Der Tipp des Lektorats im Dezember: Die große Brocklaus
Stefan Ulrich Meyer empfiehlt Ihnen ein ganz besonderes Lexikon!
Liebe Leserin, lieber Leser!
Weshalb lesen wir Sachbücher? Komische Frage, denn die Antworten liegen auf der Hand: Einerseits, weil wir die Welt verstehen, andererseits weil wir Neues erfahren möchten.
Mit der Welterklärung ist es nun so eine traurige Sache: Nachdem die Schwarmintelligenz der hunderttausend Jauch-Kandidaten, Leserreporter und Wikipediasten der klassischen Enzyklopädie den Garaus gemacht hat, bleibt Lesern und Verlagen allein die Suche nach dem Neuen. Und ich freue mich, Sie, liebe Leserin, lieber Leser, auf einen eben geborenen Meilenstern in der Gutenberg-Galaxie hinweisen zu können. Vergessen Sie getrost Diderot und d’Alembert und die ganzen spitzengeklöppelten Nachschlagewerke: „Die große Brocklaus. Das komplett erfundene Lexikon“ ist geistiges Studentenfutter für all die gelangweilten Köpfe, die alles wissen, weil heute nichts mehr verborgen bleibt.
Wo liegt der Ostpol?
Was hat die Menschheit Avocado da Fidschi zu verdanken?
Weshalb ist das Grieshämchen vom Aussterben bedroht?
Welches Geheimnis verbirgt sich hinter einer Männerklappe?
Für mich als Sachbuchlektor, der sich einige fünfzehn Jahre mit der schmackhaften Zubereitung vorhandenen Wissens gemüht hat, ist dieses Buch des nichts weniger als genialen Trios Fröhlich-Reinwarth-Kuhn eine veritable Offenbarung. Nichts, was ich bereits wusste. Vieles, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich es wissen könnte. Nun möchte ich Ihnen aus vollem Herzen ein Buch ans Zwerchfell legen, das mir mein bisheriges Leserleben als beinahe farblos und fad erscheinen lässt.
Und so rufe ich Ihnen mit Schiller zu: „Von hier und heute geht eine neue Epoche der Wissensgeschichte aus und ihr könnt sagen, ihr habt dabei gelesen.“
Mit den besten Grüßen vom Redakteur des Bandes,
Stefan Ulrich Meyer
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