Die Halsbandaffäre
1785
Legendär und beliebter Stoff für die Literatur ist der Skandal um die französische Königin Marie Antoinette, die beschuldigt wurde, sich durch eine Liebschaft mit Kardinal Louis de Rohan ein kostbares Diamantcollier verschaffen zu wollen.
Die umstrittene Königin hegte eine große Abneigung gegen Kardinal Rohan, da dieser sie als Gesandter in Wien durch Bemerkungen zu ihrem frivolen Lebenswandel bei ihrer Mutter Kaiserin Maria Theresia in Misskredit gebracht hatte. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich 1774 versuchte der Kardinal seine Bekanntschaft zur Comtesse Jeanne de la Motte, einer unehelichen Enkelin Heinrichs II., zu nutzen, um die Gunst der Königin zu erlangen. Ob aus emotionalen Gründen oder der Hoffnung auf eine lukrative Position am Hof ist ungeklärt. Die Comtesse fingierte einen Briefwechsel zwischen Rohan und der Königin, in der sie jedoch gefälschte Antworten der Königin an den Kardinal weitergab. Sie soll sogar ein Treffen arrangiert haben, in dem der Kardinal aber auf Marie Lejay, die der Königin ähnelte, traf und den Schwindel nicht bemerkte.
Die Comtesse profitierte von Rohans Vertrauen in ihre Vermittlungskünste und lieh sich von ihm hohe Geldsummen. Ungeklärt ist, ob die Comtesse in Eigenregie, oder im Auftrag der Königin handelte, um den ungeliebten Kardinal zu ruinieren.
Jedenfalls verstand sie es, gute Beziehung zu Marie Antoinette glaubhaft vorzuspielen, so dass nicht nur der Kardinal seine Chance witterte, sondern auch die Pariser Juweliere Böhm und Bassenge. Diese hatten bereits einige Jahre zuvor ein kostbares Diamantencollier im Wert von 1,6, Millionen Livres angefertigt, von dem sie hofften, es an den französischen Hof zu verkaufen. Nachdem der Hof abgelehnt hatte, scheiterten auch die Versuche der Juweliere es im Ausland zu verkaufen. In der Person von Jeanne de la Motte sahen sie die Möglichkeit für einen zweiten Verkaufsversuch gekommen. Nach anfänglichem Zögern nahm sie den Auftrag an und verkündete im Januar 1785, dass die Königin das Collier kaufen wolle, das Geschäft aber durch Kardinal Rohan abgewickelt werden solle. Rohan behauptete, die Vollmacht der Königin zu besitzen, wurde sich mit den Juwelieren einig und überbrachte das Collier im Haus der Comtesse einem Mann, von dem er annahm, er sei der Kammerdiener der Königin.
Es wird angenommen, dass die Königin im Hintergrund durch direkten Kontakt zu den Juwelieren sehr wohl von dem Handel Kenntnis hatte und die Intrige zuließ. Als der Juwelier jedoch die Bezahlung des Colliers bei der Königin einforderte, entgegnete sie, das Collier weder bestellt, noch erhalten zu haben.
Daraufhin ließ Marie Antoinette Kardinal Rohan vor dem versammelten Hofstaat im August 1785 verhaften und in die Bastille abführen. Auch Jeanne de la Motte, Marie Lejay und Reteaux de Villette, ein Freund der La Motte, der zugab die im Namen der Königin an Rohan verschickten Briefe gefälscht zu haben, wurden verhaftet.
Ein Sensationsprozess im Mai 1786 führte zum Freispruch des Kardinals, der seiner Ämter enthoben in die Abtei von Chaise-Dieu ins Exil geschickt wurde. Die Comtesse de la Motte wurde zum Pranger, zur Brandmarkung und zu lebenslanger Haft im Gefängnis von Salpétière verurteilt, aus dem sie jedoch kurze Zeit später ins Ausland fliehen konnte. Dort veröffentlichte sie eine Schrift, in der sie die Königin der Intrige beschuldigte. Die Öffentlichkeit, vom Schauprozess bereits heftig erregt, ging davon aus, dass die Königin die Affäre inszeniert habe, um den verhassten Kardinal aus dem Weg zu räumen. So nahm nicht nur das Ansehen der bereits unbeliebten Königin Marie Antoinette, sondern das gesamte französischen Königshauses durch die politisierte Affäre großen Schaden.
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