Das verflixte Filetiermesser von L.A.
Hoch spannend, intelligent, psychologisch ausgefeilt: Dieser Mann kann schreiben. Nach „Die Scharfrichter“ oder „Die Sekte“ legt der US-Bestsellerautor Gregg Hurwitz mit „Blackout“seinen achten Psychothriller vor. Der Stand-alone-Roman erntet Lorbeeren von allen Seiten. Das wundert kaum: Zieht einem schon der ausgebuffte Plot die Schuhe aus, haut einen die eindringliche Sprache vollends von den Socken.„Erdrückende Beweislast“: Diese abgedroschene Phrase verwendet der in Los Angeles lebende Krimiautor Drew Danner höchstens in seinen Büchern. Ironie des Schicksals: Die Last, unter der er gerade höchstpersönlich zusammenbricht, ist in der Tat erdrückend. Drew steht nämlich unter dringendem Verdacht, seine französische Ex-Freundin Geneviève mit einem Filetiermesser ermordet zu haben. Drews eigene Geschichte ist so banal, wie er sie keinem seiner Leser je zumuten würde: Ein Mörder, der sich angeblich an nichts erinnern kann, plädiert vor Gericht auf „unschuldig“.
„Bei dem Gedanken, demnächst irgendetwas zu schreiben, verließ mich mein ganzer Mut. Es ging doch nichts über ein kleines, altmodisches Trauma, um mir die Egozentrik meines Berufs vor Augen zu führen. Und auch seinen mangelnden Praxisbezug. Ich hätte mir in diesem Moment eine Arztpraxis gewünscht oder von mir aus auch ein Waisenkind, um das ich mich hätte kümmern müssen.“
Drew hat tatsächlich einen totalen Aussetzer, auf Medizinisch: Amnesie. Damit nicht genug: Er soll nicht nur ein kaltblütiger Killer sein, er hat auch keine Haare mehr auf dem Kopf, was daran liegt, dass ihm gerade ein Hirntumor herausoperiert wurde, auf Medizinisch: Gangliogliom. Mit diesem ganzen Wahnsinn wird der Schriftsteller konfrontiert, als er in einem Krankenhauses in Los Angeles aufwacht. Dabei führte er doch eben noch ein relativ normales Leben.
„Ich goss den rauchigen Single Barrel in den Abfluss. Die Juden opfern ein Glas Wein für den Propheten Elias, die Buddhisten opfern Obst, die Gangbanger gießen einen Drink für ihre toten Kumpels auf den Boden. Man muss den Göttern zu essen geben. Sonst fressen einen die Götter nämlich selbst. Nicht, dass sie einen nicht auch so fressen würden.“
Drews Lage ist so grotesk wie der Name seines Tumors, den er nach seinem Freispruch („unzurechnungsfähig“) mit nach Hause nimmt. Doch er kann das Glas noch so lange anstarren: Die braune Gewebemasse gibt ihm keine Antwort über den Mord, den er begangen haben soll. Kann er sich selbst trauen? Was, wenn er sich wirklich von Dr. Jekyll in Mr. Hyde verwandelt? In der Nacht nach seiner Entlassung wacht Drew in seinem Haus über den Hügeln der Stadt aus einem Alptraum auf. Was war das eben für ein Geräusch? Im Erdgeschoss entdeckt er blutige Fußabdrücke auf dem Boden, die Terassentür steht sperrangelweit auf, und aus seinem Messerblock fehlt das Filetiermesser ...
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BÜCHER DES AUTORS
Gregg Hurwitz
Die Sekte
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Gregg Hurwitz
Die Scharfrichter
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