Beginen und andere Frauenkonvente
Hinter den Klostermauern - historische Romane in einem ganz besonderen Umfeld
Einer der größten historischen Romane, Der Name der Rose, spielt in einem alten Kloster. Die Atmosphäre von Kreuzgängen, alten Büchern und das Leben in einer abgeschlossenen Gemeinschaft sind für viele Autoren eine hinreißende Quelle der Inspiration. „Wie mag man leben, lieben und hassen hinter diesen ehrwürdigen Mauern?“, diese Frage beschäftigte nicht nur Umberto Eco. Bei ihm war es ein Männerkloster, in dem er seinen Roman angesiedelt hat, aber es gab ebenso Klöster und Konvente, die allein Frauen vorbehalten waren. Nicht alle Frauen wandten sich aus religiösen Gründen dem Leben im Kloster zu. Eine der Möglichkeiten, dem oft aus finanziellen oder politischen Gründen arrangierten Eheleben zu entgehen, war das Leben im Kloster. Für viele ein Ausweg, der allerdings nach dem Ablegen des Gelübdes kaum Chancen bot, aus dem Kloster auch wieder auszutreten. Dennoch waren die Frauenkonvente für viele Frauen eine Möglichkeit, sich Dingen wie der Wissenschaft und dem Studium zu widmen – zwar innerhalb eines sehr engen Rahmens, aber doch mit ganz anderen Möglichkeiten als dem Ehealltag. Stift Herford, gegründet 789, war beispielsweise das älteste Frauenkonvent im Herzogtum Sachsen und hielt sich bis 1804, wo es im Zuge der Säkularisierung zunächst in ein Männerkonvent umgewandelt wurde, um dann 1810 endgültig aufgelöst zu werden. Kloster Huysburg wurde 1080 als Doppelkloster für Männer und Frauen von Ekkehard von Huysburg gegründet, der dort auch der erste Abt war und später seliggesprochen wurde.
Ein anderes bekanntes Frauenkonvent war das französische Kloster Le Paraclet in der Champagne, das zu Berühmtheit gelangte, weil dort zeitweise die große Liebende des Mittelalters, Heloise, als Äbtissin lebte. Die unglückliche Liebesgeschichte von Heloise und Abaelard, ihr bewegender Briefwechsel, berührt bis heute die Menschen. Schriftsteller wie beispielsweise Sharan Newman hat ihr Schicksal zum Schreiben inspiriert und er verfasste den bewegenden Roman Das Geheimnis von Abaelard und Heloise.
Beginen – das etwas andere Modell
Ein bis heute existierendes Modell von einer weiblichen Lebensgemeinschaft, die weitestgehend frei und selbstbestimmt war, sind die Beginen. Sie waren ein religiöser Zusammenschluss von Frauen, der für alle Stände offen war und sich ganz bewusst keiner anerkannten Ordensgemeinschaft anschloss. Ihr Leitsatz war ein Leben in der gezielten Nachfolge von Christus und damit sowohl der Keuschheit als auch der Armut verpflichtet. Mit dem Eintreten in diese Gemeinschaft verzichteten die Frauen auf ihren Besitz, leben in Hausgemeinschaften und verdienten sich ihren Lebensunterhalt durch Betteln, vor allem aber durch Arbeit.
Neben der Arbeit gehörten von allem das Gebet und die Kontemplation zum Leben der Beginen dazu. Das Besondere an diesen Konventen aber war, dass die Frauen sich lediglich in einem Gelübde auf Zeit verpflichteten, das jährlich erneuert werden konnte. Man konnte also auch jederzeit wieder aus der Gemeinschaft austreten, heiraten und zurückkehren in einen bürgerlichen Alltag. In diesem Fall musste man nur sein Vermögen, das man anfangs dem Konvent überlassen hatte, auch dort lassen. Den Konventen stand eine Grande Dame oder Meisterin vor, die in der Regel für ein Jahr gewählt wurde.
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