände waren zur ersten Massenerhebung in Deutschland geworden, die sich vom Elsass, Schwaben, Franken, Thüringen und Sachsen bis nach Tirol und in die Schweiz erstreckte.
In den im Februar 1525 zusammengestellten „12 Artikeln der Bauernschaft in Schwaben“, die zur zentralen Programmschrift des Aufstands wurden, fixierten die Bauern ihre Forderungen mit dem Hinweis, sich nur durch Aussagen der Heiligen Schrift selbst widerlegen zu lassen. Martin Luther, der zunächst mit den Bauern sympathisiert hatte, wehrte sich nun gegen die politische Instrumentalisierung seiner theologischen Lehre und forderte die Fürsten in einem Pamphlet im Mai 1525 zur rücksichtslosen Niederschlagung des Aufstandes auf.
Die Bauern, die zunächst gehofft hatten, ihren Zielen durch Verhandlungen näher zu kommen, gingen nun vereinzelt zu Brandschatzungen und Überfällen auf Klöster und Herrschaftssitze über. Dies nahmen die Fürsten, die sich zum „Schwäbischen Bund“ zusammengeschlossen hatten, zum Anlass, den Aufstand blutig niederzuschlagen.
Dem Bauernheer, das auch von einigen Adeligen und Bürgern unterstützt wurde, fehlte es an einheitlicher Führung, militärischer Ausrüstung und Ausbildung. So wurden die Bauern ein leichtes Opfer für die fürstlichen Söldnerheere, die Aufstände wurden bis Juni 1525 in fast allen Teilen des Reiches blutig niedergeschlagen.
Groben Schätzungen zufolge starben etwa 70.000 Bauern bei den Kämpfen und den darauf folgenden Strafgerichten und Vergeltungsaktionen der jeweiligen Landesherren.
Einige Fürsten erkannten aber auch die Notwendigkeit sozialer Reformen und gingen in der Folgezeit auf Verhandlungen mit den Bauern ein. Politisch gesehen versanken die Bauern nach ihrer Niederlage wieder in der Bedeutungslosigkeit, während das Landesfürstentum gestärkt aus den Kämpfen hervorging.
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