Reformation
16. Jahrhundert
Kirche und Religion waren die entscheidende kulturelle, gesellschaftliche und politische Klammer Europas. Durch die Verflechtung von Religion und Politik jedoch wuchsen die Missstände in der katholischen Kirche, die durch das abendländische Schisma (1378-1417), eine zeitweilige innerkirchliche Spaltung, zusätzlich geschwächt war.
Die Kirche war zu einem weltumfassenden hierarchischen Herrschaftsinstrument mit autoritärer Macht, nicht nur in Glaubensfragen sondern auch im politischen Geschehen geworden. Schlecht ausgebildete Priester und Bischöfe, die ihre Ämter zum Teil erkauft hatten und sich mehr um weltliche Dinge als um ihre Schäfchen kümmerten, vergrößerten den Autoritätsverlust der Kirche und schürten Unzufriedenheit im Volk. Notwendige und zum Teil auf Konzilien beschlossene innerkirchliche Reformen wurden verschoben.
Bereits im Mittelalter hatte es verschiedene Bewegungen zur Reformierung der Kirche und ihrer Glaubensinhalte gegeben, die jedoch alle scheiterten. Bahnbrechende Entwicklungen, wie die Erfindung des Buchdrucks, die Entdeckung des heliozentrischen Weltbildes und die Entdeckung Amerikas schürten Unsicherheit im Volk und rüttelten am althergebrachten System.
Zur Finanzierung des Neubaus des Pertersdoms in Rom erließ Papst Leo X. Anfang des 16. Jahrhunderts einen speziellen Ablaß, der verstorbenen Angehörigen Sündenerlass versprach. Neben anderen theologischen Kritikpunkten nahm der deutsche Augustinermönch und Theologieprofessor Martin Luther im Jahr 1517 diese Bußpraktik der Kirche zum Anlass für die Veröffentlichung von 95 Thesen, die hierauf kritisch Bezug nahmen.
Eigentlich als theologischer Disput mit dem Ziel innerkirchlicher Reformen erdacht, führte die schnelle Verbreitung Luthers Schriften zu einer volkstümlichen und schließlich politischen Bewegung. Durch die anstehende Kaiserwahl Karls V. (1519) war der Papst auf die Stimmen der deutschen Fürsten angewiesen, so konnte der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise Luther vor der Verfolgung der Kirche schützen. Dieser weigerte sich in verschiedenen Anhörungen beharrlich, seine reformatorischen Schriften zurückzunehmen, sollte er nicht durch die Bibel selbst widerlegt werden.
Neben der Rechtfertigungslehre, die besagte, dass der Mensch vor Gott nicht durch eigene Anstrengungen, sondern allein durch die Gnade Gottes im Glauben erlangen konnte, entwickelte er die Lehre des allgemeinen Priestertums, der ausschließlichen Autorität der Heiligen Schrift und der Ablehnung des bisherigen Sakramentenverständisses. Diese weitgehenden theologischen Entwicklungen ließen eine innerkirchliche Reform nicht mehr zu.
Luther wurde schließlich exkommuniziert und im Reichstag von Worms 1521 schlossen sich einige Fürsten, teils aus politischen Gründen, seiner Lehre an. Das Luthertum breitete sich in den folgenden Jahren auch über die deutschen Grenzen hinaus aus.
Parallel zu den Ereignissen in Deutschland vollzog sich in der Schweiz die Reformation unter Ulrich Zwingli und Johannes Calvin. In England sagte sich Heinrich VIII. 1534 von der katholischen Kirche los und gründete die anglikanische Staatskirche, beeinflusst von den Lehren Calvins.
Die Kirchenspaltung führte zu einem Zeitalter blutiger Glaubenskriege in Europa und zur Gegenreformation, dem Erneuerungsprozess der katholischen Kirche, der vor allem durch die Beschlüsse des Konzils von Trient (1545-1563) wirksam wurde.
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