Die Pest in Europa
Die große Pest, später der „Schwarze Tod“ genannt, wird als größte Katastrophe für die Menschheit in Europa angesehen. Bereits zu biblischen Zeiten hatte es Pestepidemien gegeben, Europa wurde von der ersten großen Pestwelle im Jahr 541 überrollt. Der zweiten großen Pestepidemie 1347-51 fiel ein Drittel der gesamten abendländischen Bevölkerung, schätzungsweise 20 Millionen Menschen zum Opfer.Aus Asien eingeschleppt, verbreitete sich die Seuche über Handelschiffe von Konstantinopel über Italien, dann auf dem Landweg nordwärts auf ganz Europa aus. Da das Pestbakterium erst 1894 entdeckt wurde, stand die mittelalterliche Medizin der Krankheit hilflos gegenüber. Die Seuche trat als Beulenpest, mit blutig eitrigen Beulen und Flecken und als Lungenpest mit Lungenentzündung und Gewebszerfall auf. Die Ärzte versuchten der Krankheit durch Verbrennung aromatischer Substanzen, dem Aufstechen der eitrigen Beulen, später auch mit Quarantäne, dem einzigen Mittel, das sich als wirksam erwies, zu begegnen.
Während reiche Adelige und Kleriker aus den betroffenen Gebieten flüchten konnten, war die Bevölkerung der Seuche schutzlos ausgeliefert. Das soziale, kulturelle und wirtschaftliche Leben brach zusammen, aus Angst vor Ansteckung flüchteten sich die Menschen in ihre Häuser. Die Toten wurden Karrenweise abtransportiert und in Massengräbern verscharrt.
Neben der medizinischen Erklärung von giftigen Dämpfen als Verursacher der Krankheit, machte man die Juden als angebliche Brunnenvergifter zum Sündenbock. Es kam zu Pogromen und Ausschreitungen, der die weltlichen und kirchlichen Herrscher nicht mehr Herr werden konnten. Da die Pest als Strafe Gottes und möglicher Vorbote des Weltendes angesehen wurde, suchten die Menschen Trost und Hoffnung im Glauben. Bittgottesdienste und Prozessionen kennzeichneten den Alltag. Flagellanten, die sich selbst geißelnd durch die Straßen zogen, hofften auf die Gnade Gottes. Zahlreiche Pestkapellen und andere Monumente zeugen noch heute von der Angst der Menschen.
Später wurden Menschenansammlungen, sogar Gottesdienste untersagt und Hygienevorschriften erlassen. Durch diese Vorkehrungen und standardisierte Behandlungen gelang es schließlich, die Pest zurückzudrängen.
Die Seuche hatte ganze Landstriche entvölkert, der massive Bevölkerungseinbruch führte schließlich zu einer Umstrukturierung der Gesellschaft. Den Überlebenden ermöglichte es neben lohnenswerten Arbeitsplätzen den Zugang zu freien Landwirtschaften, Zünfte ließen nun auch Mitglieder zu, denen man vorher den Zugang verweigert hatte.
In den folgenden drei Jahrhunderten suchte die Pest Europa immer wieder in lokalen Epidemien heim. So dauerte es mehrere Jahrhunderte, bis Europa die alte Bevölkerungsdichte wieder erreicht hatte.
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