Zur Geschichte des Tarot
Was ist Tarot? Zunächst einmal: ein Kartenspiel. Darüber hinaus ist es ein Kartenspiel, das zur Vorhersage der Zukunft benutzt wird. Damit betritt man mit dem Gebrauch des Tarot einen Bereich, der die sinnlich wahrnehmbare Welt verlässt und die Welt des Phantastischen eröffnet. Tatsache ist, dass die meisten eine Form der Sicherheit und Erdung gerne haben, wenn sie sich auf diese Phantasie-Reisen einlassen, eine Tasse Kaffee in der Hand oder die Popcorntüte im Kino. Tarot ist so eine Art sichere Landkarte, vergleichbar mit den mittelalterlichen Landkarten, auf denen neben den Landschaften auch Monster, Fabelwesen etc. eingezeichnet waren. Tarotkarten bilden die Dinge ab, die die Phantasiewelt bevölkern, ähnlich wie Märchen, Träume etc.Die 78 Bilder, aus denen ein Tarotsatz besteht, bilden den Stoff des menschlichen Lebens und Träumens. Sie spiegeln die Ereignisse, Gefühle und Ideen, die für nahezu alle Menschen wichtig und prägend sind.
Diese Bilder lassen sich grob in zwei Bereiche trennen, nämlich die Karten des so genannten großen Arkana und des kleinen Arkana. Dabei bildet das große Arkana die Dinge ab, die das Schicksal und den Charakter betreffen, während die Bilder des kleinen Arkana eher die Umstände und das Verhalten symbolisieren. Innerhalb des kleinen Arkana sind es dann die Hofkarten, die die Personen verkörpern, die Zahlen beziehen sich auf weltliche Ereignisse und die Einflusssphären sind mit den Assen dargestellt.
Herkunft der Spielkarten
Der Ursprung des Tarot wie der Spielkarten allgemein ist geheimnisvoll. Im Osten gab es deutlich früher Karten als in Europa, allerdings ohne Angaben dazu, wer die Karten erfand und wie sie entstanden. Vermutet wird, dass die östlichen Karten von den Kreuzrittern mitgebracht wurden, aber es gibt keine stichhaltigen Beweise dafür, dass sie die Vorlage für die westlichen Karten waren. Von Anfang an war der grundsätzliche Aufbau der Karten einheitlich, wobei es aber über die 22 Trümpfe hinaus verschiedene weitere Besetzungen der Karten gab, sodass manche Karten noch zusätzliche Trümpfe hatten oder eine andere Anzahl von Hofkarten. Dennoch, trotz unterschiedlicher Einzelheiten und Abwandlungen, kann man sagen, dass sich der grundlegende Bilderbestand über Jahrhunderte in der ursprünglichen Form erhalten hat und ab 1500 die Tarotkarten standardisiert waren. Diese Standards galten nicht nur für die Abbildungen auf den Karten, sondern auch für die Nummerierungen oder die Bildbezeichnungen.
Von großem Interesse war diese Frage der Herkunft aber über Jahrhunderte hinweg auch nicht. Erst im 19. Jahrhundert wurde diese Frage dann besonders ins Visier genommen.
Geschichte des Tarot
Aus einer italienischen Predigt im ausgehenden 15. Jahrhundert weiß man, dass das Tarot zu diesem Zeitpunkt bereits so verbreitet war, dass ein Franziskanermönch dagegen Stellung bezog. Das Glücksspiel war im allgemeinen nicht gerne gesehen, war es doch angeblich vom Teufel erfunden und seine Spieler dem Teufel geweiht. Ganz besonders verwerflich aber war das Glücksspiel mit den „Trumpfkarten“ (d.i. Tarot), denn die Trumpfkarten bildeten auch weltliche Herrscher und Kirchenfürsten wie den Papst ab – beschämend für Christenmenschen. Zu diesem Zeitpunkt war das Kartenspiel bereits seit etwa 100 Jahren bekannt – seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts gibt es schriftliche Zeugnisse über das Kartenspielen allgemein. Durch die schlechte Quellenlage, die zwar Spielkarten nachweist, aber nicht vermerkt, ob in den Spielkarten auch Trümpfe vorhanden waren, weiß man nur wenig über das erste Aufkommen von Tarotkarten.
Auch der Name Tarot gibt wenig Aufschlüsse über die Geschichte des Spiels. Ins Deutsche wurde der Name aus dem Französischen übernommen, denn tarot ist der französische Begriff für ein Spiel mit 78 Blatt. Nach Frankreich wiederum scheint das Spiel aus Italien gekommen zu sein, wo es tarocco hieß. Interessant ist in dem Zusammenhang, dass dieser Name sich aber erst durchsetzte, als das Spiel selber bereits bekannt war – zunächst sagte man einfach nur carte de trionfi zu dem Spiel, „Karte mit Trümpfen“. Ein erster schriftlicher Nachweis ist ein Rechnungsbuch des Hofes von Ferrara aus dem Jahre 1442, das Trumpfkarten aufführt. Erst 1516 findet man einen Eintrag als tarocco in einem anderen Rechnungsbuch aus Italien.
Der sicherste Nachweis für die Herkunft und Existenz des Tarot sind die Karten selber, die zum Teil wundervolle Kunstwerke en miniature sind. Zum Teil mit Blattgold hinterlegt, phantasievoll und elegant gearbeitet, spiegeln diese frühesten erhaltenen Karten aus der Zeit zwischen 1420 und 1450 die Kunst der frühen italienischen Renaissance. 250 dieser wunderbaren Karten sind heute noch erhalten, die aus verschiedenen Spielen stammen, aber zusammen als die „Visconti-Spiele“ bekannt sind, weil sie alle aus dem Besitz des Herzogs von Mailand und seiner Verwandten stammen.
Italien und vor allem die Städte Bologna, Ferrara und Mailand waren Zentren des Tarotspiels. Wer aber die Karten dieses so beliebten Spiels schuf, ist heute nicht bekannt. Auf keiner Karte sind Signaturen oder Initialen vermerkt, ebenso fehlen Unterlagen wie Rechnungen, Briefe oder Auftragsbücher, die Auskunft über die Künstler der Karten geben könnten.
So wenig man über die Herkunft des Tarots selber weiß – sehr sicher ist die Geschichte seiner esoterischen Auslegung belegt. Zwischen dem Auftauchen der Karten am Anfang des 15. Jahrhunderts und bis Ende des 17. Jahrhunderts war das Tarot in Europa verbreitet, sogar angeblich in Frankreich verbreiteter als das Schachspiel. Dann sank der Stern dieses Spiels, um Ende des 18. Jahrhunderts in einer Art Renaissance wieder aufzuleben. Von nun an wurde das Tarot zunehmend als Instrument für esoterische Auslegungen benutzt. Man hoffte einen okkulten Wissensschatz darin zu finden – ein Wunsch, der dem Tarot bis heute anhängt und nicht wenige Schriftsteller zum Schreiben über dieses geheimnisumwitterte Medium inspiriert!
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