Frauen im Männerkostüm
Wer hatte wann die Hosen an?
„Meine erste Hose haben mir meine Brüder geschenkt und ich musste sie in der Schule heimlich auf der Toilette anziehen. Für meine Eltern waren Hosen für Mädchen völlig undenkbar.“
Oder auch die Idee, die ersten Jeans im Schließfach am Bahnhof zu deponieren und bei Bedarf heimlich anzuziehen – Frauen, die vor 1960 geboren wurden, können viele Geschichten darüber erzählen, unter welchen Umständen sie zum ersten Mal Hosen anziehen konnten. Aber nicht nur im Deutschland der Nachkriegszeit waren Hosen für Frauen eine Revolution. Es gab durch die Jahrhunderte der Geschichte immer wieder Frauen in Hosen, die damit aus ihrer Rolle fielen und im Theater oder auch im wirklichen Leben eine Aufsehen erregende Doppelrolle spielten.
Gerüchte und Legenden ranken sich um eine frühe erste Hosenträgern, die Päpstin Johanna. Seriöse Historiker stufen diese angebliche Päpstin als Legende ein, die seit dem 13. Jahrhundert im Umlauf ist. Angeblich hätte eine namenlose Päpstin im 11., aufgrund anderer Quellen im 9. Jahrhundert nach Christus amtiert und sogar ein Kind zur Welt gebracht. Auch wenn die Wissenschaft heute der sicheren Überzeugung ist, dass es so eine Päpstin nie gegeben hat, so wurde diese Legende doch in der Kirche lange Zeit für wahr gehalten. Ein Quellentext aus dem Jahre 1493 erzählt folgendes: "Johanna auss engelland erlanget mit bösen künsten das babstthumb, dann wie wol sie ein weipliche person was, so wannerd sie doch in gestalt unnd geperde eines mannßpilds.“
Eine etwas frühere Quelle weiß zu berichten: "Ain weib ward papst nach Christi gepürt achthundert siben und vierczig jare und besazz den den stul drew jar und fümf mened und het sich Johannes genennet. Si cham in mans chlaid ...“ Doch trotz der vielen schriftlichen Nennungen findet sich keine schlüssige Beweislage, die eine als Mann verkleidete Frau auf dem Papstthron beweisen kann. Donna W. Cross hat Johanna mit ihrem Bestseller Die Päpstin ein Denkmal gesetzt.
Zu den frühen Hosenträgerinnen gehört auch die französische Nationalheldin Jeanne d’Arc, (*ca. 1412), die als 13-jähriges Mädchen erste Visionen hatte und im Kampf von Frankreich gegen England eine tragende Rolle einnahm. Sie überzeugte den Hof und Klerus von der Wahrhaftigkeit ihrer Erscheinungen und davon, dass sie vom Himmel geschickt worden sei, um für Frankreich zu kämpfen. Daraufhin bekam sie eine Rüstung und eine kleine militärische Einheit gestellt und bewährte sich als Soldat wiederholt bravourös auf dem Schlachtfeld. Trotz ihrer militärischen Verdienste und eingetroffenen Vorhersagen hatte sie Widersacher, verlor die Gunst ihres Königs und wurde letztlich vor ein katholisches Gericht gestellt. Die Anklagepunkte reichten vom Feenzauber bis zum Mord, da sie als Soldatin offiziell nicht anerkannt war und damit alle in den Schlachten getöteten Gegner als quasi von ihr ermordet galten. Im Laufe des Prozesses wurde sie exkommuniziert und danach als unbelehrbare Ketzerin verurteilt. Als Beweis dafür sollte gelten, dass sie auch in der Gefängniszelle noch Männerkleidung getragen hätte. Ungeklärt ist, ob sie dort freiwillig Männerkleidung angezogen hatte oder ob ihr Frauenkleidung vorenthalten wurde – sie wurde als Ketzerin, die sich anhaltend weigerte, Frauenkleidung anzuziehen, auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Da Jeanne d’Arc im Volk überaus beliebt war und verehrt wurde, streute man ihre Asche in die Seine, um einem Reliquienkult vorzubeugen.
Jeanne d’Arcs Leben erregte nicht nur zu ihren eigenen Lebzeiten Aufsehen. Auch eine erste geplante Verfilmung ihres Lebens scheiterte 1934-35 daran, dass man das Drehbuch beim Vatikan einreichte und der diesem Drehbuch das Placet versagte. Aufgrund der kirchlichen Zensur traute sich die Produktionsfirma nicht, den Film zu machen. Erst 1957, nach einer Überarbeitung des Drehbuches durch Graham Greene, konnte die Verfilmung beginnen. Natürlich wurde das Leben der eisernen Jungfrau auch in zahlreichen historischen Romanen verarbeitet.
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