Anne Hertz im Interview
"Frauke ist etwas sachlicher und Wiebke romantischer"
Eine Erfolgsgeschichte „made in Germany“: Sofort mit ihrem Debütroman „Glückskekse“ wurde Anne Hertz zu einer festen Größe im deutschen Unterhaltungsmarkt. Dem ersten Bestseller folgten bislang vier weitere („Wunderkerzen“, „Sternschnuppen“, „Trostpflaster“, „Goldstück“) – nun freut sich die stetig wachsende Fangemeinde auf den jüngsten Streich, „Sahnehäubchen“. Für große Überraschung sorgte 2008 die Enthüllung, dass Anne Hertz eigentlich zwei Autorinnen sind – Wiebke Lorenz und Frauke Scheunemann aus Hamburg, die nicht nur gemeinsam schreiben, sondern als Schwestern auch einen großen Teil ihres Lebens gemeinsam verbringen. Wir trafen die beiden in Hamburg.
Liebe Wiebke, liebe Frauke – jedes Jahr ein neuer Bestseller, und immer noch gehen euch nicht die Ideen aus. Was hat euch zu eurem neuen Roman „Sahnehäubchen“ inspiriert?
Wiebke Lorenz: Ich habe für eine Reportage einen selbsternannten Verführungskünstler interviewt und ihn dabei eine Nacht lang auf der Reeperbahn begleitet. Das Ergebnis war eher ernüchternd – Gottes Geschenk an die Frauen hatte ich mir eindeutig anders vorgestellt.
Frauke Scheunemann: Die Idee, dass so ein Mega-Macho denkt, er könne anderen Männern zeigen, wie „es“ geht, fanden wir dann aber doch beide so lustig, dass die Idee zu „Sahnehäubchen“ geboren wurde.
Hand aufs Herz – können Machos nicht auch ein bisschen sexy sein?
Frauke Scheunemann: Auf jeden Fall! (lacht) Ein Mann, der im Brustton der Überzeugung behauptet, er wisse genau, wo es lang geht, ist schon sehr anziehend. Frau darf sich nur nicht wundern, wenn sie nachher nicht in Paris, sondern in Peine landet.
Wiebke Lorenz: Wo es aber auch sehr schön ist. (lacht)
Wie wehrt man sich am besten gegen die Anmache eines Mega-Machos?
Frauke Scheunemann: Ach, die sind ja mittlerweile so selten geworden, dass der WWF sie schon auf die Liste der bedrohten Tierarten gesetzt hat und sie nicht mehr abgeschossen werden dürfen. Insofern: Ruhe bewahren, lächeln – und den Typen so lange die Getränke bezahlen lassen, bis er pleite ist.
In vielen Romanen, die von Frauen für Frauen geschrieben werden, ist eine Singlefrau auf der Suche nach Mr. Right. In euren Büchern ist das anders. Warum?
Wiebke Lorenz: Vielleicht sind wir zu phantasielos – denn die klassische Konstellation „boy meets girl, happy end“ würde bei uns höchstens 43 Seiten füllen. Da wir aber einen cholerischen Lektor haben, der auf einem vollständigen Buch besteht, sind wir gezwungen, uns noch ein paar mehr Gedanken zu machen – nämlich über Männer, Frauen und das Leben an sich.
Frauke Scheunemann: Außerdem finden wir es selbst auch viel spannender, über Frauen zu lesen, die eben nicht mit dem erstbesten Traummann glücklich werden, sondern erst einmal mit sich selbst. Und die sich, um das Beispiel von eben noch einmal zu bemühen, die Fahrkarte nach Paris selbst kaufen.
Traum-Mann gesucht?
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