Hussitenkriege
1420-1434
Ende des 14. Jahrhunderts begann sich, vor allem unter dem Eindruck des Abendländischen Schismas, einer temporären innerkirchlichen Spaltung, eine tief greifende Missstimmung gegen die Kirche und ihre Repräsentanten breit zu machen. Vor allem die kirchliche Abgabepolitik und die zunehmende Verweltlichung des Klerus führten zu reformatorischen Strömungen.
In Böhmen entwickelte sich um den Theologen Johannes Hus massiver Widerstand gegen die kirchliche Obrigkeit. Hus griff in seiner Lehre weitgehend auf das Gedankengut den englischen Reformators John Wyclif (1320-1384) zurück. Seine Kirchenkritik wurde zunehmend radikaler und führte bis zur Ablehnung des Papsttums, woraufhin 1410 der Kirchenbann über ihn verhängt wurde. Die Anziehungskraft seiner Lehre blieb davon bei einem Großteil seiner Landsleute unberührt. 1414 wurde er unter der Zusicherung freien Geleits vor das Konstanzer Konzil geladen, um sich persönlich zu rechtfertigen. Das vom späteren Kaiser Sigismund zugesicherte freie Geleit wurde jedoch missachtet und Hus wegen Ketzerei zum Tod auf dem Scheiterhaufen (1415) verurteilt.
Die Nachricht seines Todes löste in Böhmen heftige Proteste aus, in deren Folge die Hussitenbewegung, nicht nur als reformatorische Kraft, sondern auch als böhmische Freiheitsbewegung entstand.
Die Hussiten spalteten sich in zwei Flügel, die Calixtiner und die radikaleren Taboriten. Die Forderungen der Bewegung nach dem Abendmahl in beiderlei Gestalt, der freien Predigt auch für Laien, des Verzichts des Klerus auf weltlichen Besitz und der harten Bestrafung von Todsünden wurden 1420 in den „Vier Prager Artikeln“ zusammengefasst.
Als König Sigismund, der von den Hussiten durch seinen Wortbruch als Mörder von Johannes Hus betrachtet wurde, sein Erbe als König von Böhmen antreten wollte, weiteten sich die Proteste zum offenen Krieg aus. In mehreren Schlachten schlugen die hussitischen Truppen das katholische Heer von Sigismund und dem Papst. Böhmen und die angrenzenden Länder Österreich, Ungarn, Bayern, Sachsen und Schlesien wurden bei den von beiden Seiten grausam geführten Schlachten verwüstet.
Nach langwierigen Verhandlungen mit den gemäßigten Hussiten gewährte die Kirche auf dem Baseler Konzil schließlich einige Zugeständnisse, so wurde ihnen der Laienkelch zugestanden. Darauf verbündeten sich die gemäßigten Hussiten mit König Sigismund und der Kirche gegen die radikalen Taboriten, diese wurden 1434 in der Schlacht bei Lipany besiegt.
Im 16. Jahrhundert schlossen sich viele Hussiten der Reformation Luthers an, während einige Nachfahren des radikaleren Flügels die Böhmische Bruderkirche bildeten.
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