Verlagsgruppe Droemer Knaur

So liest man heute.

Leipzig – Mord certa est

Einleitung

Markus Heitz über den Schauplatz seines Thrillers Totenblick

Leipzig

… ist mir zum ersten Mal persönlich durch die Buchmesse und das WGT (Abk. f. Wave Gotik Treffen) begegnet.

Ich reise größere Strecken prinzipiell via Bahn, weil ich unterwegs am Laptop arbeiten kann, Ride 'n' Write.
Also kenne ich das Gefühl sehr gut, aus dem Zug zu steigen, den Bahnhof zu betreten und eine erste Schwingung aufzunehmen.
Hier entscheidet sich schon sehr viel.
Und es gibt Städte, in denen man den vielleicht ansprechenden Bahnhof verlässt, vor die Tür tritt und eine Woge der plötzlichen Abneigung in sich spürt. Sie ist gar nicht mal konkret, sondern ein Mix aus allen Eindrücken, die man wahrnimmt.

Als ich zum ersten Mal aus dem herrlichen Leipziger Bahnhof kam, gab es nichts Schlechtes.
Ganz im Gegenteil, ich fand die Stadt faszinierend. Einfach so.
Dieser Eindruck bestätigte sich im Laufe der Jahre, und das lag nicht nur daran, dass Mephistopheles hier sein Unwesen getrieben haben soll. Das könnte man einem Horror-Thriller-Spannungs-Autoren unterstellen, das gebe ich zu.
Es führte kein Weg daran vorbei, die Stadt immer wieder in meine Romane und Kurzgeschichten einzubauen.

Als dann noch der Thriller Totenblick im Raum stand, war klar: Er muss einfach in Leipzig spielen!
Diese Mischung aus Alt und Neu, die Vielfalt in Sachen Kultur, die in der Tat aufgeschlossenen Menschen, die ganze Abwechslung in der überschaubaren Großstadt – besser ging es kaum mehr.

Die Suche nach möglichen Handlungsorten erwies sich als recht einfach, denn: Bei aller Pracht und, pardon, gelegentlich sehr fragwürdiger moderner Architektur, gibt es zahlreiche Orte, die verfallen und verwunschen daherkommen; sogar im Zentrum, auch wenn dort gerade das große Umbauen in vollem Gange ist.
Bewegt man sich abseits des Zentrums oder runter von eben diesen Straßen, die jeder kennt, wie die KarLi oder die Nikolaistraße, stolpert man mitunter von einem leerstehenden Haus zum nächsten. Gelegentlich sucht die Stadt Leipzig nach Investoren, wie die Schilder daran verraten.

Und was wäre prädestinierter als Tatort?
Inmitten der Stadt, am besten neben einer Tram-Strecke, wer soll da die Schreie eines Opfers hören? Auf Details möchte ich an der Stelle gar nicht eingehen, es findet sich alles im Roman – und bevor ich viel verrate, neudeutsch spoilern, verfalle ich in Schweigen. Aus den berühmten dramaturgischen Gründen.

Kaum hatte ich den Roman geplottet, die Lokalitäten herausgesucht, in Leipzigs Geheimnissen gestöbert (inklusive Besuch eines leerstehenden Hauses, das nicht abgeschlossen war, hoppla) und mit dem Schreiben angefangen, machte sich die Stadt einen Spaß daraus, sich in den folgenden Monaten zu verändern.
Ich verlor den Wettlauf.
Etliche Straßenzüge wechseln gerade ihren Anblick, mancher Ort sieht nicht mehr so aus, wie im Roman beschrieben. Das macht den Reiz der Stadt aus.

Und so kann ich einfach nur empfehlen: Vorbeikommen, anschauen, Augen offenhalten und erfahren, was Leipzig zu bieten hat, von Gewandhaus bis Absinth-Kneipe, von Moritzbastei bis Auensee.
Und wenn Sie denken, Sie haben alles gesehen, hat sich Leipzig bestimmt wieder verändert.

Ach ja, das nächste Buch bei Droemer Knaur wird sicherlich wieder in dieser Stadt spielen. Aber um was es genau geht, DAS kann ich auch noch nicht verraten.
Dramaturgische Gründe und so …
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