Auf dem roten Teppich: Ulf Schiewe
Der Autor von historischen Romanen steht uns Rede und Antwort!
Beschreiben Sie sich mit drei Worten!
Ulf Schiewe: Na, das fängt ja gut an. Wer mag sich schon gern selbst beschreiben? Und dann auch noch mit drei Worten. Solche Beurteilungen sollte man lieber Anderen überlassen, denn egal, was man sagt, es ist immer falsch. Aber wenn Sie darauf bestehen, nenne ich drei Eigenschaften, die mir von Bedeutung sind. Ob ich sie verkörpere, weiß ich nicht. Ich halte es für wichtig, tolerant zu sein, offen und neugierig für die Welt und um Gottes willen nicht das Schöne aus den Augen zu verlieren.
Was macht Ihnen schlechte Laune, was macht Ihnen Freude?
Ulf Schiewe: Ich bin kein launischer Mensch, auch kein Morgenmuffel. Aber natürlich gibt es Dinge, die einem die Laune verderben können. Manche Bücher zum Beispiel. Ich lese viel und gern, aber wenn man sich auf ein Buch gefreut hat, und es entpuppt sich als langweilige Enttäuschung, während man sich immer weiter quält, in der Hoffnung, da muss doch noch was kommen ... das gibt mir schlechte Laune. Irgendwann pfeffere ich es dann genervt in die Ecke und ärgere mich über die verlorene Zeit.
Was mir Freude macht? Ich werde bald zum ersten Mal Großvater. Darauf freue ich mich ganz besonders. Als Großeltern darf man die kleinen Racker nach Herzenslust verwöhnen, die Probleme überlässt man den Eltern, nicht wahr? So jedenfalls präsentiert sich das Klischee.
Sie können Frühstück, Mittag- und Abendessen an drei unterschiedlichen Orten auf der Welt einnehmen – wohin führt Sie diese Reise?
Ulf Schiewe: Wohl gemerkt, es geht ums Essen, nicht ausschließlich ums Reisen, vermute ich. Also da nehme ich das Frühstück in New York. Die Amerikaner haben eine unglaubliche Palette an Frühstücksgenüssen zu bieten. Hash Browns, Eggs Benedict, Toast, Bagels, Bacon, Orange Juice und Früchte. Und New York ist ja auch nicht schlecht. Ein ausgedehntes und gemütliches Mittagessen definitiv in Rom (ich liebe italienische Küche) mit anschließendem Spaziergang durch die Stadt, um noch einen Espresso oder ein „gelato“ irgendwo an einer sympathischen Ecke zu genießen. Das Abendessen dann mit alten Freunden in einem Bistro in Paris, wo ich drei Jahre gelebt habe. Meine Frau und ich, frisch verliebt, hatten eine kleine Wohnung an der Seine direkt hinter Notre Dame.
Kaffee oder Tee?
Ulf Schiewe: Morgens Kaffee und nachmittags Tee. Ich nehme alles. Leider.
Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus?
Ulf Schiewe: Kaffee und Croissant im Bett, ein Schwätzchen mit meiner Frau. Nur damit nicht der falsche Eindruck entsteht: Frühstück gehört zu meinen Jobs, wie Müll und Spülmaschine, gelegentlich Gemüseschneiden. Ich bin also nur ein kleiner Macho, kein großer.
Danach wühle ich mich mit der zweiten Tasse Kaffee durch die Nachrichten im Internet. Dann leg ich mit meiner Arbeit los und kriege hoffentlich etwas halbwegs Vernünftiges zustande. Mittags tut mir das Kreuz weh. Dann muss ich raus, Joggen. Am Nachmittag recherchieren, überarbeiten. Und mit nahendem Abend bekomme ich Hunger, weil ich tagsüber eher mäßig esse. Meine Frau kocht sehr gut. Da bin ich verwöhnt. Wir schauen uns gemeinsam die Nachrichten an. Ich sehe mir gern noch einen Film an. Ich mag Filme. Inspiriert mich oft fürs Schreiben. Meine Frau zappt lieber durch die Kanäle. Dann ergreife ich die Flucht.
Woher kommen die Inspirationen zu Ihren Büchern?
Ulf Schiewe: Ich habe gerade gesagt, Filme inspirieren mich. Das muss man nicht falsch verstehen. Die Ideen für ein Buch beziehe ich nicht aus Filmen. Die bekomme ich eher durch historische Sachbücher. Da stolpert man oft über die fantastischsten Geschichten, die nur darauf warten, geschrieben zu werden. Ich hab schon oft sagen hören, im historischen Bereich sei schon alles geschrieben worden, alle Themen behandelt, es gäbe nichts Neues mehr. Also das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Wenn man ein bisschen unter der Oberfläche kratzt, gibt es in jedem Jahrhundert massenweise Vorkommnisse, aus denen man eine spannende Geschichte machen kann.
Was die Inspiration aus Filmen betrifft, ich habe ein visuelles Gedächtnis, das durch Bilder animiert wird. Deshalb schreibe ich gern in einer bildhaften Sprache und freue mich, wenn es gelingt und wenn Leser sagen, sie hätten meinen Roman wie einen Film erlebt.
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