Es war einmal vor Aldi & Co.
Frühe Handelsstrukturen und Handelswege in Europa
Wer vor vielen hundert Jahren Handel betreiben wollte, musste viel riskieren, denn die Transportmittel und -wege waren unsicher und es dauerte lange, bis Waren gut am Bestimmungsort angekommen waren. Dennoch staunt man, wenn man über die regen Handelsbeziehungen in früheren Zeiten liest und bewundert unwillkürlich den Mut und die Abenteuerlust der ersten fahrenden Händler – und ihr Organisationstalent. Die Kaufleute organisieren sich bereits sehr früh in den so genannten Gilden, von denen die ersten bereits in Frankreich im 8. Jahrhundert nach Christus belegt sind.
Die Ziele der Gilden waren handfest: es ging immer darum, den Kaufleuten einer Stadt oder den zusammen reisenden Händlern Schutz zu bieten. Das hieß konkret, die Waren beim Transport zu schützen, sich in Unglücksfällen zu helfen und die Handelsstrukturen zu organisieren. Zunächst waren die Gilden Zusammenschlüsse einzelner Kaufleute aber im Laufe ihrer Geschichte bildeten sie sich zu Bündnissen der Städte aus.
Eine Gilde, deren Name bis heute im Sprachgebrauch besteht, war die Hanse. Sie war ein Zusammenschluss norddeutscher Kaufleute und Handelsstädte, die vor allem Fernhandelsstrukturen aufbauten. Die Bezeichnung Hanse kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet übersetzt so viel wie „Gruppe, Schar“.
Die Gilden entwickelten sich in ihrer Blütezeit zu einem hohen politischen Instrument in einer Stadt, die einen starken Einfluss auf das Leben hatten. Besonders berühmte Mitglieder wie beispielsweise die Medici in Florenz beherrschten ihre Städte politisch geradezu und klingende Namen wie die Fugger oder die Rothschilds haben auch heute noch eine ganz besondere Aura, die von dem wirtschaftlichen, aber auch politischen Erfolg einzelner Familien erzählt.
Handelstrukturen in Europa im Mittelalter
Vor welchem Hintergrund entwickelten sich die Gilden und das Leben der Händler im Mittelalter? Für Kaufleute im Europa des 13. und 14. Jahrhunderts verbesserte sich das Handeln zusehends. Der Stand des Kaufmanns hatte sich in der Gesellschaft etabliert und die Verkehrswege waren deutlich sicherer geworden. Dazu kam ein bedeutender Strukturwandel in der Gesellschaft: die Vergrößerung der Städte. Dieser Wandel führte dazu, dass der Handel immer weniger auf Märkten stattfand, sondern die größeren Kaufleute wurden sesshaft. Sie etablierten in einer Stadt ihren Stammsitz und organisierten von dort aus die verschiedenen Geschäfte, die auch an mehreren Orten ansässig sein konnten. Beim Einkauf oder Verkauf ins Ausland entsendete man nun durchaus auch Vertreter. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg wuchs auch der politische Einfluss und die Städte wurden zunehmend von Kaufleuten beherrscht. Nicht zu unterschätzen ist auch die Veränderung der Geldwirtschaft, die die neuen Handelsstrukturen erleichterte. Erste Bankhäuser bildeten sich, das Zahlen mit Schuldscheinen, Wechseln und ähnlichen Kreditformen erleichterte den Warenverkehr und schützte vor Geldverlust durch Raub und Überfall.
Mit dem Einbruch des Heiligen Römischen Kaiserreichs, das die Kaufleute bis dahin unter seinen Schutz gestellt hatte, veränderte sich noch einmal das Handelsleben. Die Fürsten verweigerten in der Zeit des Interregnums zwischen etwa 1250 bis 1273 den Kaufleute ihren Schutz. In diese Leerstelle sprangen die einzelnen Städte ein, die nun die Handelswege beschützten und in ihren Stadtmauern auf die Einhaltung von Rechten und Privilegien der Kaufmannschaft achteten. Zunehmend bildeten sich übergreifende Bündnisse von Städten heraus, die gemeinsame Ziele verfolgten.
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