Kleine Geschichte der Medizin
Neben der Astronomie ist die Medizin die älteste Wissenschaft. Bereits im antiken Griechenland gab es medizinische Einrichtungen in den Tempeln des Heilgottes Äskulap. Als Vater der Medizin gilt Hippokrates, der mit der Theorie einer auf Göttern, Magie und Traumdeutung beruhenden Medizin brach und seine Arbeit auf sorgfältige Beobachtung und natürliche Heilung stützte. Der neben Hippokrates bedeutendste Arzt in der Antike war Galen von Pergamon, der im 2. Jh.n.Chr. Krankheiten als Störungen im Gleichgewicht der vier bestimmenden Körpersäfte (Blut, Schleim, Galle und schwarze Galle) deutete. Mit dieser Theorie blieb Galen die unumstrittene Autorität bis in die frühe Neuzeit.Die Frühzeit der abendländischen Medizin trägt zu Recht den Namen Klostermedizin, das antike heilkundliche Wissen wurde von Mönchsärzten bewahrt und weiter überliefert. Neben der Krankenpflege widmeten sie sich der Arzneimittelzubereitung, als wichtigste diagnostische Maßnahme galt die Harnschau, beliebtes therapeutisches Mittel war der Aderlass. Die wohl bekannteste Vertreterin der Klostermedizin, Hildegard von Bingen, brachte die antike Medizin mit christlichen Elementen und germanischem Heilswissen in Einklang. So genannte Weise Frauen heilten mit Hilfe ihres von Frau zu Frau überlieferten Kräuterwissens.
Mit der Entwicklung der Universitäten wies die akademische Ausbildung des Arztes der Medizin völlig neue Wege und Möglichkeiten. Die Schule von Salerno entwickelte sich im Kaufe des 12. Jahrhunderts zu einer eigenständigen Gelehrtenrepublik, Anatomie, Pharmazie und Chirurgie entwickelten sich zu eigenen Disziplinen. Auch Frauen durften hier studieren und als Arzt praktizieren.
Revolutionär für die wissenschaftliche Anatomie wurde das 1543 das von Andreas Vesalius veröffentlichte Buch „Über den Bau des menschlichen Körpers“. Anhand von heimlich durchgeführten Leichensektionen hatte der belgische Anatom erkannt, dass viele der seit Aristoteles und Galen gültigen Lehrmeinungen auf anatomischen Fehlern aufbauten.
Eine ständige Herausforderung für die Mediziner war die Bekämpfung von Seuchen wie etwa der Die Pest, hier hielt sich noch bis ins 19. Jahrhundert der auf Galen und den arabischen Arzt Avicenna zurückgehende Irrglaube, dass Verunreinigungen der Luft für die Ausbreitung der Seuchen verantwortlich seien. Erste breite Erfolge in der Seuchenabwehr stellten sich mit der Eindämmung der Pest durch rigorose Hygienemaßnahmen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein.
Im Jahr 1796 gab es die erste Impfung gegen die Pocken, die russische Zarin Katharina die Große ging hier mit gutem Beispiel voran und war die zweite Frau in Russland, die sich impfen ließ.
Mit der Entdeckung des Antibiotikums Penicillin durch Alexander Fleming 1928 stand der Medizin erstmals ein wirksames Mittel zur Bekämpfung von bakteriellen Infektionskrankheiten zur Verfügung. Weitere Meilensteine in der Entwicklung von Heilmitteln waren 1921 der Einsatz von Insulin gegen Diabetes und 1954 die Entwicklung eines Serums gegen Kinderlähmung.
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