Die Geschichte des Puppentheaters
Die Definition von Puppentheater spricht von einer entweder stummen, mit Musik oder mit menschlichen Stimmen untermalten Form des Theaters, bei der zwei oder dreidimensionale Figuren anstelle von Menschen auftreten, die auf verschiedene Weise von Spielern bewegt werden können. Am bekanntesten sind sicherlich das Marionetten- und das Handpuppentheater. Die heute eher in den Bereich des Kindertheaters eingestufte Theaterform war in ihren Ursprüngen eine aus der Volkskultur kommende und von ihr sehr geschätzte Unterhaltungsform, die sich an ein erwachsenes Publikum richtete.Bereits antike Zeugnisse unterrichten vom Bestehen des Puppentheaters in Griechenland und Rom, zu der Zeit allerdings nicht als Theaterform, sondern als Bestandteil kultischer Handlungen. Seine Blütezeit in Deutschland erlebte das Puppentheater im 18. und 19. Jahrhundert, als Schriftsteller wie Goethe und Kleist sich mit ihm beschäftigten.
Da das Puppentheater in Europa seit dem Mittelalter vor allem von Schaustellern und wandernden Schauspielern geprägt wurde, hatte es in den höheren Schichten einen schlechten Ruf. Die gesellschaftliche Außenseiterposition der Spieler übertrug sich auf diese Kunstform. Wie die übrigen Bereiche der Schaustellerei und auch des Theaters unterlag das Puppentheater einer strengen Zensur und war mit zahlreichen Verboten belegt. Aktuelle Anspielungen boten dabei ebenso Anlässe für staatliches Eingreifen wie der angeblich fehlende moralische und belehrende Gehalt des Puppentheaters. Dennoch fanden sich Lücken für die Puppenspieler. In den verwinkelten Ecken der Städte, in den Wirtshäusern oder auf dem flachen Land konnten und mussten sie immer wieder auch ohne Erlaubnis spielen, diente ihnen das Spiel doch zum täglichen Broterwerb.
Die Stücke der Puppenspieler und die äußere Bühnenerscheinung waren in der höfisch-barocken Opern- und Schauspielbühne verhaftet. Die Herkunft der Spieler aus der Wandervolkskultur und ihr enger Kontakt zum Publikum, den „kleinen Leuten“, brachte es aber mit sich, dass die traditionellen Stücke in hohem Maße mit Frechheit und Antimoral sowie derben Humor und deutlicher Erotik abgewandelt wurden. Die Weitergabe der Stücke trug ebenfalls zu diesen Umformungen bei. Entweder wurden Stoffe mündlich tradiert und vom Vater auf den Sohn weitergegeben. Oder man sah sich beliebte Stücke auf der großen Bühne der Nationaltheater etc. an und führte sie unter einem anderen Titel im Marionettentheater auf. Die dritte Chance bestand in dem Ausleihen von Büchern aus der „Lesebibliothek“, vorausgesetzt, man konnte lesen und befand sich in der Stadt. Die Schauspieler spielten in jedem Fall auswendig und wandelten das Textgerüst auf den aktuellen Ort und die Umstände ab.
Das von den Obrigkeiten kritisch beäugte Improvisieren der Puppenspieler, die darin liegende Gefahr der politischen Kritik machte das Puppentheater im Gegenzug aber gerade für Intellektuelle wie Goethe, Kleist und Achim von Arnim interessant. Das Marionettentheater verkörperte für die romantische Bewegung im Gegensatz zum Königlichen Nationaltheater eine echt nationale Tradition. Die Idee einer wechselseitigen Beziehung von Hofkultur und Volkskultur im kulturellen wie auch sozialen Bereich war verbunden mit der Hoffnung auf ein gemeinsames Nationalgefühl.
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