Die Inquisition
Der lateinische Begriff für „Untersuchung“ steht heute für eines der dunkelsten und grausamsten Kapitel der Kirchengeschichte. Er bezeichnet im weiteren Sinne das Untersuchen und Aufspüren von Straftaten durch die weltliche und kirchliche Obrigkeit, ohne auf eine Anklage zu warten. Im Mittelalter wurde die Inquisition von Kirche und Staat zur Bekämpfung ketzerischer Irrlehren angewandt, die die geistige und gesellschaftliche Ordnung bedrohten. Durch die enge Verquickung von Kirche und Staat war dem mittelalterlichen Menschen der religiöse Ketzer zugleich ein politischer Revolutionär.Die Inquisition entwickelte sich um 1100 mit dem Aufkommen der Katharer und Waldenser, die die Kirche zu spalten drohten. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Inquisition von Kirche und Staat unter den Päpsten Innozenz III. und Gregor XI. und Kaiser Friedrich II offiziell als Institution zur Erhaltung der Glaubenseinheit eingerichtet. Als Inquisitoren setzte der Papst hauptsächlich Dominikaner ein, die allein dem Papst verantwortlich waren und somit über große Macht und Unabhängigkeit verfügten. Die Inquisitoren zogen von Ort zu Ort und befragten die Beschuldigten, wobei auch Folter erlaubt war. Zur Anklage oder Entlastung reichten nach mittelalterlichem Recht Zeugenaussagen, Sachbeweise konnten nicht angebracht werden. Überführte Ketzer wurden der weltlichen Macht zum Strafvollzug übergeben. Die Strafen reichten von Bußleistungen über Gefängnisstrafen, bis hin zur Todesstrafe, die durch öffentliche Verbrennung erfolgte. Bei einem Todesurteil oder lebenslangen Haftstrafe wurde außerdem das Eigentum des Verurteilten beschlagnahmt. Besonders grausam und willkürlich waren die so genannten Hexenprozesse.
Die Inquisition herrschte vornehmlich in Zentral- und Südeuropa, in Spanien wurde sie unter dem Großinquisitor Torquemada Ende des 15. Jahrhunderts zum staatlichen Terrorinstrument.
Anfang des 16. Jahrhunderts richtete Papst Paul III. das so genannte „Sanctum Officium“, die Kongregation für Inquisition ein. Während die ursprüngliche Inquisition sich mit dem Irrglauben im Volk befasst hatte, prüfte die Kongregation auch die Rechtgläubigkeit des Klerus und theologische Schriften, woraus später auch der „Index verbotener Bücher“ entstand.
Die Inquisition wurde erst im 19. Jahrhundert offiziell abgeschafft, Ketzerverfolgung und Hexenverbrennungen gab es in abnehmendem Maße bis weit in die Neuzeit hinein. Das „Sanctum Officium“ wurde im Zuge des 2. Vatikanischen Konzils 1965 von Papst Paul VI. in die Glaubenskongregation umgewandelt. Im März 2000 bat Papst Johannes Paul II. im Rahmen einer offiziellen Feier um Vergebung für die Verfehlungen der Kirche in der Vergangenheit.
« Zurück | Seite 1 | Weiter »
Lesetipps zum Thema
Ulrike Schweikert
Die Hexe und die Heilige
EUR (D)
9,99
Wolf Serno
Hexenkammer
EUR (D)
9,99
Lea Korte
Die Nonne mit dem Schwert
EUR (D)
8,95