Ana Veloso auf Recherchereise in Goa
Für ihren neuen historischen Roman reiste die Autorin Ana Veloso für drei Monate an den Schauplatz von „Der indigoblaue Schleier“ und berichtet Ihnen von ihren Eindrücken!
Liebe Leserinnen und Leser,
woran denken Sie spontan, wenn Sie „Goa“ hören? An Strandurlaub? An Alt-Hippies oder Rave-Partys? An Ayurveda und Yoga?
An all diese Dinge dachte ich jedenfalls. Als Schauplatz für einen historischen Roman drängte sich mir Goa angesichts dieser Assoziationen da nicht gerade auf. Bisher spielten ja all meine Bücher in portugiesischsprachigen Ländern.
Doch genau das war Goa bis vor 50 Jahren. Diese geographisch wie klimatisch privilegierte Küstenregion südlich von Bombay (Mumbai) war mehr als 450 Jahre lang eine Kolonie Portugals und bescherte einst dem Mutterland dank des Gewürzhandels enormen Reichtum. Erst in den 60er-Jahren löste Goa sich aus der kolonialen Abhängigkeit und schloss sich Indien an. Heute ist es der kleinste indische Bundesstaat, der sich von den anderen vor allem durch seinen relativen Wohlstand sowie den hohen Anteil an Katholiken unterscheidet. Es wimmelt in Goa vor katholischen Kirchen und Kapellen. Viele Familiennamen zeugen von der jahrhundertelangen Anwesenheit der Portugiesen – Souza, Campos oder Oliveira –, und auch die Architektur älterer Gebäude lässt kaum einen Zweifel an der Herkunft der einstigen Besatzer. Die alte Amtssprache jedoch, die spricht nach 50 Jahren kaum noch jemand.
Dabei war das doch einer der Gründe für meine Reise nach Goa. Ich wollte hören, wie das indische Portugiesisch klingt, ob es sich vielleicht weicher als das europäische Original anhört, ob es eine andere Melodie besitzt oder ob der Wortschatz eine regionale Ausprägung hat. Leider traf ich nur eine einzige Inderin, die noch Portugiesisch sprach, und bei der handelte es sich um eine rund 90-jährige Dame, die dank eines schlecht sitzenden Gebisses kaum zu verstehen war.
Mit solchen und noch weitaus frustrierenderen Erlebnissen muss man leider immer rechnen, wenn man vor Ort recherchiert. Dennoch ist eine Recherchereise durch nichts zu ersetzten. Geschichtliche Daten lassen sich heutzutage zwar praktisch überall herausfinden, aber noch ist das Internet nicht in der Lage, sinnliche Eindrücke zu vermitteln. Wie klingt das Prasseln des Monsunregens auf dem Laub der Bäume? Wie fühlt sich frisch geernteter Pfeffer an? Wie schmeckt ein echtes vindaloo, eines jener Gerichte, in denen sich portugiesische und indische Einflüsse vermischen? Welches Farbspektakel malt der Sonnenaufgang an den Horizont? Wie anmutig bewegen sich die jungen Mädchen, wenn sie Wasserkrüge auf dem Kopf balancieren? Und wie duften Frangipani-Blüten in der Abenddämmerung?
Die Bücher der Autorin
Ana Veloso
Der indigoblaue Schleier
EUR (D)
16,99
Ana Veloso
So weit der Wind uns trägt
EUR (D)
8,95
Ana Veloso
Der Duft der Kaffeeblüte
EUR (D)
9,99