60 Jahre Kriegsende - Als die Erde brannte
Esther Bejarano spielte im Mädchenorchester des Konzentrationslagers Auschwitz und sicherte damit ihr Überleben. Nach ihrer Flucht vom Todesmarsch aus Ravensbrück, wanderte sie nach Israel aus und ließ sich dort zur Koloratursopranistin ausbilden. 1960 zog sie nach Hamburg, wo sie seit vielen Jahren in der Musikgruppe "Coinciedence" singt und sich politisch engagiert. Zudem reist Esther Bejarano durch Schulen und stellt sich den Fragen der Schüler. Sie ist Vorsitzende des Auschwitz-Kommitees und kämpft unablässig gegen das Vergessen."Wir waren ganz alleine in dem Restaurant, was mich wunderte. Die Deutschen haben sich alle versteckt, und ich dachte, dass sie vielleicht Angst vor den amerikanischen Soldaten haben.
Während wir in dem Restaurant saßen, hörten wir auf einmal einen lauten Krach auf der Straße und keiner wusste, was los war. Obwohl uns die Amerikaner gewarnt hatten, wollten wir doch nachsehen, was da los war. Darum sind die Soldaten mit uns aus dem Restaurant gegangen und wir sahen die Rote Armee einmarschieren und hörten sie rufen Kapitulation! Der Krieg ist zu Ende! Hitler ist tot!
Was dann passierte, war einfach Wahnsinn. Die amerikanischen und russischen Soldaten haben sich in den Armen gelegen, sich geküsst und waren außer sich - und wir waren mittendrin.
Nach einer Weile meinte ein russischer Soldat, dass das gefeiert werden muss. Darum ist ein Russe in ein großes Geschäft neben dem Marktplatz gegangen und hat dort aus dem Schaufenster ein riesiges Hitlerbild geholt. Das haben die russischen und amerikanischen Soldaten auf den Marktplatz gestellt und angezündet. Alle, auch die Soldaten, tanzten um dieses brennende Hitlerbild und ich spielte Akkordeon. Das war meine Befreiung."
Esther Bejarano - Vorsitzende des Auschwitz-Kommittees
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