Landshuter Hochzeit
1475
Das auslaufende Jahrhundert ging einher mit einem Generationenwechsel und mit dem Ende der mittelalterlichen Epoche hin zur Reformation und zu Europas Aufbruch in die Welt. So hatte die Hochzeit, die 1475 zwischen dem bayrischen Herzog Georg des Reichen und Hedwig von Polen gefeiert wurde, auch große politische Bedeutung.
Denn die Türken hatten 1453 Konstantinopel genommen und waren seitdem eine schwelende Bedrohung. Durch das Bündnis zwischen Polen und Bayern bzw. Deutschland sollte eine starkes Bollwerk gegen die Türken gebildet werden.
Der Eheschließung gingen intensive Gespräche voraus, denn Hedwig war eine begehrte Braut, da sie die Tochter des polnischen Königs war. Fast ein Jahr dauerte es, bis der Ehevertrag geschlossen werden konnte. Zusätzlich kam hinzu, dass beide mit dem österreichischen Königshaus verwandt waren und eine päpstliche Dispens benötigten.
Daraufhin begann die achtzehnjährige Braut ihre Brautfahrt, die sie über Berlin nach Wittenberg – wo sie an den Herzog übergeben werden sollte, doch da sich der Kaiser bereits in Landshut angekündigt hatte und die Pest entlang des Weges wütete, holte Otto von Neumarkt sie ab – über Nürnberg und schließlich nach Landshut führte.
In Landshut wurde Hedwig herzlich von Fürsten und Bischöfen begrüßt. Der Kurfürst von Brandenburg, Albrecht Achilles, verglich die Hochzeit sogar mit einer göttlichen Fügung „zum Nutzen von Christenheit und Reich“.
Das Brautpaar wurde vom Salzburger Erzbischof Bernhart von Rohr in der Pfarrkirche St. Martin getraut. Ein prächtiger Brautzug führte anschließend durch die Altstadt zum Rathaus, wo Kaiser Friedrich III. die Braut zum Hochzeitsreigen führte. Die Hochzeitsfeierlichkeiten dauerten eine ganze Woche. Am Vormittag nach der Hochzeit wurden die Brautgeschenke durch den Bräutigam und durch Fürsten und Gesandte überreicht. Der Kaiser wollte nichts schenken, erst nach einer Warnung durch den Markgrafen, dass daraus eine üble Nachrede entstehen könnte, schenkte er der Braut eine Brosche, die er auf tausend Gulden schätze, die umstehenden Herren aber nur auf die Hälfte. Nach dem Gebot Herzog Ludwigs hatten die Bürger eine Woche zechfrei. Kein Wirt durfte Speisen und Getränke für Geld bieten. Es war eine herzogliche Küche eingerichtete worden, in der sich jedermann sein Essen holen konnte. Zusätzlich gab es noch einen Weinstand, an dem jeder Bürger am Tag eine Maß bekam und morgens und abends einen Leib Brot. Überdies wurden Turniere veranstaltet, zu Kurzweil. Die Turnierkämpfe wurden inmitten der Altstadt abgehalten und die Braut sowie die Fürstinnen und Edeldamen sahen von den Fenstern herab zu. An die zehntausend Gäste feierten mit dem Brautpaar.
Alle vier Jahre wird die Landshuter Hochzeit aufwendig inszeniert und in Landshut nachgespielt. Den Höhepunkt bildet immer der Einzug der Hochzeitsgesellschaft in die Stadt. Aber es gibt noch viele weiter Veranstaltungen, wie Reiter- und Ritterturniere, einen Mummenschanz oder das Lagerleben. Alle Personen werden von Landshutern in authentischen historischen Kostümen gespielt.
Weitere historische Romane
Iny Lorentz
Die Wanderhure
EUR (D)
9,99
Heidi Rehn
Die Wundärztin
EUR (D)
8,99
Carla Federico
Im Land der Feuerblume
EUR (D)
9,99
Wolf Serno
Die Liebe des Wanderchirurgen
EUR (D)
9,95
Helle Stangerup
Der Brautmaler
EUR (D)
8,95