Auftauchen oder auch: Learning to fly
Über Jennifer Haighs neuen Roman "Auftauchen"
„Auftauchen“ oder auch: Learning to fly. Ein Ausnahme-Roman über eine normale amerikanische Familie und eine besondere Krankheit
Wie mag das sein, wenn alle anderen wachsen und der eigene Körper bleibt stehen? Kann die Seele reifen, wenn der Körper kindlich bleibt? Und wie geht eine Familie damit um, dass da eine ist, die nicht die Schrittlänge für den normalen Gang der Dinge hat?
Jennifer Haigh hat einen großen Roman über eine „kleine“ Hauptfigur geschrieben, der das Aufwachsen der jungen Gwen McKotch beschreibt und eindrucksvoll schildert, wie eine junge Frau sich aus den Zwängen ihrer Familie und den Grenzen einer seltenen Krankheit mausert.
Das Turner-Syndrom – Stehen bleiben, wenn die anderen wachsen
Das Turner-Syndrom, eine genetische Veränderung, die das normale Körperwachstum bei Mädchen bremst, steht in diesem Roman auch als Symbol für Stillstand. Denn Wachsen heißt immer auch: Grenzen verändern oder gar sprengen – und das ist etwas, was man im Clan der McKotchs unbedingt verhindern will.
Das Turner-Syndrom tritt mit der Wahrscheinlichkeit von 1:2500 auf. Die Schwere der Krankheit und der Zeitpunkt, an dem man sie bemerkt, können unterschiedlich sein. Wenn es nicht bereits während der Schwangerschaft oder direkt nach der Geburt die Krankheit festgestellt wird, fällt das Turner-Syndrom häufig erst später im Leben des Kindes auf. In der Grundschulzeit kann die Kleinwüchsigkeit, in der Pubertät dann die ausbleibende Pubertätsentwicklung oder als Erwachsener ausbleibende Schwangerschaften ein Hinweis darauf sein. Gentests geben dann die eindeutige Diagnose. Oft sind neben der Kleinwüchsigkeit bei den Kindern Organe betroffen, die charakteristische Schwächen oder Defekte z. B. an Herz, Nieren, Haut oder im Knochenbau haben. Eine Neigung zur Diabetes Typ I. oder II. ist ein weiterer Risikofaktor für die Frauen. Intelligenz und Wahrnehmung hingegen sind in der Regel normal und alle Schulabschlüsse oder Ausbildungen können erreicht werden. Schwierig ist für Frauen mit Turner-Syndrom oft die Tatsache, dass in den meisten Fällen der Kinderwunsch nicht erfüllt werden kann. Während die Kleinwüchsigkeit und andere Symptome mit ärztlicher Betreuung verbessert werden können, ist hier medizinisch für die Frauen leider keine Hilfe möglich.