Frauen im Mittelalter und der Renaissance
Kaum ein Thema ist so inspirierend für Autoren historischer Romane wie die rechtlose und ohnmächtige Stellung der Frau im Mittelalter und der Renaissance. Unermüdlich kämpfen sich die Heldinnen der Romane durch ihr eigentlich aussichtsloses Schicksal, in der Hoffnung auf ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung. Historische Frauen wie Johanna von Orleans oder Elisabeth I. von England, die sich allen Widrigkeiten zum Trotz über die Grenzen ihrer vorgegebenen Rolle hinwegsetzten, sind hier leuchtende Vorbilder. Nicht selten schlüpft die Heldin in eine männliche Verkleidung, um so ihre Ziele erreichen zu können. Ein weiterer Anreiz ist die Beschreibung männerdominierter Epochen und historischer Ereignisse aus dem weiblichen Blickwinkel, zur Freude des überwiegend weiblichen Anteils der Leserzielgruppe.Das Leben der europäischen Frauen in Mittelalter und Renaissance spiegelt sich in vielfältigen Rollen wieder: als Mutter, Tochter, Ehefrau, Geschäftsfrau, Dienerin, Nonne, Ketzerin, Hexe, Königin und auch Märtyrerin. In der patriarchalischen Gesellschaft des Mittelalters unterstand die Frau dem nächsten männlichen Familienmitglied, sei es der Ehemann, Vater oder Bruder. Ihre Rolle war auf die häuslichen Pflichten ausgerichtet, so unterstanden ihr die Leitung des Haushaltes und die Erziehung der Kinder. Öffentliche Angelegenheiten, wie auch die Sorge für das finanzielle Überleben, waren allein Sache des Mannes. Die Einflussmöglichkeiten der Frau hingen in der ständisch geprägten Gesellschaft stark von ihrer sozialen Stellung ab. Während Frauen der höheren Stände neben Haushalt und karitativen Tätigkeiten durchaus Einfluss auf das kulturelle Leben nahmen, war dies den ärmeren Schichten nicht möglich. Als Ehefrau war die Frau im Leben der Familie auch ein wirtschaftlich wichtiger Faktor, brachte sie doch nicht nur ihre Mitgift, sondern auch die sozialen und wirtschaftlichen Verbindungen ihrer Herkunftsfamilie mit in die Ehe ein. Da die Ehe als wichtigste Säule der weltlichen Ordnung proklamiert war und neben dem Leben als Ordensschwester die einzige Lebensbestimmung der Frau, gerieten die zahlreichen ohne Mann lebenden Frauen in eine Außenseiterrolle.
In den Städten konnten Frauen teilweise Handwerksberufe im Textilgewerbe ausüben. Die Entstehung der Zünfte erlaubte Witwen die Handwerksbetriebe ihrer verstorbenen Männer weiter zu führen. Frauen, die in der Krankenpflege tätig waren, genossen als „weise“ Frauen hohes Ansehen. Durch die schlechte medizinische Versorgung bei Krankheiten, Geburten und mangelnde Hygiene erreichten viele Frauen nur ein Alter zwischen 15 und 35 Jahren. Sie hatten durchschnittlich 2,6 Kinder und konnten nach dem Tod ihres Mannes innerhalb des eigenen Standes wieder heiraten, natürlich mit Erlaubnis des nächsten männlichen Familienmitgliedes. Die humanistischen Strömungen und Neuordnungen in der Renaissance bewirkten zwar eine Aufwertung der Frau in der städtischen Gesellschaft, erhielten jedoch die Unterordnung der Frau unter die Autorität des (Ehe)Mannes aufrecht.
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